Die 10 besten männlichen Radprofis des letzten Jahrzehnts – von Peter Sagan bis Tadej Pogacar

Radsport
durch Nic Gayer
Samstag, 15 August 2026 um 14:00
Collage_TadejPogacarChrisFroome
Das Jahrzehnt von 2016 bis 2026 hat eine der außergewöhnlichsten Fahrergenerationen der Radsportgeschichte hervorgebracht. Grand-Tour-Spezialisten, Klassikerjäger, Sprinter und Zeitfahrer teilten sich ein Peloton voller Champions und sorgten für eine Ära, in der unterschiedlichste Fahrertypen den Sport prägten.
Die zehn Besten dieses Zeitraums zu bestimmen, ist entsprechend schwierig. Während sich die Dominanz einiger Fahrer auf einzelne herausragende Saisons konzentrierte, hielten andere ihr Niveau über viele Jahre bemerkenswert konstant. In die Bewertung fließen deshalb auch die Leistungen und der Einfluss jedes Fahrers bei den Grand Tours, den Monumenten, den Weltmeisterschaften und den großen Klassikern ein.

Pogacar steht über einer außergewöhnlichen Generation

Über allen steht Tadej Pogacar. Der Slowene hat Vielseitigkeit im modernen Radsport neu definiert und Erfolge miteinander kombiniert, die bei einem einzelnen Fahrer lange Zeit kaum vorstellbar erschienen. Sein Palmares – und vor allem die Art und Weise, wie er es aufgebaut hat – hebt ihn in eine eigene Kategorie.
Dahinter folgen Namen wie Chris Froome, Primoz Roglic, Jonas Vingegaard, Mathieu van der Poel und Peter Sagan – fünf Fahrer, die diese Ära entscheidend geprägt haben und jeweils für ganz unterschiedliche Facetten eines außergewöhnlichen Jahrzehnts stehen.

1. Tadej Pogacar: die unangefochtene Nummer eins

Pogacars Spitzenplatz bedarf kaum einer Erklärung. Seit seinem Durchbruch 2019 hat der Slowene mehrfach die Tour de France, den Giro d'Italia, die Weltmeisterschaften und Monumente gewonnen. Damit hat er ein Palmares aufgebaut, das längst zu Vergleichen mit den größten Fahrern der Radsportgeschichte einlädt.
Der entscheidende Unterschied liegt jedoch nicht allein in der Anzahl seiner Siege, sondern in seiner Fähigkeit, nahezu überall um den Erfolg mitzufahren. Berge, Zeitfahren, Klassiker, explosive Finals oder Eintagesrennen: Pogacar hat seine enorme Vielseitigkeit zu seiner vielleicht schärfsten Waffe gemacht.
Seine Dominanz erstreckt sich zudem über mehrere Saisons. 2026 holte er seinen fünften Gesamtsieg bei der Tour de France und unterstrich damit erneut, dass es innerhalb dieser außergewöhnlichen Generation eine Stufe gibt, die allein für ihn reserviert scheint.

2. Chris Froome: die große Kraft der ersten Hälfte

Chris Froome prägte weite Teile der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts. Zwischen 2016 und 2017 gewann er zweimal die Tour de France sowie die Vuelta a Espana und etablierte sich endgültig als einer der dominierenden Grand-Tour-Fahrer seiner Zeit.
Chris Froome siegt am Mont Ventoux 2013.
Chris Froome dominierte die Grand Tours in der ersten Hälfte des Jahrzehnts und prägte mit Sky und Ineos eine ganze Ära des Rundfahrtsports.
Seine Bedeutung reicht dabei weit über die gewonnenen Titel hinaus. Über Jahre hinweg führte der Brite die nahezu perfekt funktionierende Maschinerie von Sky und später Ineos an und prägte damit ein Rennmodell, das auf Kontrolle und unerbittlicher Konstanz beruhte.
Sein späterer sportlicher Abstieg verhindert eine noch höhere Platzierung. Die Jahre seiner Überlegenheit waren jedoch zu bedeutend, um Froome nicht auf einem der vordersten Plätze dieses Rankings zu führen.

