Philippa York meint, Remco Evenepoel nutzte die Katalonien-Rundfahrt „mehr als Formtest für die anstehenden Ardennen-Klassiker denn zum Vergleich mit Vingegaard“

Radsport
Mittwoch, 01 April 2026 um 7:15
Remco Evenepoel
Die Katalonien-Rundfahrt 2026 vereinte auf dem Papier nahezu alle großen Namen, die bei den kommenden Grand Tours um die Gesamtwertung kämpfen sollen. So rahmt Philippa York ihre Analyse, betont, dass die Startliste kaum zu toppen war – mit einem großen Abwesenden: Tadej Pogačar, flankiert vom Sieg Jonas Vingegaards und Remco Evenepoels bittersüßer Woche.
Die Britin hebt hervor, dass der Slowene einen alternativen Kalender mit Fokus auf die Klassiker wählte und seine Rückkehr in den Etappenbetrieb bis zur Tour de Romandie verschob. Unterdessen traten die übrigen Anwärter in Katalonien mit doppelter Zielsetzung an: Schlagabtausch und ehrlicher Formabgleich gegen die direkten Rivalen.
„Alle, die sich als ernsthafte Gesamtwertungsfahrer sehen, waren da. Alle – außer Tadej Pogačar“, konstatiert York und unterstreicht das sportliche Gewicht dieser Ausgabe.
In diesem Rahmen ging Jonas Vingegaard als Bezugsgröße ins Rennen. Laut York machte ihn sein Status als einziger Fahrer, der Pogačars Thron ernsthaft gefährden kann, zum klaren Favoriten. „Jonas Vingegaard gab den Takt vor und war, als Einziger auf Augenhöhe mit Pogačar, der eindeutige Favorit“, erklärt sie.

Evenepoel zwischen zwei Zielen gefangen

Rundherum reisten Fahrer wie Remco Evenepoel, João Almeida und Tom Pidcock mit dem Bedarf an, ihre Form zu verifizieren. Für den Belgier lag die Messlatte nach seinem Saisonstart hoch: „Remco Evenepoel musste die Form wiederfinden, mit der er im Januar und Februar alle zerlegt hat.“
Evenepoels Fall verdient in Yorks Lesart ein eigenes Kapitel. Der Belgier zeigte sich stabiler als zuletzt, blieb aber unter seinem Topniveau. „Es war nicht so schwach wie bei der UAE Tour im vergangenen Monat, aber es war auch nicht die Leistung, die sich das Management erhofft hätte“, sagt sie.
Die Analystin legt zudem nahe, dass sein Ansatz vom Kalender geprägt war. „Wenn man sieht, wie er an den Tagen vor den Bergankünften fuhr, drängt sich der Eindruck auf, dass dies eher ein Formcheck für die anstehenden Ardennen war als der direkte Vergleich mit Jonas Vingegaard.“
Dementsprechend fällt das Fazit nuanciert aus: „Katalonien kann als Erfolg gelten, weil er dynamisch, stark und in den ersten Tagen präsent war, doch in den Hochgebirgetappen fuhr er mehr hinterher als von vorn.“
York hebt auch andere Fahrer hervor, die sich neu behaupten wollten, etwa Oscar Onley, an einem Schlüsselpunkt nach einem wechselhaften Start: „Das war ein entscheidender Moment, die Zeit, nach den Enttäuschungen bei Paris–Nizza den nächsten Schritt zu machen.“

INEOS überzeugt im Gesamtklassement nicht

Ein Team, das in der Rückschau nicht gut wegkommt, sind die INEOS Grenadiers. Es gab Positives, vor allem mit Dorian Godon, doch der GC-Kampf nahm nie wirklich Gestalt an.
York betont die Rolle des Franzosen in den zermürbenden Sprints: „Den Coup zwei Tage später zu wiederholen – im Führungstrikot – zeigte seinen Wert: ein Sprinter, der Mittelgebirgsetappen übersteht.“ Sein Gewinn der Punktewertung, ergänzt sie, „war hochverdient“.
Oscar Onley bei der Katalonien-Rundfahrt 2026 mit INEOS
Oscar Onley bei der Katalonien-Rundfahrt 2026 mit INEOS
Die Zweifel traten in den Bergen zutage. „Sie versuchten, auf Bergankünften das Rennen zu kontrollieren, doch Onley und Rodríguez konnten nicht mithalten, als sich der Kampf auf die Top-Kletterer zuspitzte – und das ist bedenklich“, analysiert sie.
Die Anforderung war klar: „Es ist nachvollziehbar, dass sie Vingegaard bei seinen Attacken nicht folgen konnten, aber einer von beiden hätte in der unmittelbaren Verfolgergruppe sein müssen.“
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