Giro d’Italia: Ex-Profi warnt Visma – „Vingegaard ist nicht Pogacar“ nach Rücktritt von Simon Yates

Radsport
Montag, 19 Januar 2026 um 17:00
jonasvingegaard simonyates
Simon Yates trat genau in dem Moment zurück, als Team Visma | Lease a Bike noch um ihn herum aufbaute. Das Timing seines sofortigen Karriereendes hat ihre Saisonplanung bereits neu geordnet. Nun geht ein italienischer Ex-Profi weiter und warnt, dass Yates’ Abwesenheit Visma in den größten Rennen verwundbar macht.

Yates schockt Visma – warum Vingegaards Schutzschild bröckelt

Moreno Moser, im Gespräch mit Bici.Pro, zog eine klare Linie zwischen dem, was Visma verloren hat, und dem, was das für Jonas Vingegaard bedeutet.
„Er braucht die Mannschaft. Er ist nicht Pogacar, der selbst alleine den Giro gewinnen würde“, formulierte Moser sein Argument.
Dieser eine Satz fasst die Verschiebung durch Yates’ Abschied zusammen. Er war nicht nur selbst ein Leader, sondern auch ein wichtiger Berghelfer für Vingegaard. Ohne ihn steht Visma vor einer Saison, in der Tiefe statt Starpower zur entscheidenden Frage wird.

Mehr als einen Leader verloren

Yates’ Rücktritt entfernte zwei Rollen auf einmal. Er war ein Fahrer für das Gesamtklassement und zugleich ein Edelhelfer auf höchstem Niveau. Vismas Führung gab zu, die Entscheidung nicht erwartet zu haben, und bezeichnete ihn so spät im Winter als unersetzlich.
Moser sieht die größte Wirkung rund um Vingegaard. „Für Vingegaard ist sein Verlust ein großes Problem“, sagte er. „Yates’ Abschied schwächt Visma erheblich.“
Er ging weiter und deutete an, dass es nicht nur um einen Abgang geht, sondern um einen längerfristigen Trend. „Sie waren schon nicht mehr das ‘Schlachtschiff’ von vor ein paar Jahren, besonders in den Bergen“, sagte Moser.
Das ist entscheidend, weil Yates’ letzte Saison genau gezeigt hatte, worauf Visma setzte. Er gewann den Giro d’Italia, stieg direkt in die Tour-de-France-Vorbereitung ein und holte trotzdem noch einen Etappensieg. Er war zentral für ihre Geschichte. Sein Wegfall ändert nicht nur die Aufstellung, sondern die Logik dahinter.

Rivalen mit Breite und Power

Moser ordnete Vismas Problem auch im größeren Kontext ein. Er verglich ihre Lage mit den Mannschaften um sie herum. „Im Vergleich zu Red Bull - BORA - hansgrohe und erst recht zu UAE ist Visma im Nachteil: Sie haben Quantität und Qualität“, sagte er.
Diese Teams können einen Kletterer verlieren und dennoch mehrere Alternativen bringen. Visma hat dagegen nun weniger Fehlertoleranz. Fahrer wie Sepp Kuss, Matteo Jorgenson, Steven Kruijswijk und Wilco Kelderman sind da, aber das Sicherheitsnetz ist dünner als mit Yates im Plan.
Es ist keine Kritik an Vingegaards Klasse, sondern eine Aussage über seinen Stil. Er gewinnt über Struktur, Kontrolle und Unterstützung. Entfernt man einen Pfeiler dieser Struktur, verändert sich die gesamte Statik.

Erzwungene Kurskorrektur

Moser erwartet nicht, dass Visma so tut, als sei nichts passiert. Er glaubt, dass der Verlust von Yates sie zu einem anderen Rennstil drängen wird. „Angesichts der Schwächung des Teams sehe ich bereits eine defensive Strategie“, sagte er. „Sie werden fahren, um Energie zu sparen.“
Er prognostiziert sogar die Reaktion. „Ich höre die Kritik schon: ‘Sie greifen nicht an’, ‘Sie warten immer’“, so Moser.
Jonas Vingegaard
Jonas Vingegaard führt Visma beim Giro an, auf der Suche nach seiner ersten Maglia Rosa

Suche nach Lösungen

Moser brachte zudem ins Spiel, dass Visma in ungewohnten Ecken suchen muss. „Und was, wenn der Mann für die Berge Davide Piganzoli wäre?“, sagte er.
Statt einem Eins-zu-eins-Ersatz für Yates nachzujagen, könnte das Team Rollen intern neu zuschneiden und akzeptieren, dass kein einzelner Fahrer die Lücke schließen wird.
Das passt zu den Signalen seit dem Rücktritt. Visma soll weiter Optionen abwägen, ohne offensichtliche Lösung so spät im Winter. Der Markt ersetzt im Januar keinen Grand-Tour-Sieger.

Verletzlich durchs Timing

Yates ging nicht, weil er nicht mehr konkurrenzfähig war. Er ging nach einem Jahr mit Giro-Sieg und einer Tour-Etappe. Visma nannte diese Saison einen ihrer großen Erfolge.
Für den Fahrer war es ein seltener Abschied auf dem Höhepunkt. Für das Team war es ein Problem des Timings.
Ohne Simon Yates hängt Vismas Stärke weniger an einem Star und mehr daran, ob die Struktur um Vingegaard trägt. Deshalb hat Yates’ überraschender Rücktritt Visma aus Sicht des italienischen Ex-Profis nicht nur verändert, sondern verwundbar gemacht.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Loading