3. Primoz Roglic: ein Jahrzehnt der Widerstandsfähigkeit

Primoz Roglic hat eine außergewöhnlich langlebige Karriere auf höchstem Niveau aufgebaut. Als mehrfacher Sieger der Vuelta a Espana, Giro-d'Italia-Champion und Olympiasieger im Zeitfahren gehörte der Slowene über nahezu das gesamte Jahrzehnt hinweg zur absoluten Weltspitze.
Seine Fähigkeit, sich nach Rückschlägen und Niederlagen immer wieder neu zu erfinden, ist ein wesentlicher Bestandteil seiner Größe. Jahrelang jagte Roglic vergeblich dem ersehnten Tour-de-France-Sieg hinterher und kämpfte dennoch unermüdlich weiter um die Gesamtwertungen der größten Rundfahrten.
Seine bemerkenswerte Konstanz, seine Stärke am Berg und seine herausragenden Fähigkeiten im Zeitfahren machen ihn zu einem der prägendsten Fahrer der Post-Froome-Generation.

4. Jonas Vingegaard: Pogacars großer Rivale

Jonas Vingegaard schaffte seinen Durchbruch später als viele andere Fahrer in diesem Ranking, doch sein Einfluss auf das vergangene Jahrzehnt ist enorm. Der Däne gewann zweimal in Folge die Tour de France und entwickelte sich zu Pogacars größtem Rivalen im Kampf um die Vorherrschaft bei den Grand Tours.
Jonas Vingegaard in Aktion auf Etappe sechs der Tour de France 2026.
Jonas Vingegaard entwickelte sich zum großen Grand-Tour-Rivalen von Tadej Pogacar und bezwang den Slowenen 2022 und 2023 bei der Tour de France.
Seine außergewöhnlichen Kletterfähigkeiten und seine Stärke bei langen, gleichmäßigen Belastungen ermöglichten es ihm, Pogacar 2022 und 2023 bei der Tour de France zu bezwingen. Ihre Duelle entwickelten sich dadurch zu einer der bedeutendsten Rivalitäten des modernen Radsports.
Auch wenn Vingegaards Zeit an der absoluten Spitze bislang kürzer ausfällt als bei einigen seiner Konkurrenten, rechtfertigt die Bedeutung seiner Erfolge einen Platz unter den Besten. Kann er dieses Niveau in den kommenden Jahren halten, dürfte er in einem solchen Ranking sogar noch weiter nach oben klettern.

5. Mathieu van der Poel: der König der Monumente

Mathieu van der Poel war womöglich der kompletteste Klassikerfahrer dieses Jahrzehnts. Der Niederländer gewann mehrere Monumente, die Weltmeisterschaften und zahlreiche weitere bedeutende Eintagesrennen. Dabei bewies er eine außergewöhnliche Fähigkeit, auf unterschiedlichstem Terrain zu glänzen.
Auch seine Rivalität mit Wout Van Aert hat den Radsport der vergangenen Jahre entscheidend geprägt. Gemeinsam hoben die beiden Ausnahmekönner das Niveau bei den Klassikern und im Cyclocross auf neue Höhen und machten nahezu jedes direkte Duell zu einem Pflichttermin für Radsportfans.
Siege bei Paris-Roubaix, der Flandern-Rundfahrt und den Straßen-Weltmeisterschaften stehen exemplarisch für eine Karriere, die von Explosivität, außergewöhnlicher Radbeherrschung und kompromisslosem offensivem Racing geprägt ist.

6. Peter Sagan: das Phänomen, das die Klassiker veränderte

Peter Sagan gehörte insbesondere zu Beginn dieses Jahrzehnts zu den prägenden Figuren des internationalen Radsports. Drei Weltmeistertitel in Folge zwischen 2015 und 2017, sieben Grüne Trikots bei der Tour de France sowie Siege bei der Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix machen den Slowaken zu einem unverzichtbaren Bestandteil dieses Rankings.
Peter Sagan und Mark Cavendish im Sprint gegeneinander.
Peter Sagan im Sprintduell mit Mark Cavendish: Der Slowake prägte mit seinen Erfolgen, seiner Vielseitigkeit und seiner Persönlichkeit eine ganze Radsportgeneration.
Sagan war allerdings weit mehr als nur ein außergewöhnlich erfolgreicher Fahrer. Seine Persönlichkeit, sein unverwechselbarer Fahrstil und sein Gespür für Unterhaltung veränderten das öffentliche Bild des Profiradsports und machten ihn zu einer der ikonischsten Figuren seiner Generation.
Auch wenn sein sportlicher Leistungsabfall früher einsetzte als bei einigen anderen Fahrern dieser Liste, lässt sich sein sportlicher wie medialer Einfluss über weite Teile des Jahrzehnts nicht ignorieren.

