Am 16.08. wird das WorldTour-Peloton eine weitere Eintagesprüfung in Angriff nehmen: die
ADAC Cyclassics Hamburg. Der deutsche Klassiker liegt traditionell den Sprintern, eröffnet in einer dichten Saisonphase aber auch den Klassikerspezialisten Chancen. Wir blicken auf das Profil.
Erstmals ausgetragen wurde das Rennen 1996, Sieger war Rossano Brasi. Schnell gewann es an Renommee, 1997 triumphierte Lokalheld Jan Ullrich nur Wochen nach seinem Tour-de-France-Sieg. Erik Zabel, Johan Museeuw, Paolo Bettini, Óscar Freire und Robbie McEwen reihten sich anschließend in die Siegerliste ein.
Seit den späten 2000er-Jahren prägen die Sprinter den Klassiker, mit Erfolgen der Besten ihres Fachs. Arnaud Démare, John Degenkolb, Alexander Kristoff, André Greipel, Caleb Ewan, Elia Viviani, Mads Pedersen und Olav Kooij stehen in der Palmares. 2025 jedoch gewann Irlands Meister Rory Townsend nach einem hochdramatischen Finale aus der Tagesgruppe, nur wenige Zentimeter vor den heranrauschenden Sprintern im Feld.
Vorschau ADAC Cyclassics Hamburg 2026:
Die
ADAC Cyclassics Hamburg sind ein Rennen, das häufig von den Sprintern gewonnen wird – und auch in diesem Jahr stehen zahlreiche der weltbesten schnellen Männer am Start. Für viele von ihnen beginnt in Hamburg wenig überraschend eine wichtige Phase der Saison, die mit Eintagesrennen und kleineren Rundfahrten gespickt ist und zahlreiche Chancen auf weitere Siege bietet. Bei dem Hamburger Klassiker, der traditionell den Sprintern entgegenkommt, dürfte es für die Konkurrenz allerdings schwierig werden, ihnen den Sieg streitig zu machen.
Jonathan Milan reist nach seinen drei Siegen bei der Tour de Pologne mit einem kompletten Sprintzug an. Paul Magnier, der Milan beim Giro d'Italia mehrfach geschlagen hatte, will sich nach den Niederlagen in Polen nun auf einem Kurs revanchieren, der ihm besser liegen dürfte. Aus der Tour de France kommt unterdessen Olav Kooij nach seinem Sieg auf der 5. Etappe nach Hamburg. Mit Biniam Girmay steht außerdem ein Fahrer am Start, der auf Rennen dieser Art spezialisiert ist.
Max Kanter, der sich bei der Tour in herausragender Form präsentierte und dort auch als Anfahrer zum Einsatz kam, hat ebenfalls seine Helfer mit nach Hamburg gebracht und will vor heimischem Publikum um den Sieg sprinten. Soren Waerenskjold, ebenfalls Etappensieger bei der Tour de France, führt derweil das Aufgebot von Uno-X an.
Unter den klassischen Sprintern gibt es weitere gefährliche Kandidaten, die im Kampf um den Sieg unbedingt berücksichtigt werden müssen. Dazu zählt neben Dylan Groenewegen auch das Trio Phil Bauhaus, Matteo Moschetti und Milan Fretin. Bei den vielseitigeren Sprintern finden sich mit Kaden Groves, Michael Matthews, Arnaud de Lie, Orluis Aular und Pavel Bittner ebenfalls zahlreiche Siegkandidaten. Hinzu kommen bei Red Bull - BORA - hansgrohe Danny van Poppel und Laurence Pithie. Auch Sam Watson und Luca Mozzato gehören zu den Fahrern, die man im Auge behalten sollte.
Einige Teams dürften allerdings versuchen, das Rennen offensiv zu gestalten. Wer im Sprint kaum realistische Siegchancen besitzt, muss sein Glück zwangsläufig in einer erfolgreichen Attacke suchen. Einfach wird das nicht, doch der Rundkurs ist keineswegs flach und Angriffsversuche sind daher zweifellos zu erwarten. Ein Beispiel dafür ist UAE Team Emirates - XRG: Das Team dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit die Initiative ergreifen, allen voran mit Isaac del Toro. Mit dem explosiven Benoit Cosnefroy steht zudem ein Fahrer im Aufgebot, der an den Anstiegen den entscheidenden Unterschied machen kann.
Bei der jüngsten Tour de Pologne präsentierten sich sowohl Louis Barre als auch Axel Laurance in guter Form. Entsprechend sind beide Fahrer Kandidaten für Attacken am Waseberg. Jonas Abrahamsen, Matteo Trentin und Fred Wright können ebenfalls gefährlich werden, dürften ihre Chancen jedoch eher nach dem Anstieg suchen.
