Der vergangene Sonntag war eine Reminiszenz an die Klassiker-Ära vor Pogacar, als wir gebannt verfolgten, welcher Teil des Cyclocross-Duos
Wout van Aert–Mathieu van der Poel auf dem Pflaster die Oberhand behält. Und das 2026er
In Flanders Fields – von Middelkerke nach Wevelgem servierte uns erneut dieses traditionelle Duell, auch wenn am Ende keiner der beiden den Sieg holte.
Analyse zu Van Aert vs. Van der Poel beim Flandern-Klassikerduell
Besonders eindrucksvoll war der Auftritt des Belgiers, der nahe an seinem Topniveau fuhr, um über den Kemmelberg am Niederländer dranzubleiben. Zwischenzeitlich verlor ihr Fluchtgefährte Florian Vermeersch den Anschluss und schaffte es trotz einer starken Verfolgung nicht mehr zurück zur Spitzengruppe.
Nach Ansicht des Ex-Profis
Jan Bakelants könnte das Distanzieren von Vermeersch den Sargnagel für van Aerts Ambitionen bedeutet haben. Derweil konnte sich van der Poel auf Sprinter Jasper Philipsen als Absicherung verlassen, um den Job zu vollenden.
„Wout van Aert hat sich seine eigene Falle gestellt“, analysierte Bakelants die entscheidenden Rennmomente für
HLN. „Er machte sich angreifbar, weil er die E3 Saxo Classic nicht gefahren ist und dadurch am Sonntag ein Ergebnis brauchte. Van der Poel hatte diesen Zwang nicht.“
Dazu kam etwas Glück, dass der Niederländer zwei Tage zuvor seinen 40-Kilometer-Solo vollenden konnte. An der Ausgangslage für den Sonntag änderte das jedoch nichts: Van Aert musste einen Gang mehr auflegen, um zu seinem Rivalen aufzuschließen.
„Indem er van der Poel ein wenig reizte und ihn halbkraft im Windschatten sitzen ließ, wurde Wout schachmatt gesetzt. Er musste weiter mit 110 Prozent fahren, sonst wären sie zwangsläufig wieder gestellt worden.“
Das führt den belgischen Analysten zu der Annahme, dass Alpecin–Premier Tech das Risiko bewusst in Kauf nahm, auf diese Weise nicht zu gewinnen. „Damit konnten sie van Aert trotzdem noch einmal wehtun“, schloss er. „Sie nahmen dankbar die taktische Chance an, die ihnen Team van Aert bot.“
Mathieu van der Poel und Wout van Aert Seite an Seite bei In Flanders Fields 2026
Fürchtet Alpecin Wout noch immer?
Laut Bakelants ist die anhaltende Fixierung von Alpecin–Premier Tech auf van Aert am Ende ein Kompliment. „Es zeigt, dass sie ihn als möglichen Sieger ernst nehmen.“
Dennoch fehle van Aert etwas, um van der Poel oder Pogacar wirklich Paroli zu bieten. Dazu kommen weitere Anwärter wie Mads Pedersen und jüngst auch Florian Vermeersch, dessen Niveau offenbar nicht weit von van Aerts entfernt ist. „Man kann aktuell auch Florian Vermeersch dazuzählen. Er hat einen riesigen Schritt gemacht“, sagte Bakelants.
Aus seiner Sicht hätte Visma | Lease a Bike den UAE-Fahrer sogar zu den Spitzenreitern zurückkehren lassen sollen, statt ihn die nächsten 15 Kilometer in Sichtweite hängen zu lassen. „Wenn er so lange bei fünfzehn Sekunden bleiben kann, sollten die Alarmglocken schrillen. Er war da, bereit, genutzt zu werden.“
Bakelants fragt sich daher, ob Visma | Lease a Bike bewusst entschieden hat, Vermeersch nicht zurückkommen zu lassen. „Vermeersch versteht sich extrem gut mit van der Poel. Das ist ebenfalls eine Folge davon, E3 nicht gefahren zu sein. Wenn man seine Kollegen jede Woche sieht, wächst man automatisch näher zusammen“, betont er.