„Ich muss ehrlich sein: Tadej Pogacar war leicht unter seiner Bestform“ – Wout Van Aert relativiert einen seiner bedeutendsten Siege

Radsport
durch Nic Gayer
Mittwoch, 04 März 2026 um 17:00
WoutVanAert
Als Wout van Aert auf dem Schlussanstieg nach Montmartre während der finalen Etappe der Tour de France 2025 die Konkurrenz abschüttelte, gingen die Bilder um die Welt. Der Belgier ließ Tadej Pogacar auf den Straßen von Paris stehen und fuhr anschließend allein zum Sieg auf der Champs-Elysees - ein Moment, der sofort zu den ikonischsten Szenen dieser Rundfahrt zählte.
Viele Fans bewerten diese Attacke bis heute als einen der größten Siege in Van Aerts Karriere. Doch Monate später spricht der Belgier überraschend zurückhaltend über diesen Triumph.

Montmartre-Finale verwandelte Paris in ein echtes Rennen

Im Rückblick auf die Etappe deutete Van Aert in einem aktuellen Interview an, dass die Rennsituation entscheidend zum Ausgang beitrug. „Ich muss ehrlich sein: Er war nicht ganz auf seinem höchsten Niveau, vielleicht wegen dieser Knieverletzung“, sagte Van Aert im Gespräch mit Knack.
Van Aert holte auf der Schlussetappe der Tour de France 2025 einen der ikonischsten Siege seiner Karriere
Van Aert holte auf der Schlussetappe der Tour de France 2025 einen der ikonischsten Siege seiner Karriere
Diese Aussage überrascht, denn das Duell auf den Hängen von Montmartre galt weithin als spektakuläres Aufeinandertreffen zweier der komplettesten Fahrer des modernen Radsports. Van Aert selbst betrachtet diesen Moment jedoch deutlich nüchterner.
Die Schlussetappe der Tour de France 2025 brach mit einer jahrzehntelangen Tradition. Statt eines zeremoniellen Einrollens mit Massensprint auf der Champs-Elysees integrierten die Organisatoren mehrere Anstiege der Côte de la Butte Montmartre in den Kurs. Dadurch entstand ein selektiver Rundkurs durch die engen Straßen unterhalb des Sacre-Coeur.
Kräftiger Regen am frühen Abend hatte die Dynamik der Etappe zusätzlich verändert. Zudem neutralisierte die Rennleitung die Gesamtwertung vor den entscheidenden Schlussrunden. Damit war das Rennen um Gelb praktisch entschieden. Pogacar musste lediglich sicher ins Ziel kommen, um den Gesamtsieg zu bestätigen.
Trotzdem entwickelte sich das Finale zu einem intensiven Schlagabtausch.
Mehrere Attacken sortierten die Spitzengruppe auf den Montmartre-Anstiegen immer wieder neu. Schließlich setzte Pogacar auf dem letzten Anstieg selbst zum Angriff an. Nur Van Aert konnte sofort reagieren und sich an sein Hinterrad heften.
Kurz vor der Kuppe startete der Belgier seinen Konter. Van Aert riss sofort eine Lücke, beschleunigte auf dem Kopfsteinpflaster und fuhr die letzten Kilometer allein zurück in Richtung Champs-Elysees.
Die Verfolger konnten nicht mehr eingreifen. Van Aert erreichte Paris als Solist und sicherte sich einen der ungewöhnlichsten Etappensiege, die es jemals am letzten Tag der Tour gegeben hat.

Van Aert relativiert die Leistung

Trotz der großen Bühne bewertet Van Aert seine eigene Leistung deutlich zurückhaltender, als viele Beobachter es tun.
„Für meine Fähigkeiten habe ich nichts Außergewöhnliches gemacht“, erklärte er. „Es war sehr hart, aber es waren ‚nur‘ eine Stunde echtes Rennen. Ich war danach keine Woche lang komplett leer.“
Seine Worte geben einen seltenen Einblick in die Perspektive eines Profis auf solche Momente. Was für viele Fans wie ein historisches Duell zweier Superstars aussah, empfand Van Aert selbst eher als kurzes, intensives Finale als als extreme körperliche Grenzleistung.
Diese Einschätzung erklärt auch, warum der Belgier sofort die Umstände für Pogacar erwähnte. Der Slowene hatte den Toursieg praktisch bereits sicher und musste bei schwierigen Wetterbedingungen kein unnötiges Risiko eingehen - Faktoren, die seine Aggressivität im Finale beeinflusst haben könnten.

Ein Schlüsselmoment nach einer komplizierten Tour

Trotz seiner nüchternen Analyse hatte der Sieg für Van Aert persönlich eine große Bedeutung.
Die Tour de France 2025 verlief für den Belgier und die übergeordneten Teamziele nicht reibungslos. Chancen auf Etappensiege blieben selten, und die Rundfahrt bot nur wenige Momente persönlicher Genugtuung.
Gerade deshalb wog das direkte Duell auf Montmartre mental besonders schwer. „Stell dir vor, Tadej hätte mich dort in Montmartre stehen lassen, nach einer schwierigen Tour ohne persönlichen Erfolg oder einer Chance auf den Gesamtsieg mit Jonas… dann wäre ich mit einem schlechten Gefühl nach Hause gefahren.“
Der letzte Abend in Paris schrieb jedoch eine andere Geschichte.
Auch wenn Van Aert seine Leistung heute herunterspielt, bleibt das Bild bestehen: Wie er Pogacar auf dem Kopfsteinpflaster von Montmartre davonfährt, gehört zu den prägenden Szenen der Tour de France 2025.
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