7. Remco Evenepoel: vom Ausnahmetalent zum Champion

Remco Evenepoel betrat die große Radsportbühne als eines der größten Talente der modernen Ära und verwandelte die enormen Erwartungen innerhalb kürzester Zeit in bedeutende Erfolge. Er gewann Weltmeisterschaften, Grand Tours und Monumente und holte zudem olympische Medaillen.
Seine herausragenden Fähigkeiten im Zeitfahren und seine enorme Stärke über lange Distanzen machen ihn zu einem außergewöhnlich kompletten Fahrer. Sein Triumph bei der Vuelta a Espana und seine olympischen Erfolge bewiesen darüber hinaus, dass Evenepoel sowohl bei Rundfahrten als auch bei Eintagesrennen auf höchstem Niveau liefern kann.
Sein Palmares bietet dennoch weiterhin Raum für zusätzliche große Erfolge. Gerade deshalb könnte Rang sieben lediglich eine Momentaufnahme in einer Karriere sein, die noch lange nicht abgeschlossen ist.

8. Wout Van Aert: der komplette Fahrer

Nur wenige Fahrer vereinen ein derart breites Fähigkeitsspektrum wie Wout Van Aert. Der Belgier kann Sprints, Klassiker, Zeitfahren und Grand-Tour-Etappen gewinnen und gleichzeitig vollkommen selbstlos für seine Kapitäne arbeiten.
Wout Van Aert jubelt.
Van Aert zählt dank seiner außergewöhnlichen Vielseitigkeit in Sprints, Klassikern und Zeitfahren zu den komplettesten Fahrern seiner Generation.
Seine Rivalität mit Mathieu van der Poel prägt seit Jahren sowohl die Klassiker als auch den Cyclocross. Auf der Straße hat sich Van Aert darüber hinaus zu einem der wertvollsten und vielseitigsten Fahrer entwickelt, die ein Team in seinen Reihen haben kann.
Ein weiteres großes Monument oder ein Titel bei den Straßen-Weltmeisterschaften könnte seine Bilanz zusätzlich veredeln. Doch schon jetzt sichern ihm seine bemerkenswerte Konstanz und enorme Vielseitigkeit einen Platz unter den herausragenden Fahrern dieses Jahrzehnts.

9. Julian Alaphilippe: zweifacher Weltmeister

Julian Alaphilippe erlebte zwischen 2018 und 2021 die erfolgreichste Phase seiner Karriere. Zwei aufeinanderfolgende Weltmeistertitel, bedeutende Klassikererfolge, Etappensiege bei der Tour de France und mehrere Tage im Gelben Trikot stehen für außergewöhnliche Jahre des Franzosen.
Alaphilippe gehörte zudem zu den charismatischsten Fahrern des Pelotons. Sein kompromisslos offensiver Rennstil und seine Bereitschaft zu frühen Attacken machten ihn insbesondere bei Eintagesrennen zu einem Fahrer, der den Verlauf eines Rennens entscheidend bestimmen konnte.
Spätere Inkonstanz und Formschwankungen lassen ihn im direkten Vergleich mit einigen Konkurrenten in diesem Ranking zurückfallen. Die außergewöhnliche Qualität seiner besten Jahre verdient dennoch einen Platz unter den Top Ten.

10. Filippo Ganna: die Macht gegen die Uhr

Filippo Ganna komplettiert die Liste dank seiner langjährigen Dominanz im Zeitfahren. Als Weltmeister und zweifacher Olympiasieger in der Mannschaftsverfolgung hat der Italiener seine enorme physische Leistungsfähigkeit und aerodynamische Perfektion zu einer Kunstform erhoben.
Doch Ganna hat längst bewiesen, dass seine Qualitäten nicht auf die Bahn und das Zeitfahren beschränkt sind. Auch bei Klassikern und auf Grand-Tour-Etappen konnte er um große Erfolge kämpfen und prestigeträchtige Siege feiern.
Er verfügt möglicherweise nicht über die Vielseitigkeit eines Pogacar oder das Palmares der großen Grand-Tour-Spezialisten. Seine Dominanz in seinen Paradedisziplinen und sein Einfluss auf die Weiterentwicklung des modernen Zeitfahrens sichern Ganna dennoch verdient einen Platz unter den zehn besten Fahrern des Jahrzehnts.
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