„Rein nach den Ergebnissen war es definitiv nicht gut“: Geraint Thomas rechnet mit der INEOS-Saison 2026 ab
Radsport
Geraint Thomas hat eingeräumt, dass die Saison 2026 für Netcompany INEOS nicht gut genug war. Das britische Team komme trotzdem voran, betont er. Auf dem Weg zurück an die Spitze des Profiradsports liege aber noch viel Arbeit. Der Tour-de-France-Sieger von 2018 hat gerade sein erstes Jahr als Director of Racing abgeschlossen.
In der aktuellen Folge des Podcasts „Watts Occurring“ sprach Thomas gemeinsam mit seinem früheren Teamkollegen Luke Rowe offen über eine Spielzeit mit vielen Siegen, aber wenigen großen Erfolgen. „Manche fragen, ob unsere Saison gut oder schlecht war. Allein nach den Ergebnissen war sie definitiv nicht gut“, sagte Thomas.
Vom Branchenprimus zum Neuaufbau
Die Einschätzung wiegt schwer, denn Thomas kennt kein anderes Team als dieses. Er fuhr seine gesamte Profikarriere für die Organisation und wechselte 2010 zum neu gegründeten Team Sky. Zwischen 2012 und 2019 gewann die Mannschaft sieben Mal die Tour de France, darunter Thomas’ eigenen Triumph 2018. Den bislang letzten Grand-Tour-Sieg feierte Egan Bernal beim Giro d’Italia 2021.

Geraint Thomas auf Etappe 3 des Giro d’Italia 2026
Dabei fehlte es INEOS 2026 nicht an Erfolgserlebnissen. Filippo Ganna holte im Frühjahr einen der dramatischsten Siege der Saison, als er Wout van Aert bei Dwars door Vlaanderen auf den letzten Metern einfing. Im Mai ließ er einen weiteren Zeitfahrsieg beim Giro d’Italia folgen. Auch Dorian Godon sammelte in seiner ersten Saison für das Team mehrere Erfolge.
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Die Tour de France begann vielversprechend. Im Mannschaftszeitfahren in Barcelona belegte INEOS hinter Team Visma | Lease a Bike mit acht Sekunden Rückstand den zweiten Platz. Danach folgte erneut ein enttäuschender Juli. Das Team verließ die Rundfahrt ohne Etappensieg und ohne Fahrer unter den ersten zehn der Gesamtwertung.
Schon die Vorbereitung hatte einen schweren Rückschlag gebracht. Oscar Onley, nach seinem vierten Platz bei der Tour 2025 verpflichtet, zog sich bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes bei einem Sturz eine Schulterverletzung zu und fiel für die Tour komplett aus.
„Wir hatten viele Siege, aber eher kleinere. Große Erfolge waren nicht dabei“, räumte Thomas ein. Er will die Ergebnisse jedoch im Verhältnis zur Ausgangslage sehen, nach Jahren des Niedergangs. „Sagen wir, wir starten bei 20 Prozent von dem, was wir einmal waren, nur um eine Zahl zu nennen. Von 20 kommt man nicht sofort wieder auf 80“, erklärte er. „Das ist wie bei einer Leiter. Von der zweiten Sprosse springt man nicht direkt auf die achte. Man muss erst auf die dritte, vierte, fünfte.“
Die Prozentzahlen nannte Thomas als Gedankenspiel und nicht als exakte Messung der Teamleistung. Von einem Fortschritt ist er dennoch überzeugt. „Wir sind ein paar Stufen nach oben geklettert, da bin ich sicher. Ein paar Mal sind wir auch abgerutscht, aber das gehört dazu.“
Pech oder Fehler? Thomas ordnet die vielen Rückschläge ein
Nach seinem Karriereende Ende 2025 wechselte Thomas ins Management und formt dort nun mit die nächste Generation an INEOS-Anführern. Mit Onley, Kevin Vauquelin und Godon kamen für 2026 drei neue Optionen ins Team. Ihre erste gemeinsame Saison litt allerdings immer wieder unter Rückschlägen.
