„Ich hatte die Freude am Alltag verloren“ – Pauline Ferrand-Prevot spricht offen über ihre Tour-Enttäuschung und eine schwere Zeit

Radsport
durch Nic Gayer
Pauline Ferrand-Prevot
Pauline Ferrand-Prevot hat nach ihrer gescheiterten Titelverteidigung bei der Tour de France Femmes 2026 eine schwierige Phase durchlebt. Die Französin war nach einer erfolgreichen Vorbereitung mit großen Ambitionen an den Start gegangen, musste am Ende jedoch eine für sie ungewohnte Erfahrung machen: Obwohl sie im Vorfeld scheinbar alles richtig gemacht hatte, blieb sie sportlich weit hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Die Enttäuschung hinterließ tiefe Spuren und ließ sie zeitweise sogar die Freude am Radsport verlieren.
Die ehemalige Olympiasiegerin und Paris-Roubaix-Gewinnerin war mit einem klaren Ziel zur Frankreich-Rundfahrt gereist: Sie wollte ihren Triumph aus dem Vorjahr wiederholen. 2025 hatte Ferrand-Prevot die Konkurrenz in der Gesamtwertung noch deutlich distanziert und sich souverän das Gelbe Trikot gesichert. Zwölf Monate später entwickelte sich die Tour für die Französin allerdings zu einer bitteren Enttäuschung.

Tour de France Femmes 2026: Ferrand-Prevot steigt nach enttäuschenden Leistungen aus

Nach einer Reihe enttäuschender Auftritte entschied sich die 24-Jährige, zur achten Etappe nicht mehr anzutreten. Besonders ein missglücktes Einzelzeitfahren und eine schwache Vorstellung am Mont Ventoux hatten ihre Hoffnungen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung zunichtegemacht. Statt erneut um den Gesamtsieg zu kämpfen, musste sie sich vorzeitig von der Frankreich-Rundfahrt verabschieden.
Pauline Ferrand-Prevot in Aktion.
Pauline Ferrand-Prevot erlebte bei der Tour de France Femmes 2026 eine bittere Enttäuschung. Nach ihrer gescheiterten Titelverteidigung verlor die Französin zeitweise die Freude am Radsport, fand durch persönliche Erlebnisse jedoch eine neue Perspektive.
Seit ihrem Ausstieg bei der Tour de France Femmes hat die Fahrerin von Visma - Lease a Bike kein weiteres Rennen bestritten. Abseits des Sports erlebte sie allerdings einen besonderen persönlichen Höhepunkt: Vor Kurzem heiratete sie ihren langjährigen Partner Dylan van Baarle. Gleichzeitig gestand Ferrand-Prevot, dass sie nach der Tour nur noch unregelmäßig trainiert habe. Ihr fehlten sowohl die Motivation als auch die Begeisterung für den Radsport, die sie zuvor über viele Jahre angetrieben hatten.

„Noch nie hatte ich alles so gut gemacht und stand trotzdem mit leeren Händen da“

In einem emotionalen Beitrag auf Instagram gewährte Ferrand-Prevot nun Einblicke in ihre Gefühlswelt und erklärte, wie sehr sie sich im Vorfeld der Tour unter Druck gesetzt hatte. Der unbedingte Wille, ihren Titel zu verteidigen, hatte offenbar dazu geführt, dass sie den Blick für andere wichtige Dinge in ihrem Leben verlor.
„Ich war so darauf fixiert, die Tour erneut zu gewinnen, dass ich die Freude am Alltag verloren hatte. Alles drehte sich darum, noch mehr zu tun und besser zu werden, um die Beste zu sein“, schrieb die Französin.
Besonders schwer fiel es ihr, mit der Diskrepanz zwischen ihrer akribischen Vorbereitung und dem enttäuschenden Ergebnis umzugehen. Zwar hatte sie im Verlauf ihrer Karriere bereits zahlreiche Rückschläge verkraften müssen, doch diesmal fühlte sich die Situation für sie grundlegend anders an.
„Ich habe in meiner Karriere schon schwierige Zeiten erlebt, in denen ich traurig war und mich verloren fühlte. Aber noch nie hatte ich alles so gut gemacht und stand am Ende trotzdem mit leeren Händen da.“
Die anschließende Pause vom Rennbetrieb und das deutlich reduzierte Training eröffneten Ferrand-Prevot schließlich eine neue Perspektive. Sie begann, den Dingen außerhalb des professionellen Radsports wieder mehr Bedeutung beizumessen. Eine besonders prägende Rolle spielte dabei ein schwerer Trainingsunfall ihres Partners Dylan van Baarle, bei dem sich der Niederländer erhebliche Verletzungen zuzog. In dieser schwierigen Zeit war Ferrand-Prevot dankbar, an seiner Seite sein und ihn unterstützen zu können.

Hochzeit mit Dylan van Baarle verändert Ferrand-Prevots Blick auf das Leben

Die Verletzung ihres Partners führte der Französin eindrücklich vor Augen, dass sportliche Erfolge nicht alles im Leben sind. Während van Baarle sie in der Vergangenheit häufig unterstützt hatte, konnte sie nun selbst für ihn da sein und ihm in einer besonders schwierigen Situation Halt geben.
„Wenn man sieht, dass der Mensch, den man am meisten liebt, eine so schwere Zeit durchmacht, rückt das alles in ein anderes Licht. Zum ersten Mal war ich froh, für ihn da sein zu können. Normalerweise ist er es, der sich immer um mich kümmert.“
Auch ihre gemeinsame Hochzeit wurde für Ferrand-Prevot zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Obwohl sie in ihrer Karriere bereits einige der größten Erfolge des Radsports gefeiert hatte, empfand sie das persönliche Glück an diesem Tag auf eine völlig andere Weise als ihre sportlichen Triumphe.
„Ich weiß noch, wie glücklich ich nach meinen Siegen bei den Olympischen Spielen, der Tour und Paris-Roubaix war. Doch Dylan zu heiraten und dabei die wichtigsten Menschen in meinem Leben um mich zu haben, war noch einmal ein ganz anderes Glücksgefühl.“
Sportlich bleibt die Zukunft der Französin vorerst offen. Ihr Vertrag bei Visma - Lease a Bike läuft noch bis Ende 2028, doch konkrete Angaben zu ihren Zielen, ihrer Saisonplanung oder ihrer Motivation für das kommende Jahr machte Ferrand-Prevot bislang nicht. Nach den schwierigen vergangenen Monaten scheint sie sich zunächst die notwendige Zeit nehmen zu wollen, um wieder zu alter Stärke zurückzufinden.
An ihrer grundsätzlichen Zuversicht lässt sie allerdings keinen Zweifel. Ihre abschließende Botschaft fällt ebenso kurz wie entschlossen aus: „Ich bin sicher, dass ich stärker zurückkommen werde.“
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