„Tim Merlier konnte bislang nicht schmerzfrei trainieren“ – Soudal - Quick-Step legt beunruhigende Situation beim früheren Europameister offen

Radsport
Mittwoch, 04 Februar 2026 um 13:00
merlier
Das Frühjahrsbild der Sprinter formt sich bereits im Peloton. Siege werden eingefahren. Anfahrten greifen. Die schnellen Männer finden ihren Rhythmus. Und einer der Allerschnellsten ist noch gar nicht Teil dieser Diskussion.

Analyse: Was Merliers Knieproblem für die Sprint-Hierarchie bedeutet

Laut Soudal - Quick-Step-CEO Jurgen Fore kann Tim Merlier nach einer komplexen Knieirritation weiterhin nicht richtig trainieren. Die Beschwerden haben seinen gesamten Winteraufbau torpediert, lassen den Belgier ohne konkrete Rennplanung zurück und machen einen Saisonstart 2026 vor Mitte bis Ende März unwahrscheinlich.
„Es ist keine schwere Verletzung, sondern eine Reizung“, erklärte Fore im Gespräch mit HLN. „Tim kann schmerzfrei gehen und laufen, aber in der Tretbewegung hat er Probleme. Wir kennen die Ursache und der Entscheid des Ärzteteams ist, sehr konservativ mit Ruhe und Übungen vorzugehen.“ Dieser konservative Ansatz hat einen hohen Preis.
Merlier kämpft seit Anfang Dezember mit Knieproblemen. Zuerst das linke Knie, dann während des Dezember-Trainingslagers das rechte. Nach kurzer Pause nahm er im Januar vorsichtiges Training mit zweistündigen Ausfahrten, teils zweimal täglich, kombiniert mit spezifischer Kräftigung, wieder auf.
„Es schien gut zu laufen, aber letzten Mittwoch, am Ende des Camps, spürte er erneut Schmerzen im rechten Knie. Wir haben sofort reagiert, das Knie erneut behandelt und zehn Tage Ruhe verordnet. Am kommenden Montag bewerten wir, ob das Problem abgeklungen ist.“
Der aufschlussreichste Satz folgte später. „Tim konnte seit zwei Wochen nicht schmerzfrei trainieren.“

Keine Rennpläne und kein Opening Weekend

Merlier wurde bereits für die AlUla Tour, die UAE Tour und nun auch für das belgische Opening Weekend gestrichen. Das Team arbeitet nicht mehr auf ein konkretes Rückkehrdatum hin.
„Das Opening Weekend ist für Tim unmöglich“, räumte Fore ein. „Tim konnte seit zwei Wochen nicht ohne Probleme trainieren. Frühestens Mitte oder Ende März wird er wieder Rennen fahren können, aber wir wollen uns nicht an ein Datum oder ein Rennen klammern. Vorerst machen wir mit Tim keine Pläne. Hoffentlich geben die Ärzte ab Montag grünes Licht, damit er endlich mit seinem Saisonaufbau beginnen kann.“
Das frühestmögliche realistische Ziel ist nun die Nokere Koerse Mitte März.
Das ist kein verzögerter Start. Das ist ein Fahrer, der nach eigener Teamdarstellung seinen eigentlichen Saisonaufbau noch gar nicht begonnen hat.

Warum das in der Sprint-Hierarchie zählt

Nach Renommee und nachgewiesener Endgeschwindigkeit gehört Merlier zur absoluten Weltspitze der Sprinter neben Jasper Philipsen, Jonathan Milan und Olav Kooij.
In den vergangenen zwei Saisons war er einer der verlässlichsten reinen Massensprinter im Peloton. Wenn Merlier normal in eine Saison startet, gewinnt er früh und gewinnt häufig. Das ist sein Muster geworden.
Dieser Winter hat dieses Muster komplett durchbrochen.
Während einige seiner Hauptkonkurrenten bereits Rennen fahren, den Sprinttiming schärfen, die Abstimmung mit ihren Anfahrzügen verbessern und frühe Siege sammeln, befindet sich Merlier faktisch noch in einer Reha-Phase.
Fores Worte machen das deutlich. Es gab keine anhaltende Intensität. Keine Sprintwiederholungen. Keinen echten Aufbau. Keine Rennsimulation. Keine Kontinuität.
Im Vergleich zu den anderen Top-Sprintern liegt Merlier in der Vorbereitung um Wochen zurück.

Ein ganz anderer Merlier-Comeback

Sollte Merlier bei der Nokere Koerse am Start stehen, reist er nicht als einer der Schnellsten des Feldes an. Er kommt als Fahrer, der ins Renngeschehen zurückkehrt.
Das ist eine ungewohnte Rolle für ihn.
Normalerweise ist Merlier der Fahrer, der die Sprintdebatte vom ersten Tag der Saison an um sich herum zentriert. 2026 ist er erstmals seit Jahren derjenige, der hinterherläuft.
Das ändert nichts an seiner rohen Klasse. Es ändert nichts an dem, wozu er voll fit fähig ist. Aber im Februar 2026 ist Merlier noch nicht der Merlier, vor dem das Peloton Respekt hat.
Er ist der Merlier, auf dessen Rückkehr das Peloton wartet.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Loading