Remco Evenepoels bestätigtes Debüt bei der Flandern-Rundfahrt hat einer ohnehin eng besetzten Favoritengruppe einen weiteren Namen hinzugefügt. Bei
Team Visma | Lease a Bike fällt die Reaktion nüchtern statt alarmiert aus.
Grischa Niermann nahm die Nachricht mit einem lockeren Verweis auf die vergangene
Katalonien-Rundfahrt auf, wo Evenepoel und
Jonas Vingegaard die Woche auf entgegengesetzten Seiten der Renndynamik verbrachten. „Mein erster Gedanke war, jetzt weiß ich, warum er es in Katalonien ruhig angehen ließ... Nein, mein erster Gedanke war, ich rufe Jonas an, dass er jetzt auch kommt“,
scherzte Niermann laut Domestique. Die Anspielung trifft auf den Hintergrund von Evenepoels Aussagen beim Rennen, in denen er ein bekanntes Muster benannte. „Jonas ist wieder sehr defensiv gefahren, so wie die ganze Woche. Dagegen konnte ich nichts machen“, sagte er nach der Schlussetappe in Barcelona.
Hinter dem Humor stand eine nüchterne Einschätzung. Evenepoels Präsenz ändert nicht den Charakter des Rennens, fügt aber einen weiteren Fahrer hinzu, der es prägen kann. „Nein, für uns ist es gut, wenn da noch ein starker Fahrer dazukommt“, sagte Niermann. „Das ist eine weitere Karte im Spiel, also ist das aus meiner Sicht positiv.“
Ein anderes Rennen zum Lernen
Bei aller Anerkennung für Evenepoels Niveau verwies Niermann auf die spezifischen Anforderungen der
Flandern-Rundfahrt, klar getrennt von dem Terrain, auf dem der Belgier den Großteil seiner Resultate eingefahren hat. „Ich glaube, es wird eine neue Erfahrung für Remco, denn dieses Rennen ist sicher anders als andere.“
Bei Visma erwartet man weniger körperliche Probleme, vielmehr stellt das Rennen selbst eine andere Aufgabe. Positionierung, Rhythmus und der ständige Druck im Feld sind ebenso entscheidend wie die reine Wattzahl. „Wenn er es schafft, sich im hektischen Geschehen zu behaupten, wird er im Finale dabei sein.“
Dieser Satz fasst das Spannungsfeld um Evenepoels Debüt zusammen. Sein Niveau steht außer Frage, doch das Rennen entscheidet, wie viel er davon zur Geltung bringen kann.
Seine Ankunft verschiebt auch das Gesamtbild leicht. Mit Wout van Aert, der ohnehin Erwartungen trägt, und nun einem weiteren Belgier im Mix, öffnet sich das Rennen eher, als dass es sich verengt. Für Visma ist das kein Problem, sondern ein weiterer Faktor in der Kalkulation.
Evenepoels erster Start bei der Flandern-Rundfahrt bringt eine neue Variable ins Rennen. Ob sie entscheidend wird, hängt weniger von dem ab, was er bereits gezeigt hat, als davon, wie er mit dem noch Neuen umgeht.