Die
Tour de France Femmes 2026 verlief für SD Worx - Protime in zwei völlig unterschiedlichen Hälften.
Lorena Wiebes bescherte der Mannschaft mit Siegen auf den ersten beiden Etappen einen Traumstart, trug das Gelbe Trikot und sicherte sich später auch die Punktewertung. Im Kampf um den Gesamtsieg erfüllten sich die Hoffnungen dagegen nicht: Die Probleme und schließlich der Ausstieg von
Anna van der Breggen versetzten den Ambitionen des Teams einen entscheidenden Rückschlag.
„Diese zwei Etappensiege stechen weiterhin heraus. Wenn du in dieser harten Tour zwei Etappen holst…“, sagte Sportdirektor Danny Stam gegenüber
WielerFlits und verwies auf das enorme Tempo und den hohen Schwierigkeitsgrad der diesjährigen Rundfahrt. Nur eine Etappe endete überhaupt in einem klassischen Massensprint – und diesen gewann Wiebes in Genf. Bereits zum Auftakt in Lausanne hatte die Niederländerin an einem Bergauf-Finale triumphiert. Ab der dritten Etappe blieb ihr allerdings ein weiterer Tageserfolg verwehrt.
Wiebes glänzt, doch der Kampf ums Gelbe Trikot geht verloren
Sowohl die dritte als auch die achte Etappe hätten Wiebes weitere Chancen bieten können. Die Sprinterin präsentierte sich in hervorragender Form und kletterte so stark wie selten zuvor. Doch der erbitterte Kampf um die Gesamtwertung zwischen Demi Vollering und mehreren Rivalinnen prägte das Renngeschehen und machte die entsprechenden Etappen für die schnellen Frauen deutlich schwieriger.
Am Ende brachte SD Worx - Protime keine Fahrerin unter die besten Zehn der Gesamtwertung. Damit verfehlte die Mannschaft eines ihrer wichtigsten Ziele. „Natürlich setzt du dir immer höhere Ziele, denn wir hatten auch die Gesamtwertung im Fokus. Aber das war es am Ende nicht, nein.“
Anna van der Breggen zahlt den Preis für eine lange Saison
Lotte Kopecky befand sich nicht in ihrer besten Form, weshalb die Hoffnungen auf ein starkes Gesamtklassement insbesondere auf Anna van der Breggen ruhten. Die erfahrene Niederländerin hatte allerdings bereits eine lange und intensive Saison hinter sich.
„Anna ist natürlich von der Amstel Gold Race bis jetzt durchgefahren. Das war schlicht zu viel, gerade unter diesen Umständen. Ich denke, dafür zahlen wir jetzt den Preis.“
Van der Breggen hatte zuvor sowohl bei La Vuelta Femenina als auch beim Giro Donne um den Gesamtsieg gekämpft. Bei der Vuelta wurde sie Zweite, beim Giro belegte sie den dritten Gesamtrang. In beiden Fällen fiel die Entscheidung auf der jeweiligen Schlussetappe gegen sie aus.
Bei der Tour de France Femmes konnte die Routinierin dieses Leistungsniveau jedoch nicht mehr erreichen. Van der Breggen kämpfte mit Müdigkeit und musste sich bereits durch die hügeligen Etappen quälen, ehe sie noch vor der Ankunft am Mont Ventoux schließlich aus dem Rennen ausstieg.
„Klar ist das schade, aber ich denke, wir haben von Beginn an unsere Prioritäten benannt. Und wir mussten sie anpassen, wie man eben immer etwas anpasst. Trotzdem haben wir 50 bis 75 Prozent unserer Ziele erreicht… Nicht die Gesamtwertung, aber wir sind auch auf Etappen gegangen und haben das Grüne Trikot. Damit kann man auf eine gute Tour zurückblicken.“
Nienke Vinke nutzt ihre Chance
Eine positive Entwicklung gab es für SD Worx - Protime derweil mit Blick auf Nienke Vinke. Bereits bei La Vuelta hatte die junge Niederländerin als Helferin von van der Breggen den 13. Gesamtrang erreicht. Bei der Tour erhielt sie nun die Möglichkeit, selbst auf die Gesamtwertung zu fahren.
Eine erfolgreiche Fluchtgruppe auf der fünften Etappe brachte Vinke bis auf Rang elf im Gesamtklassement nach vorne. Den Sprung unter die besten Zehn schaffte sie anschließend zwar nicht mehr, dennoch beendete sie die Tour ebenfalls auf dem elften Gesamtrang und machte am Schlusstag dank ihrer konstanten Leistungen noch einmal Boden gut.
Die gerade erst 22 Jahre alt gewordene Vinke könnte SD Worx - Protime damit künftig eine weitere Option für die Gesamtwertung bei Grand Tours bieten.
„Ich denke, mit ihr haben wir eine junge Fahrerin, die sich in der Spitze klar bemerkbar macht“, erklärte Stam. „Damit sind wir zufrieden. Das ist auch ein Projekt, das wir weiterverfolgen wollen.“
Trotz der Enttäuschung um van der Breggen und des verpassten Top-10-Ergebnisses in der Gesamtwertung fällt die abschließende Bilanz bei SD Worx - Protime deshalb nicht ausschließlich negativ aus. „Auch das ist ein feines Ergebnis. Unterm Strich bleibt mit zwei Etappensiegen und dem Grünen Trikot ein gutes Gefühl.“