Oscar Onley hatte bereits starke Ansätze in seiner Entwicklung gezeigt, doch kaum jemand hätte vorhergesagt, dass er die
Tour de France in diesem Jahr als Vierter beendet. Und das in einer der härtesten Ausgaben der jüngeren Vergangenheit, in der selbst Tadej Pogacar in der Schlusswoche mit der Müdigkeit kämpfte.
„Ich habe überperformt, aber das Ergebnis zeigt das Niveau, das ich erreichen kann. Ich war der viertbeste Kletterer und der viertbeste Klassementfahrer der Tour. Das kann ich ehrlich so sagen. Das gibt mir auch viel Motivation für die Zukunft“, erklärte Onley gegenüber dem Ride Magazine.
Der Brite wurde Vierter beim Tour Down Under, Fünfter bei der UAE Tour, Neunter bei Itzulia Basque Country – ein sehr untypischer Kalender für einen Tour-Anwärter. Im Sommer wurde er dann Dritter bei der Tour de Suisse, mit starken Beinen vor der Grand Boucle und einem Etappensieg mitten im Rennen vor João Almeida. In der ersten Woche der Tour zeigte er sich in den hügeligen Etappen präsent und vermied unnötige Zeitverluste, doch erst auf der 12. Etappe nach Hautacam fuhr er den Schlussanstieg stark und schob sich wirklich in den Kampf um das Podium. Über drei Wochen hinweg überzeugte er konstant und stand am Ende mit Rang vier da.
„Ehrlich gesagt: nein. Viele denken, mein Leben habe sich jetzt komplett verändert, aber das würde ich nicht sagen. Ich fahre weiterhin Rad und habe weiterhin Spaß daran. Es gibt mehr Aufmerksamkeit für mich, und mehr Leute kennen meinen Namen. Das ist schön, aber auch etwas seltsam. Daran bin ich nicht gewöhnt. Hat sich dadurch viel geändert? Nein, überhaupt nicht.“
Sein Leben hat sich allerdings insofern geändert, als dass
INEOS Grenadiers Berichten zufolge Millionen ausgegeben hat, um seinen Vertrag bei Team Picnic PostNL herauszukaufen und ihn als neuen Kapitän sowie potenziellen künftigen Grand-Tour-Sieger aufzubauen. Seine Persönlichkeit mag unverändert sein, doch strukturell gab es eine große Zäsur, die andernfalls wohl kaum erfolgt wäre.
Zeitfahren als zentraler Ansatzpunkt
Der Schotte wurde im flachen Tour-Zeitfahren auf seinem Leistungshoch 23., verlor über 33 Kilometer 2:02 Minuten auf Remco Evenepoel (und 1:46 auf Tadej Pogacar). Für ihn ist das der klarste Bereich, in dem er sich verbessern muss, um in Schlagdistanz zur Spitze zu bleiben.
„Ich kann mich definitiv steigern. Ich wusste vorher schon, dass das Zeitfahren eine Schwäche von mir ist. Ich wiege 60 Kilogramm und bin nicht der kräftigste Fahrer, aber Vingegaard wiegt ungefähr dasselbe und ist ein guter Zeitfahrer“, argumentiert er. „In diesem Bereich kann ich noch zulegen, und das motiviert mich enorm.“