Die 5 Siege, die die Saison 2025 von INEOS Grenadiers geprägt haben – können sie sich 2026 weiter verbessern?
Radsport
Die Saison 2025 ist vorbei und die Ausbeute der INEOS Grenadiers ist nicht die beste. Das Team konnte sich in der UCI-Punkterangliste 2023–2025 nur knapp in den Top 5 halten – ein sehr buchstäblicher Beleg dafür, wie schwer es den Briten zuletzt fiel, das Tempo der Top-Mannschaften mitzugehen. Mit 28 Siegen steht dennoch eine solide Bilanz, und einige Momente ragten heraus. Wir blicken auf die wichtigsten Erfolge des britischen Teams im Jahr.
5. Dominanz bei den nationalen Meisterschaften
Es geht hier nicht um einen einzelnen Sieg, sondern um die Ernte bei den Landesmeisterschaften – genauer gesagt in den Zeitfahren. Fünf Erfolge in Serie bei den Nationals (eine Meisterschaft fand zwar einen Monat früher statt) markierten einen zentralen Saisonabschnitt. Sie bestätigten, dass die Arbeit des Teams in dieser Disziplin Früchte trägt und dass selbst Fahrer abseits der absoluten Spitze davon profitieren.
Artem Shmidt überraschte mit dem Titel in den Vereinigten Staaten, und Youngster Michael Leonard siegte ebenso überraschend nördlich der Grenze bei den kanadischen Meisterschaften im Juni. Für INEOS bitter: Es scheint fast sicher, dass beide 2026 nicht mehr im Team fahren. In Europa untermauerte Filippo Ganna seine Rolle als Leitfigur des italienischen Zeitfahrens, während Bob Jungels und Tobias Foss die Titel in Luxemburg bzw. Norwegen holten.
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4. Magnus Sheffield bei Paris–Nizza
Der US-Amerikaner hat sich in den vergangenen Jahren zu einem nahezu universellen Fahrertyp entwickelt. Ist er nicht in Topform, arbeitet er häufig für andere Kapitäne. Ist er es, agiert er als Top-Zeitfahrer, Klassikerfahrer, Ausreißer oder sogar als Kletterer. Bei Paris–Nizza sahen wir die bislang wohl beste Kletter-Performance von Magnus Sheffield.
Der sechste Saisonsieg fiel in eine brutale Woche in Südfrankreich und eine – wie so oft – chaotische Etappe in den Hügeln rund um Nizza. Mit einer gefährlichen Gruppe voraus versuchten mehrere Teams, das Rennen hinterher zu kontrollieren, um Leader Matteo Jorgenson anzugreifen. INEOS hatte Thymen Arensman dabei und führte die GC-Gruppe über die Côte de Peille, um nichts anbrennen zu lassen. Nach der Kuppe änderte sich die Taktik, und Sheffield ging in die Offensive. Vorn lagen Mads Pedersen, Alexander Wlasow und Felix Gall (die beiden Letzteren zuvor aus der Favoritengruppe heraus attackiert); auf der Ebene sprang Sheffield zu ihnen hin.
Auf den letzten beiden Anstiegen machte Sheffield weiter Druck, distanzierte seine Begleiter und hielt den entfesselten Matteo Jorgenson in Schach, der hinter ihm sogar Florian Lipowitz stehen ließ – jenen Fahrer, der später im Jahr Dritter der Tour de France werden sollte.

