„Es ist wirklich ein Mönchsleben, das man führt“: Tom Dumoulin kann Simon Yates’ Entscheidung, seine Karriere zu beenden, nachvollziehen

Radsport
Freitag, 13 Februar 2026 um 9:00
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Team Visma | Lease a Bike steckt derzeit in schwierigen Fahrwasser. Giro d’Italia-Sieger 2025 Simon Yates hat zum Saisonstart überraschend seinen Rücktritt erklärt. Jonas Vingegaards Trainer Tim Heemskerk hörte ebenfalls mit sofortiger Wirkung auf. Cian Uijtdebroeks löste seinen Vertrag vorzeitig und wechselte zu Movistar, und Verletzungen bremsen weiterhin die Schlüsselakteure von Visma aus.

Visma Krise und Dumoulins klaren Worten

„Mein erster Impuls ist: auffällig“, sagt der frühere Giro d’Italia-Gewinner Tom Dumoulin, dessen Karriere 2022 bei Visma endete, im Podcast In De Waaier. Spekulieren will der Niederländer jedoch nicht. „Ich stecke nicht drin, keiner von uns tut das, und niemand weiß, was intern passiert. Ich halte mich lieber von Spekulationen fern. Auffällig ist es trotzdem.“
Den Fall Simon Yates findet er in jedem Fall besorgniserregend. „Er ist im Dezember noch im Trainingslager, und im Januar beschließt er: Macht’s gut, ich höre auf. Das macht man nicht, wenn man rundum glücklich ist. Wenn du mit voller Freude fährst und dich im Team wohlfühlst, triffst du so eine Entscheidung nicht. Offenbar hat dort etwas in ihm etwas ausgelöst.“
Vielleicht steckt etwas Wahrheit in der gängigen Erklärung, Yates habe nach dem letzten großen Karriereziel die Motivation verloren. Ganz alltäglich ist das jedoch nicht: „Vielleicht spielte das bei ihm mit. Im Sinne von: Ich höre auf, denn wenn es dir gefällt, aber nicht genug, um dieses Mönchsleben jeden Tag zu führen…“
Beispiele dafür, wann Profiradsport wenig Spaß macht, liegen nicht weit entfernt.
Etwa das Trainingslager in der Sierra Nevada, wo das Visma-Team wegen schlechten Wetters drinnen bleiben musste. „Dafür können sie nichts, aber es ist wirklich ein Mönchsleben. Drei Wochen Lager im Schnee, stundenlang jeden Tag auf der Rolle, danach das Essen abwiegen. Mir gefällt mein Leben jetzt besser. Ich bin hier bequemer unterwegs“, lacht der Niederländer.
Der ehemalige Zeitfahr-Weltmeister will dennoch keine voreiligen Schlüsse ziehen. „Von außen kann ich das nicht wirklich erklären. Ich weiß auch nicht, ob das eine mit dem anderen zusammenhängt. Der Abschied von Tim Heemskerk kann ganz andere Gründe haben als der Rücktritt von Simon Yates. Das sollten wir nicht überbewerten. Auffällig ist es dennoch.“
Simon Yates schloss beim Giro d’Italia 2025 ein prägendes Kapitel seiner Karriere und seines Lebens ab
Simon Yates schloss beim Giro d’Italia 2025 ein Kapitel seiner Karriere und seines Lebens ab

Steht Visma an einem Scheideweg?

„Eigentlich nein, denn ich finde, Visma | Lease a Bike ist in vielen Bereichen des Radsports weiterhin führend. Ihre Herangehensweise, die Performance, das Coaching – das ist wirklich exzellent und im modernen Radsport unerreicht“, führt er fort und lobt das Team.
Gleichwohl sieht der Niederländer den Fokus auf Freude womöglich etwas verblassen. „Natürlich geht es ums Gewinnen und Performen, aber wenn jemand keinen Spaß hat und nicht an sein Optimum kommt, kannst du Ernährungspläne bis aufs Gramm schreiben, du holst trotzdem nicht das Maximum aus einem Fahrer.“
Als Zonneveld fragt, ob das ein Problem speziell von Visma | Lease a Bike oder des gesamten Radsports sei, bleibt Dumoulin klar: „Ich denke, es betrifft den gesamten Radsport, aber Visma steht an erster Stelle, weil sie beim datengetriebenen Ansatz vorangehen. Das passt nicht zu allen Persönlichkeitstypen“, schließt der ehemalige Giro-Sieger.
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