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Vuelta a Espana gilt für viele Fahrer als letzte große Gelegenheit, eine bislang enttäuschende Saison doch noch zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Als letzte dreiwöchige Rundfahrt des Jahres zieht sie regelmäßig Profis an, die zuvor große Ziele verpasst haben oder deren Saison durch Rückschläge aus dem Takt geraten ist. Bei der Vuelta 2026 wird das nicht anders sein.
Tadej Pogacar entschied sich nach seinem Triumph bei der Tour de France zwar erst spät für einen Start bei der letzten Grand Tour des Jahres. Doch neben dem Slowenen werden in Monaco einige Fahrer mit besonders großer Motivation an der Startlinie stehen – und mit dem dringenden Wunsch, zuvor erlittene Enttäuschungen vergessen zu machen.
Stürze, Krankheiten und geplatzte Tour-Träume vor der Vuelta
Schwere Stürze, die den gesamten Sommer durcheinanderbrachten, Magenprobleme während der Tour de France oder kurzfristige Änderungen in der Teamplanung, die einen erhofften Tour-Start zunichtemachten: Für mehrere Fahrer bietet die Vuelta die Chance, einen Haken hinter schwierige Monate zu setzen.
Fünf Profis stechen dabei besonders hervor. Sie alle reisen nach Rückschlägen in der Saison 2026 zur Vuelta a Espana und hoffen, bei der spanischen Grand Tour doch noch für ein sportliches Ausrufezeichen zu sorgen.
Oscar Onley
INEOS griff im vergangenen Winter tief in die Tasche, um
Oscar Onley von Picnic PostNL loszueisen. Die Ambitionen waren entsprechend groß: Der Brite sollte bei der Tour de France um einen Platz auf dem Podium kämpfen. Doch selbst die sorgfältigste Planung kann innerhalb weniger Augenblicke zunichtegemacht werden.
Nach einem schweren Sturz verpasste Oscar Onley die Tour de France. Bei der Vuelta a Espana will der INEOS-Profi seiner Saison doch noch die erhoffte Wendung geben.
Onley war auf Kurs für die Tour, als er bei der Tour Auvergne-Rhone-Alpes schwer stürzte. Beinahe wäre der Brite dabei in eine Schlucht gefallen, ehe ein Baum seinen Sturz stoppte. Der Unfall beendete seine Vorbereitung auf die Tour und zwang ihn dazu, seine Saisonplanung grundlegend anzupassen. Statt bei der Grande Boucle führte sein Weg schließlich über die Vuelta a Burgos zur Vuelta a Espana.
Mit Platz fünf bei der Volta ao Algarve und Rang zwei bei der Vuelta a Burgos in der vergangenen Woche hat Onley bereits hochklassige Ergebnisse eingefahren. Doch nachdem sein großes Saisonziel Tour de France weggefallen ist, dürfte der Brite besonders entschlossen sein, das in ihn gesetzte Vertrauen mit einer starken Vuelta zurückzuzahlen.
Thibau Nys
Auch
Thibau Nys steht bei der Vuelta vor einem Neustart. Der Profi von Lidl-Trek hat 2026 bislang lediglich sieben Renntage absolviert, die allesamt in den Juni fielen. Entsprechend schwer war es für den Belgier, in dieser Saison überhaupt einen Rhythmus zu entwickeln.
Thibau Nys wurde 2026 von einer Operation und einer Infektion ausgebremst. Die Vuelta a Espana bietet dem Lidl-Trek-Profi zahlreiche Chancen für ein spätes Erfolgserlebnis.
Im März musste sich Nys wegen eines praepatellaren Friktionssyndroms, auch als „Radfahrerknie“ bekannt, einer Operation unterziehen. Es folgte eine lange Rehabilitation, ehe er im Juni ins Renngeschehen zurückkehren konnte. Dabei bestritt er die Tour de Suisse, den GP Gippingen und die belgischen Meisterschaften.
Mit der Clasica San Sebastian und der Vuelta a Espana bereits fest im Blick wurde Nys jedoch vom nächsten Rückschlag getroffen. Beim 23-Jährigen wurde Toxoplasmose festgestellt, eine Infektionskrankheit, die unter anderem durch den Verzehr von rohem Fleisch oder ungewaschenem Gemüse übertragen werden kann und leichtes Fieber sowie Müdigkeit verursachen kann.
