DISKUSSION – Tour Auvergne-Rhône-Alpes Etappe 5: Hat INEOS die letzte Kurve falsch eingeschätzt? Schub für Visma vor den Bergetappen

Radsport
Freitag, 12 Juni 2026 um 7:00
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Nach mehreren schwierigen Tagen auf der Suche nach seiner Form hat Wout van Aert auf der fünften Etappe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes ein Ausrufezeichen gesetzt. Der Belgier vom Team Visma | Lease a Bike gewann den Massensprint und verwies Hugo Hofstetter sowie Phil Bauhaus auf die weiteren Podiumsplätze.

Seltene Chance für die Sprinter

Während die Rundfahrt in den ersten Tagen vor allem Ausreißern und Kletterern entgegenkam, bot die fünfte Etappe eine der wenigen echten Gelegenheiten für die Sprinter. Die 198 Kilometer lange Strecke von Saint-Chamond zum Parc des Oiseaux wies nur wenige Anstiege auf und galt von Beginn an als wahrscheinliche Sprintankunft – vorausgesetzt, das Peloton würde die Ausreißer rechtzeitig wieder einholen.
Der Start verlief dennoch alles andere als ruhig. Die Côte de la Croix Blanche und der Col de la Gachet sorgten früh für Bewegung im Rennen und halfen dabei, die entscheidende Fluchtgruppe des Tages zu formen.
Sechs Fahrer konnten sich absetzen: Pepijn Reinderink, Robbe Dhondt, Thibault Guernalec, Felix Engelhardt, Julen Arriolabengoa und Hugo Houle. Die Gruppe baute ihren Vorsprung schnell auf mehr als zwei Minuten aus.

Das Peloton hält den Druck hoch

Hinter den Ausreißern blieb das Rennen lebhaft. Mehrere Fahrer versuchten, aus dem Hauptfeld zur Spitzengruppe aufzuschließen. Unter ihnen waren Maxime Delcomble und Baptiste Veistroffer. Dadurch verringerte sich der Abstand zeitweise wieder.
Nachdem die Attacken abgeebbt waren, konnte die Spitzengruppe ihren Vorsprung erneut etwas ausbauen. Eine entscheidende Lücke gelang den sechs Fahrern allerdings nie.
Mit zunehmender Renndauer übernahmen vor allem Cofidis und Team Visma | Lease a Bike die Verantwortung in der Nachführarbeit. Die Ausreißer hielten sich zwar bis in die Schlussphase des Rennens, doch ihre Hoffnungen auf den Etappensieg schwanden zunehmend.
Zwölf Kilometer vor dem Ziel war die Flucht schließlich gestellt. Damit war der Weg frei für den Massensprint, den viele Beobachter bereits zu Beginn der Etappe erwartet hatten.

Visma liefert perfekte Vorarbeit

In den letzten fünf Kilometern zog sich das Peloton über die gesamte Straßenbreite auseinander. Die Positionskämpfe wurden immer intensiver, da jedes Team seinen Sprinter möglichst weit vorne platzieren wollte.
Team Visma | Lease a Bike setzte seinen Plan nahezu perfekt um. Per Strand Hagenes und Edoardo Affini brachten Van Aert im letzten Kilometer in eine ideale Ausgangsposition an der Spitze des Feldes.
Dahinter eröffnete Joshua Tarling für Netcompany INEOS den Sprint, während Dorian Godon direkt an seinem Hinterrad blieb. Beide befanden sich jedoch auf der ungünstigeren Straßenseite. Van Aert dagegen wählte die ideale Linie auf der Zielgeraden.

Wichtiger Erfolg für das Selbstvertrauen

Der Belgier eröffnete seinen Sprint genau zum richtigen Zeitpunkt und setzte sich schnell entscheidend ab. Hugo Hofstetter war am Ende sein erster Verfolger, während Phil Bauhaus den dritten Platz belegte.
Für Van Aert ist der Erfolg ein wichtiger Schub nach einem eher ruhigen Auftakt in die Rundfahrt. Nachdem er in dieser Saison bereits Paris-Roubaix gewonnen hatte, feierte er nun seinen zweiten Sieg des Jahres 2026.