Besonders holprig startete Vauquelin, der nach seinem siebten Platz bei der Tour 2025 zu INEOS gewechselt war. Bei Paris-Nizza drängte ihn eine Windkantenetappe von der Straße, sodass er sich zurück ins Rennen kämpfen musste. „Er lag in der hinteren Gruppe und hat sich wieder herangekämpft. Hätte er das nicht getan, wäre er von Anfang an vorne gewesen. Wer weiß, was dann passiert wäre?“, sagte Thomas. Vauquelin beendete die Rundfahrt schließlich auf Rang vier der Gesamtwertung.
Beim Amstel Gold Race folgte der nächste Sturz. Thomas hielt den Franzosen vor diesem Zwischenfall für stark genug, um um das Podium mitzufahren. Der Sturz störte zudem die Vorbereitung auf den Flèche Wallonne und Lüttich-Bastogne-Lüttich.
Thomas weiß aus eigener Erfahrung, wie zermürbend solche Serien sein können. „Ich war selbst in dieser Lage, wenn man oft stürzt und ein wenig Pech hat. Dann denkt man schnell: ‚Oh Mann, schon wieder‘“, sagte er.
Alles auf Pech zurückführen will er jedoch nicht. „Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem. Man kann nicht einfach auf die Saison schauen und nur Sturz, Sturz, Platten, Defekt sehen. Man braucht den Kontext“, betonte er.
Als Beispiel nannte er Magnus Sheffield. Der Amerikaner bringe sich durch seinen Fahrstil und seine Positionierung manchmal selbst in heikle Situationen. Trotzdem wäre es unfair, ihm jeden Zwischenfall anzulasten.
Das Dauphiné-Drama: Wie Onleys Tour-Traum platzte
Deutlich folgenreicher war Onleys Sturz beim Critérium du Dauphiné. INEOS hatte seine Fahrer angewiesen, sich vor einer technisch anspruchsvollen Abfahrt weit nach vorne zu schieben. So wollte das Team das Tempo bestimmen und nicht weiter hinten im Feld Gefahren ausgesetzt sein. Laut Thomas setzte die Gruppe diesen Plan zunächst nahezu perfekt um. Godon, Vauquelin und Onley lagen am vorangegangenen Anstieg alle gut platziert.
Anschließend fuhren die Profis die Abfahrt trotzdem aggressiv weiter, obwohl sie das Rennen bereits kontrollierten. „Wir wollten nicht die Abfahrt gewinnen. Wir wollten das Rennen kontrollieren und das Tempo diktieren“, erklärte Thomas.
Onley überfuhr eine Kurve und zog sich die Verletzung zu, die seine Tour-Ambitionen beendete, bevor die Rundfahrt überhaupt begonnen hatte. Der Schotte habe hinterher selbst erkannt, dass er hätte zurückstecken können, berichtet Thomas.
Der Vorfall zeigte auch, wie schwierig es ist, drei Neuzugänge in ein Team zu integrieren, das sich erst aufeinander einspielen muss. „Dorian ist neu, Oscar ist neu, und Kevin auch. Sie alle sind neu im Team. Das braucht Zeit, bis es zusammenpasst“, sagte Thomas. „Dass sie den Plan umgesetzt und den Gipfel als Erste überquert haben, ist ein großer Pluspunkt. Sie haben dabei alle für die nächste Phase des Plans gelernt und nehmen das mit.“
Godon hatte zuvor mehrere Jahre bei Rowes Decathlon-Team gefahren. Onley und Vauquelin mussten sich ebenfalls auf neue Teamkollegen und ein neues Umfeld einstellen.
