„Das ganze Team arbeitet seit Längerem daran“ – Remco Evenepoel nimmt bei der Tour de France das Gelbe Trikot ins Visier – mit einem potenziell wegweisenden neuen Specialized-Rad

Radsport
Dienstag, 02 Juni 2026 um 16:00
Remco Evenepoel
Remco Evenepoels Tour de France 2026 könnte mit einem deutlichen Materialzeichen beginnen, denn Red Bull - BORA - hansgrohe peilt das eröffnende Mannschaftszeitfahren in Barcelona mit einem brandneuen Specialized-Zeitfahrrad an.
Evenepoel steuert den Juli aus einer ganz anderen Position an als nach seinem Tour-Podium 2024. Vor zwei Jahren schien der Belgier klar hinter Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard in der Grand-Tour-Hierarchie etabliert. Inzwischen hat sich Pogacar weiter abgesetzt, Vingegaard seine Aura mit Siegen bei der Vuelta a Espana und dem Giro d’Italia erneuert, und der Kampf dahinter ist deutlich dichter geworden.
Paul Seixas ist mit erst 19 Jahren auf Topniveau durchgestartet. Florian Lipowitz, Evenepoels Teamkollege, wurde im Vorjahr Dritter der Tour und wirkte 2026 im Red-Bull-Duo oft als der stärkere reine Kletterer. Fahrer wie Isaac del Toro, Joao Almeida und weitere erhöhen die Tiefe eines GK-Feldes, in dem der frühere Status als „dritter Mann“ Evenepoel nicht mehr automatisch zufällt.
Das macht den Tour-Auftakt in Barcelona umso bedeutender. Die Ausgabe 2026 beginnt am 04.07. mit einem Mannschaftszeitfahren und bietet Evenepoel und Red Bull eine seltene sofortige Chance, Druck auf die übrigen GK-Anwärter auszuüben und möglicherweise um das erste Maillot Jaune des Rennens zu kämpfen.

Red Bull peilt Barcelona mit neuer Specialized-Maschine an

Im Gespräch mit Sporza beim Wattage Festival in Ostende bestätigte Dario Kloeck, Evenepoels Cousin, Mechaniker und Vertrauter, dass das Team den Barcelona-Auftakt seit Längerem im Fokus hat. „Daran arbeitet das gesamte Team schon eine ganze Weile“, sagte Kloeck.
Für Evenepoel, ohnehin einer der besten Zeitfahrer im Peloton, eröffnet die erste Etappe Red Bull einen klaren Zugang ins Rennen, bevor die Berge die Hierarchie breiter sortieren. Kloeck machte die Bedeutung des ersten Tages kein Geheimnis. „Es ist ein wichtiger Auftakt“, sagte er. „Wenn man sich dort das Gelbe Trikot holen kann, ist das immer schön.“
Im Plan von Red Bull ist neues Material fest eingeplant. Laut Kloeck bereitet Specialized für die Tour ein frisches Zeitfahrrad vor, um bis Barcelona weitere Gewinne zu finden. „Das stimmt, ja. Specialized hat hart daran gearbeitet, ein neues Zeitfahrrad zu bauen. Es sollte jetzt so gut wie bereit sein“, erklärte er.
Evenepoel hat die Maschine noch nicht getestet, doch Kloeck deutete an, dass die Umstellung überschaubar sein dürfte, da sich die Position des Belgiers voraussichtlich nicht ändert. „Die Position bleibt gleich, nur der Rahmen wechselt. Ziel ist es natürlich, wieder ein paar Watt herauszukitzeln“, sagte er.
Remco Evenepoel
Evenepoel ist amtierender Weltmeister im Zeitfahren

Evenepoel sucht den Tour-Funken

Für Red Bull könnten diese Details mehr Gewicht tragen als ein simples Material-Upgrade. Evenepoels Saison 2026 umfasst große Ergebnisse, darunter der Sieg beim Amstel Gold Race sowie Podien bei der Flandern-Rundfahrt und Lüttich–Bastogne–Lüttich, doch seine Tour-Position bleibt komplex.
Er zählt wegen seiner Zeitfahrstärke, Motorik und Grand-Tour-Erfahrung weiterhin zu den gefährlichsten Fahrern im Rennen. Seine jüngsten Kletter- und GK-Resultate haben jedoch die nach dem Tour-Podium 2024 einst erwartete Kurve nicht vollständig bestätigt.
Barcelona bietet ihm eine sofortige Gelegenheit. Evenepoel reist vielleicht nicht mehr als klarer dritter Favorit hinter Pogacar und Vingegaard an, aber er bringt eine Waffe mit, die nur wenige GK-Rivalen matchen können. Eine starke Red-Bull-Leistung im Mannschaftszeitfahren, unterstützt von einem neuen Specialized-Bike für Marginal Gains, könnte ihn umgehend ins Zentrum der Tour-Debatte rücken.
Die Abstände müssen in den Bergen dennoch verteidigt werden. Gegen Pogacar, Vingegaard, Seixas, Lipowitz und das breite GK-Feld reicht ein schneller Start allein nicht. Für einen Fahrer, der seine Position in einer neu geordneten Tour-Hierarchie bekräftigen will, wäre der Start in Gelb jedoch ein kräftiges Statement.

Tour-Plan lässt weniger Raum für Rätsel

Kloeck gewährte auch Einblick, wie Evenepoels Umfeld sein Frühjahrsprogramm steuerte, inklusive der späten Bestätigung seines Debüts bei der Flandern-Rundfahrt. Das Rennen war bereits im Dezember besprochen, doch das Team wartete mit der öffentlichen Bekanntgabe. „Der Plan lag im Dezember schon auf dem Tisch, aber er war nie zu 100 Prozent sicher. Wir wollten zuerst abwarten, wie die Vorbereitung läuft“, sagte er.
Die Geheimhaltung sollte teilweise vermeiden, eine zusätzliche Erwartungshaltung um Evenepoels ersten Auftritt in Flandern aufzubauen. „Wir wollten keine Erwartungen schüren. Aber er hat auch ganz gerne dieses kleine Spielchen mitgespielt“, sagte Kloeck.
Dieselbe Taktik dürfte kaum zur Norm werden. „Ich glaube nicht, dass es weitere Spielchen geben wird, nein. Das kann man nur einmal in der Karriere machen“, sagte er. „Ab dem nächsten Jahr ist das Programm dann einfach im Dezember oder Januar bekannt.“
Für den Moment ist der unmittelbare Fokus deutlich klarer. Barcelona bietet Evenepoel, Red Bull und Specialized die erste Chance zu zeigen, ob ein kontrollierter Tour-Aufbau früh ein Gelbes-Trikot-Statement liefern kann.
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