Prognose ADAC Cyclassics Hamburg 2026:
*** Jonathan Milan, Olav Kooij, Paul Magnier
** Biniam Girmay, Soren Waerenskjold, Kaden Groves
* Isaac del Toro, Michael Matthews, Danny van Poppel, Max Kanter, Arnaud de Lie, Orluis Aular, Dylan Groenewegen
Unser Tipp: Jonathan Milan
Wie: Massensprint.
Streckenprofil ADAC Cyclassics: Buxtehude - Hamburg
Buxtehude - Hamburg, 207 Kilometer
Die Strecke misst 207 Kilometer, das erste Drittel verläuft nahezu flach durch Norddeutschland. Viele Fahrer werden Kräfte für das Schlussdrittel sparen, wo das Rennen entschieden wird. Die Organisatoren haben allerdings rund 30 Kilometer und weitere Überfahrten des Hauptanstiegs hinzugefügt, was den Tag für reine Sprinter anspruchsvoller macht.
Das zentrale Merkmal ist der Waseberg, der ikonische, steile Hügel an der Elbe. Er ist 1 Kilometer lang bei 7% im Schnitt, nicht der härteste Anstieg, doch in der Mitte stehen bis zu 16% an. Ein kurzer, explosiver Stich, mit Abfahrt in den Anlauf – jedes Mal gibt es einen harten Positionskampf und unvermeidliche Attacken.
Die Passhöhen liegen bei noch 120, 78, 67, 27 und 12 Kilometern. Es ist jedoch kein homogenes Rundkurslayout, sondern ein verzweigtes System aus Schleifen rund um Hamburg. Der Anstieg wird zweimal direkt hintereinander befahren, doch die entscheidenden Angriffe sind erst im letzten Paket zu erwarten. Die finalen zwei Überfahrten trennen nur 14 Kilometer, was Taktik und aggressives Racing begünstigt. Danach führt eine flache Anfahrt zurück ins Zentrum von Hamburg – mit Potenzial für einen Sprint.
Waseberg und Schlusskilometer
Auf dieser Karte ist der finale Rundkurs um den Zielbereich zu sehen. Für die Sprintvorbereitung absolvieren die Fahrer jedoch nur die letzten 1,9 Kilometer der Grafik – die meisten technischen Passagen entfallen damit. Das Finale ist nicht besonders technisch, jedoch verengt sich die Straße Richtung Ziel. Positionierung ist entscheidend, nennenswerte Steigungsprozent fehlen.
ADAC Cyclassics finaler Rundkurs
Siegerliste ADAC Cyclassics Hamburg 2026
| Jahr | 1. | 2. | 3. |
| 2025 | Rory Townsend | Arnaud De Lie | Paul Magnier |
| 2024 | Olav Kooij | Jonathan Milan | Biniam Girmay |
| 2023 | Mads Pedersen | Danny van Poppel | Elia Viviani |
| 2022 | Marco Haller | Wout van Aert | Quinten Hermans |
| 2021 | — | — | — |
| 2020 | — | — | — |
| 2019 | Elia Viviani | Caleb Ewan | Giacomo Nizzolo |
| 2018 | Elia Viviani | Alexander Kristoff | André Greipel |
| 2017 | Elia Viviani | Arnaud Démare | Dylan Groenewegen |
| 2016 | Caleb Ewan | John Degenkolb | Giacomo Nizzolo |
| 2015 | André Greipel | Alexander Kristoff | Giacomo Nizzolo |
| 2014 | Alexander Kristoff | John Degenkolb | Reinardt Janse van Rensburg |
| 2013 | John Degenkolb | André Greipel | Alexander Kristoff |
| 2012 | Arnaud Démare | André Greipel | Alexander Kristoff |
| 2011 | Philippe Gilbert | Filippo Pozzato | Borut Božič |
| 2010 | Tyler Farrar | Edvald Boasson Hagen | Gerald Ciolek |
| 2009 | Tyler Farrar | Matti Breschel | Gerald Ciolek |
| 2008 | Mark Cavendish | Gerald Ciolek | Heinrich Haussler |
| 2007 | Alessandro Petacchi | Robert Förster | Erik Zabel |
| 2006 | Óscar Freire | Erik Zabel | Allan Davis |
| 2005 | Alexander Vinokourov | Paolo Bettini | Erik Zabel |
| 2004 | Erik Zabel | Paolo Bettini | Luca Paolini |
| 2003 | Erik Zabel | Paolo Bettini | Danilo Di Luca |
| 2002 | Erik Zabel | Danilo Di Luca | Mirko Celestino |
| 2001 | Erik Zabel | Mirko Celestino | Paolo Bettini |
| 2000 | Erik Zabel | Davide Rebellin | Mirko Celestino |
| 1999 | Frank Vandenbroucke | Erik Zabel | Davide Rebellin |
| 1998 | Michele Bartoli | Erik Zabel | Peter Van Petegem |
| 1997 | Erik Zabel | Michele Bartoli | Maurizio Fondriest |
| 1996 | Rossano Brasi | Maximilian Sciandri | Alberto Elli |