Sheffield gewann die Finaletappe von Paris–Nizza. @Imago
3. Egan Bernal zurück bei den Siegen
Egan Bernal ist ein Publikumsliebling, und nach seinem Crash zu Beginn der Saison 2022 gewann seine Geschichte noch mehr Herzen. Entsprechend warteten Fans seit Jahren auf seinen ersten Profisieg seit dem Giro d’Italia 2021 – jenem Rennen, das er insgesamt gewann. Das gelang ihm bei den kolumbianischen Meisterschaften, sogar zweimal. Doch zwischen Nationals und großen WorldTour-Rennen, für die er weiterhin Ambitionen hat, besteht ein Unterschied.
Dieser Schritt gelang schließlich bei der Vuelta a España. An einem Tag, an dem kaum jemand vorhergesagt hätte, dass er rund 8 Kilometer vor dem Ziel am Fuß des Schlussanstiegs auf einer Nebenstraße in Galicien zum Sprint ansetzt, schlug Bernal zu. Im Gesamtklassement spielte er keine Rolle mehr, zeigte aber auf der 16. Etappe seine besten Beine und schaffte es in die Gruppe des Tages, die den Sieg unter sich ausmachte.
Proteste gegen Israel – Premier Tech neutralisierten schließlich das ursprüngliche Finale, doch die Organisatoren waren vorbereitet und verlegten den Zielstrich an den Fuß des Schlussanstiegs. So lieferten sich Bernal und Mikel Landa einen höchst ungewöhnlichen Sprint um den Etappensieg – mit dem besseren Ende für den Kolumbianer. Es war sein erster offizieller WorldTour-Erfolg seit über vier Jahren.
2. Ben Turner, der Sprinter
Ben Turners Entwicklung ist bemerkenswert. Der 26-Jährige kam 2022 von Trinity Racing – in den Fußstapfen von Tom Pidcock, sowohl was die Disziplinen betrifft als auch mit erfolgreicher Vergangenheit im Cyclocross. Wie Pidcock reifte Turner zum Klassikerfahrer. Doch unterwegs änderte sich etwas – zum Positiven.
Turners Klassiker-Qualitäten blieben unangetastet, doch im Laufe der Jahre bekam er im Team verschiedenste Rollen. Bei der Tour de France 2024 war er einer der Straßenkapitäne und Motoren für Flach- und Hügeletappen. Da dem Team ein echter Sprinter fehlte und der 2025er-Versuch mit Caleb Ewan (der im Frühjahr zurücktrat) kurzlebig blieb, gab es faktisch keinen schnellen Mann. Filippo Ganna probierte es, seine Stärken liegen jedoch anderswo. Also experimentierte das Team mit Turner – und der Brite scheint damit seinen idealen Weg gefunden zu haben.
Bei der Vuelta a Andalucia kam er einem Sieg gegen Alexander Kristoff auf einer leicht ansteigenden Zielgeraden sehr nahe – etwas, das er später im Jahr wohl souverän gewonnen hätte. Beim Giro d’Italia deutete er diese Entwicklung ebenfalls an und wurde Dritter im Massensprint auf flacher Ankunft. Bei 1,94 Metern Körpergröße bleibt das Gewicht selbst bei einem schmalen Fahrertyp hoch. Im Fall von Turner sind es 74 kg, laut ProCyclingStats. Also lief das Experiment weiter.
Und bei der Tour de Pologne wurde daraus eine Siegformel. Turner gewann die 3. Etappe nach Walbrzych und setzte sich im ansteigenden Sprint souverän gegen Puncheure und Klassementfahrer durch. Von den kletterstarken Fahrern sprintet er am besten. An den folgenden zwei Tagen wurde er jeweils Zweiter, nur geschlagen von Paul Magnier und Matthew Brennan, die keiner Vorstellung bedürfen.
Und bei der Vuelta a España holte Turner seinen ersten Grand-Tour-Sieg: Er gewann auf der 4. Etappe den Sprint nach Voiron vor keinem Geringeren als Jasper Philipsen. Es war ein kniffliger Sprint, doch seinem klaren Sieg – erneut auf einer leicht ansteigenden Zielgeraden – ist nichts abzusprechen. Er hat seine Spezialität gefunden, und an hügeligen Tagen ist er für die Konkurrenz zur echten Gefahr geworden. Der Vuelta-Triumph bestätigte das erfolgreiche Projekt des Teams, ihn in diesem Jahr zum schnellen Mann zu formen.

Turner war in diesem Jahr auf der 4. Etappe der Vuelta siegreich. @Sirotti
1. Thymen Arensman bezwingt Pogacar und Vingegaard bei der Tour de France
Thymen Arensman sorgt für den größten INEOS-Moment dieses Jahres – und das bei der Tour de France. Seine Gesamtklassement-Ambitionen verflogen in der ersten Woche, doch wie der Niederländer schon mehrfach gezeigt hat, wächst seine Form über die Dauer einer Grand Tour. In der zweiten Woche rettete der Kletterer dem Team das Rennen, indem er aus der Ausreißergruppe die 14. Etappe nach Superbagnères gewann. Seinerzeit war es möglich, dass Tadej Pogacar und die konservative UAE-Taktik dahinter Arensman den Sieg begünstigten – anders als an anderen Tagen. Die beiden sind bekanntlich befreundet.
Doch auf der 19. Etappe nach La Plagne, selbst wenn man Ähnliches sagen könnte, ging der Sieg beim letzten Bergfinish der Rundfahrt voll auf das Konto von Thymen Arensman. Pogacar und Jonas Vingegaard fuhren am Alpenanstieg sehr taktisch, dennoch war es beeindruckend, wie Arensman vorne wegflog und oben schneller ankam als jeder andere Fahrer im Feld. Selbst wenn man das gegenseitige Belauern der beiden Topfavoriten ausklammert, kletterte Arensman schneller als der drittplatzierte Florian Lipowitz und nahm den meisten Fahrern aus den Top 10 Minuten ab. Es war die beste Kletterleistung seiner Karriere.
Ein markanter Sieg für den Niederländer, womöglich karriereprägend, auch wenn es nicht sein erster bei dieser Rundfahrt war. Nun kann er sich ein Bild an die Wand hängen, auf dem er die zwei besten Kletterer dieser Generation schlägt – ohne Ausreißergruppe und ohne von einem Missgeschick zu profitieren.

Arensman fuhr das letzte Bergfinish nach La Plagne schneller hinauf als Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard. @Sirotti
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Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Radsportaktuell.de und berichtet über den professionellen Radsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Liveblogs zu wichtigen Renntagen und Etappen, bei denen er das Geschehen in Echtzeit begleitet und Ergebnisse sowie taktische Entwicklungen fortlaufend einordnet. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um Teams, Fahrer und den Rennkalender.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattformen vernetzt, darunter Nicolas Gayer und Oliver Ried. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









