Tadej Pogacar steht ein langer Winter auf dem Rad bevor. Seine Saison endete bereits am 29. August und damit vor mehr als zwei Monaten. Nun hat der Slowene erstmals ausführlich über die dramatischen Folgen seines schweren Sturzes bei der Vuelta a Espana gesprochen. Dabei offenbarte er, dass seine Verletzungen noch gravierender waren als ursprünglich angenommen: Erst eine spätere Untersuchung brachte ans Licht, dass er sich gleich drei Wirbel gebrochen hatte.
„Es gibt tatsächlich eine ziemlich kuriose Geschichte. Vor zwei Wochen war ich in Slowenien und habe noch einmal eine CT-Untersuchung machen lassen. Ich wusste, dass ich einen Bruch am siebten Halswirbel hatte. Dann stellten wir fest, dass auch zwei weitere Wirbel gebrochen waren: der erste und der zweite Brustwirbel“, berichtete Pogacar im Gespräch mit
The Athletic.
Drei gebrochene Wirbel: Pogacars Verletzungen schwerer als zunächst bekannt
Der folgenschwere Sturz auf der achten Etappe der Vuelta a Espana hatte Pogacars Saison abrupt beendet. Obwohl der Slowene das Rennen unbedingt fortsetzen wollte, war daran nicht mehr zu denken. Er konnte nicht einmal mehr auf sein Fahrrad steigen. Rückblickend musste er erkennen, dass sein körperlicher Zustand eine Weiterfahrt ohnehin unmöglich gemacht hätte.
Tadej Pogacar spricht offen über die schweren Folgen seines Sturzes bei der Vuelta a Espana. Erst Wochen später erfuhr der Slowene, dass er sich gleich drei Wirbel gebrochen hatte.
Erst bei der erneuten Untersuchung in seiner slowenischen Heimat erfuhr Pogacar vom tatsächlichen Ausmaß seiner Verletzungen. Ursprünglich hatte der Profi von
UAE Team Emirates - XRG gehofft, sich möglichst schnell zu erholen und noch vor dem Saisonende ins Renngeschehen zurückzukehren. Doch aus diesen Plänen wurde nichts.
„Ich war einfach froh, überhaupt noch am Leben zu sein“
Angesichts der nachträglichen Diagnose ist Pogacar inzwischen erleichtert, auf ein vorzeitiges Comeback verzichtet zu haben. Besonders seine ursprünglich geplante Teilnahme an der Europameisterschaft betrachtet er heute mit anderen Augen.
„In dem Moment war ich froh, dass ich nicht an der Europameisterschaft teilnahm. Das war ursprünglich mein Ziel gewesen. Als ich erfuhr, dass drei Wirbel gebrochen waren, war ich einfach froh, überhaupt noch am Leben zu sein oder zumindest stehen zu können“, gestand der Slowene.
Mehr als zwei Monate nach seinem Unfall geht Pogacar inzwischen davon aus, dass er sich vollständig erholt hat. Schmerzen oder andere Beschwerden verspürt er nach eigenen Angaben nicht mehr. Lediglich bei bestimmten Belastungen muss er weiterhin vorsichtig sein.
„Ich habe keine Beschwerden mehr. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht mit dem Rad stürze und mit dem linken Arm oder dem Nacken keine schweren Lasten hebe. Aber im Grunde kann ich wieder alles ganz normal machen.“
„Ich war wirklich niedergeschlagen“ – Pogacar schildert quälende Tage im Krankenhaus
Wie belastend die Zeit unmittelbar nach seinem Sturz tatsächlich war, verdeutlicht Pogacar mit einem Vergleich zu einer früheren schweren Verletzung. Als er sich 2023 bei Lüttich-Bastogne-Lüttich das Handgelenk brach, hatte er den anschließenden operativen Eingriff noch vergleichsweise unbeschwert verkraftet. Diesmal erlebte er die Situation vollkommen anders.
„Als ich mir das Handgelenk gebrochen hatte – bei Lüttich-Bastogne-Lüttich 2023, Anm. d. Red. –, ging ich zur Operation. Ich war noch ganz benommen von der Narkose und machte Witze. Diesmal war es völlig anders“, erinnerte er sich.
Besonders die lange Wartezeit bis zum Eingriff setzte ihm zu. „Ich musste zwei Tage auf die Operation warten. Zwei Tage lag ich einfach nur im Bett und tat nichts. Da bemitleidet man sich selbst.“
Die gesamte Erfahrung wurde für Pogacar zu einer körperlichen und psychischen Belastungsprobe, die er am liebsten hinter sich lassen würde. Aufgrund seiner Gehirnerschütterung verlief die Genesung zwangsläufig langsam und beschwerlich. Selbst bei einfachsten alltäglichen Tätigkeiten war der Slowene im Krankenhaus auf fremde Hilfe angewiesen.
„Der Teamarzt musste mir beim Duschen helfen. Ich konnte nicht allein duschen. Sobald ich aufstand oder den Kopf senkte, wurde mir schwindelig. Ich war völlig neben mir, und es war sehr hart. Dann dachte ich: ‚Nach der Operation wird alles gut sein.‘“
Doch die erhoffte Erleichterung blieb auch nach dem operativen Eingriff aus. Zwar war damit ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur körperlichen Genesung geschafft, doch mental hatte Pogacar die Geschehnisse noch lange nicht verarbeitet. Statt Zuversicht und Erleichterung bestimmten zunächst Niedergeschlagenheit und Frustration seinen Alltag.
„Die Operation dauerte eine Stunde und 40 Minuten, also ziemlich lange. Als ich aus der Narkose aufwachte, versuchte der Arzt, ein paar Witze zu machen. Aber mir war nicht danach. Nach der Operation war ich wirklich niedergeschlagen.“
Wie tief ihn die Ereignisse getroffen hatten, wurde dem Slowenen vor allem in den ersten Tagen und Wochen nach dem Unfall bewusst. „In den ersten zwei Wochen ging es mir psychisch wirklich nicht gut. Ich war sehr niedergeschlagen. Es war nicht angenehm, mich um sich zu haben“, gab Pogacar offen zu.
Auch für seine Partnerin Urska Zigart war die Situation offenbar alles andere als einfach. Pogacar selbst beschreibt seinen damaligen Zustand mit bemerkenswert deutlichen Worten: „Ich glaube nicht, dass Urska glücklich war, mich zu Hause zu sehen. Ich war einfach deprimiert und habe überhaupt nichts gespürt.“