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Gannas Kampfgeist als Vorbild
Gannas Sieg bei Dwars door Vlaanderen zeigt dagegen die Mentalität, die Thomas sich vom gesamten Kader wünscht. Der Italiener hatte schon früh im Rennen mit technischen Problemen zu kämpfen, arbeitete sich aber zurück und stellte Van Aert kurz vor dem Ziel. „Wir haben ihn schon seit Jahresbeginn dazu gedrängt, mehr zu attackieren. Bei den Klassikern gibst du nie auf“, erinnerte sich Thomas. Er verwies damit auf einen Rat, den ihm sein früherer Teamkollege Mathew Hayman zu Rennfahrerzeiten oft mit auf den Weg gab.
Der Erfolg zählte zu den Höhepunkten der Saison. Weil Ganna bei Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix enttäuschte und Vauquelins Ardennen-Kampagne unterbrochen wurde, blieb INEOS bei den großen Frühjahrsklassikern sonst wenig zu feiern.
Arensmans Giro-Durchbruch als Beleg für den Fortschritt
Als eines der stärksten Resultate der Saison wertet Thomas Thymen Arensmans vierten Platz beim Giro d’Italia. Zusammen mit Egan Bernal auf Rang zehn platzierte INEOS zwei Fahrer in den Top Ten. Arensman verpasste das Podium nur knapp.
„Isoliert betrachtet war das ein riesiger Schritt nach vorn“, sagte Thomas. „Mental und psychologisch war er viel konstanter als in den Jahren zuvor.“
Arensman arbeitete während der Saison intensiv mit dem Sportpsychiater Steve Peters und mit seinem Trainer Adrian zusammen. Thomas glaubt, dass sich das auszahlte: Der Niederländer fuhr bei dieser Grand Tour sein bislang bestes Ergebnis in der Gesamtwertung. Bernal übernahm in den entscheidenden letzten Bergetappen eine wichtige Rolle. Er stellte die eigenen Ambitionen zurück und unterstützte seinen jüngeren Teamkollegen.
Am Ende der Rundfahrt führten die beiden offene Gespräche, die sich als wichtig erwiesen, als Felix Gall und Jai Hindley Arensman unter Druck setzten. „Am letzten Tag hat Thymen ihm wirklich vertraut“, verriet Thomas. „Sie sind zusammengeblieben, und er hat ihn wieder an Hindley und Gall herangebracht, die sich von ihm abgesetzt hatten.“
Onley erholte sich von seiner Sommerenttäuschung und belegte bei der Vuelta a España den sechsten Gesamtrang. Zusätzlich gewann er die Nachwuchswertung. Damit gelang INEOS vor Saisonende ein weiteres ermutigendes Grand-Tour-Ergebnis.
Gannas Abschied stellt Thomas vor die nächste Aufgabe
Ganna verlässt das Team nach acht Jahren in Richtung Lidl-Trek. Damit verliert INEOS einen der verlässlichsten Sieger und eine zentrale Figur für die Klassiker- und Zeitfahrambitionen.
Für 2027 hat das Team breit nachgelegt. Joe Blackmore, Markel Beloki und Harold Tejada gehören zu den Neuzugängen. Zusammen mit Onley, Arensman und Vauquelin bilden sie einen Kader, der noch immer nach einem Fahrer sucht, der INEOS an die Spitze der Grand-Tour-Szene zurückführen kann.
Thomas startet ohne Ganna in sein zweites Jahr als Director of Racing. Dessen Siege lieferten selbst in den schwierigen Jahren einige der größten Momente des Teams. Diesen Beitrag zu ersetzen, wird eine große Aufgabe, zumal INEOS parallel eine neue Generation von Anführern aufbauen will.

Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Radsportaktuell.de und berichtet über den professionellen Radsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Liveblogs zu wichtigen Renntagen und Etappen, bei denen er das Geschehen in Echtzeit begleitet und Ergebnisse sowie taktische Entwicklungen fortlaufend einordnet. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um Teams, Fahrer und den Rennkalender.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattformen vernetzt, darunter Nicolas Gayer und Oliver Ried. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026