Das Profil der Vuelta kommt den Qualitäten von Nys grundsätzlich entgegen. Sollte der Belgier in guter Verfassung an den Start gehen, bietet ihm die Strecke zahlreiche Möglichkeiten, seine Stärken auszuspielen. Für den 23-Jährigen könnte die Rundfahrt damit zur großen Gelegenheit werden, seiner schwierigen Saison 2026 doch noch eine positive Wendung zu geben.
Max Poole
Max Poole kehrt ebenfalls erst bei der Vuelta ins Renngeschehen zurück. Wenn der Brite in Monaco an der Startlinie steht, wird sein letztes Rennen rund sechs Monate zurückliegen – ein deutlicher Beleg dafür, wie sehr Verletzungsprobleme seine Saison 2026 beeinträchtigt haben.
Seit Februar wartete Picnic PostNL auf das Comeback seines Klassementfahrers. Der junge Brite sollte nach dem Abgang von Oscar Onley mehr Verantwortung übernehmen und dessen Rolle innerhalb der Mannschaft ausfüllen. Doch Poole konnte lediglich die Volta ao Algarve absolvieren, ehe er zu einer langen Zwangspause gezwungen wurde.
Dem 23-Jährigen ist grundsätzlich zuzutrauen, bei einer Grand Tour um die Top 10 zu kämpfen. Bei der Vuelta könnte er deshalb nicht nur seine eigene Saison retten, sondern auch seinem niederländischen Team wichtige Resultate bescheren. Picnic PostNL benötigt in Spanien zudem dringend zusätzliche UCI-Punkte.
Cian Uijtdebroeks
Cian Uijtdebroeks' Aufgabe bereits in der ersten Woche der Tour de France war ein schwerer Rückschlag für Movistar Team. Der Belgier war als wichtigste Karte der Mannschaft für die Gesamtwertung vorgesehen, körperliche Probleme zwangen ihn jedoch zu einem vorzeitigen Ausstieg.
Die spanische Grand Tour bietet dem prominenten Neuzugang nun eine wichtige Gelegenheit, die Tour-Enttäuschung hinter sich zu lassen. Uijtdebroeks hat den Magen-Darm-Virus, der zu seiner Aufgabe bei der Tour de France führte, mittlerweile überwunden. Seine Form unmittelbar vor der Grande Boucle hatte große Hoffnungen geweckt – bei der Vuelta kann er nun versuchen, diese Erwartungen nachträglich zu bestätigen.
In der Vorbereitung auf die Tour hatte Uijtdebroeks sowohl bei der Tour Auvergne-Rhone-Alpes als auch bei der Volta a Catalunya Top-10-Ergebnisse eingefahren. Sollte seine Erholung wie geplant verlaufen sein, dürfte er im September zu den ernsthaften Kandidaten für einen Platz unter den besten Zehn der Vuelta gehören.
Carlos Rodriguez
Der vielleicht interessanteste Fahrer unter jenen Profis, die bei der Vuelta etwas beweisen wollen, ist
Carlos Rodriguez. Anders als die anderen Namen auf dieser Liste verpasste der Spanier die Tour de France weder aufgrund einer Verletzung noch wegen einer Erkrankung – sondern wegen einer Entscheidung seines Teams.
Carlos Rodriguez wurde von INEOS nicht für die Tour de France nominiert. Bei der Vuelta a Espana soll der Spanier nun um ein starkes Ergebnis kämpfen.
Nachdem INEOS infolge von Onleys Ausfall seine Pläne für die Grande Boucle neu ausgerichtet und den Fokus von der Gesamtwertung weg verlagert hatte, wurde Rodriguez nicht für die Tour nominiert. Stattdessen richtete die Mannschaft sein Programm auf die Vuelta aus – obwohl der Spanier in den Monaten vor der Tour eine starke Form gezeigt hatte.
Der 25-Jährige war während der gesamten Saison regelmäßig auf WorldTour-Niveau im Einsatz. Vor seiner Nichtnominierung für die Tour bestritt er Paris-Nice, die Volta a Catalunya, die Tour de Romandie und die Tour Auvergne-Rhone-Alpes. Im Juli schickte ihn INEOS stattdessen zur Tour of Austria, die er auf dem vierten Gesamtrang beendete.
Auch in der unmittelbaren Vorbereitung auf die Vuelta zeigte der Tour-Fünfte von 2023 erneut eine stabile Form. Bei der spanischen Grand Tour wird Rodriguez nun darauf hoffen, noch einmal einen Schritt nach vorne zu machen und seine bislang ohne das erhoffte große Resultat verlaufene Saison mit einem Erfolgserlebnis abzuschließen.