Visma lässt diesmal nichts anbrennen

Nach der vierten Etappe war bei vielen Beobachtern der Eindruck entstanden, dass Van Aert durchaus hätte gewinnen können, wenn Visma konsequenter nachgeführt hätte. Damals setzte sich Quinn Simmons aus der Ausreißergruppe durch, während Van Aert als stärkster Fahrer des Feldes vier Sekunden Rückstand hatte.
Diesmal machte die niederländische Mannschaft ihre Absichten früh deutlich. Visma investierte viel Energie in die Verfolgung der sechsköpfigen Fluchtgruppe, die über mehr als 175 Kilometer an der Spitze gefahren war.
In der Schlussphase übernahm Cofidis die Führungsarbeit im Peloton und sorgte für ein hohes Tempo. Gleichzeitig war jedoch klar, dass Bryan Coquard im direkten Sprint gegen die schnelleren Konkurrenten nur geringe Chancen haben würde.
Netcompany INEOS entschied sich dagegen, keine zusätzliche Arbeit zu leisten. Das Team wollte Kräfte für die drei bevorstehenden Bergetappen sparen, zumal Dorian Godon zuletzt nicht mehr die Form der ersten Saisonmonate gezeigt hatte.
Hugo Hofstetter sprintete trotz geringer Beteiligung seines Teams an der Nachführarbeit auf Rang zwei. Seine sichtbare Frustration nach dem Rennen sorgte deshalb bei einigen Beobachtern für Verwunderung. Im Radsport gilt häufig die Meinung, dass Mannschaften, die sich nicht an der Verfolgung beteiligen, am Ende auch keine großen Ansprüche auf den Sieg stellen sollten.
Phil Bauhaus komplettierte das Podium nach einer starken Teamleistung von Bahrain Victorious. Der Deutsche verfügte offensichtlich über die nötigen Beine, um um den Sieg mitzufahren. Seine Positionierung vor der letzten leichten Rechtskurve war jedoch nicht optimal. Mit einem besseren Anlauf wäre möglicherweise sogar noch mehr möglich gewesen.

Van Aert erhält die verdiente Belohnung

Die fünfte Etappe bot letztlich die letzte echte Sprintchance der Rundfahrt. Mehrere Teams waren deshalb bereit, die Ausreißer konsequent zu kontrollieren und den Sprint vorzubereiten.
Sportlich bot der Tag nur wenige Höhepunkte. Der Gegenwind auf der langen Zielgeraden erschwerte Attacken und führte zu einem eher ereignisarmen Finale.
Dennoch könnte der Sieg für Van Aert eine wichtige Bedeutung haben. Das Sprinterfeld war zwar überschaubar besetzt, doch für Visma war dieser Erfolg nahezu Pflicht. Dabei bedeutet der Sieg nicht automatisch, dass Van Aerts Form bereits wieder auf ihrem höchsten Niveau angekommen ist. Die ersten Renntage deuteten eher auf das Gegenteil hin.
Viel wichtiger könnte deshalb der mentale Effekt sein. Der Belgier hat nun den Druck los, unbedingt gewinnen zu müssen. Gleichzeitig kann sich das Team in den kommenden Tagen stärker auf die Gesamtwertung konzentrieren, in der Matteo Jorgenson weiterhin gute Chancen besitzt.

Rückenwind vor den Bergetappen

Am Ende brachte die fünfte Etappe genau das Ergebnis, das viele erwartet hatten: einen harten Kampf zwischen einer engagierten Ausreißergruppe und einem Peloton, das seine letzte Sprintchance nicht verschenken wollte.
Team Visma | Lease a Bike verhinderte eine Wiederholung des Vortages, Wout van Aert feierte endlich seinen ersehnten Etappensieg und die Sprinter übergeben nun die Bühne an die Kletterer.
Mit drei anspruchsvollen Bergetappen vor sich und Matteo Jorgenson weiterhin in Schlagdistanz zur Gesamtführung kann Visma die entscheidenden Tage der Rundfahrt mit neuem Selbstvertrauen angehen. Noch wichtiger: Eine große Frage ist nun beantwortet – Wout van Aert hat wieder gewonnen.
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