Mit einem Ergebnis, das viele Kritiker verstummen ließ, meldete sich
Remco Evenepoel bei der
Tour de France 2026 eindrucksvoll als ernstzunehmender Anwärter auf den Gesamtsieg bei einer Grand Tour zurück. Der Belgier belegte den zweiten Gesamtrang. Zwar wurde sein Sprung im Vergleich zu 2024 auch durch den Ausstieg von Jonas Vingegaard begünstigt, doch nach der enttäuschenden Tour de France 2025 ist das Resultat dennoch ein wichtiger Schritt nach vorn.
Belgien musste mehr als vier Jahrzehnte auf einen Fahrer warten, der dem Toursieg so nahekommt wie Evenepoel. Damit endet eine noch längere Durststrecke als jene der französischen Fans, die seit Jahrzehnten auf den nächsten Heimsieg bei der Tour de France hoffen. Zuletzt hatte Lucien Van Impe die Rundfahrt 1981 auf Rang zwei beendet.
Naesen: „Das ist ein wichtiger Schritt“
„Das ist ein wichtiger Schritt in Remcos Zukunft als Grand-Tour-Fahrer“, sagt Profi
Oliver Naesen im
HLN Cycling Podcast.
Remco Evenepoel überzeugte mit Rang zwei bei der Tour de France 2026 und untermauerte seine Ambitionen auf den Gesamtsieg in den kommenden Jahren.
Der Belgier macht keinen Hehl daraus, dass Evenepoel auch vom Pech der Konkurrenz profitierte. Der Ausstieg des zweitgrößten Favoriten Jonas Vingegaard auf der 15. Etappe habe das Klassement entscheidend verändert. Dennoch schmälere das den Wert des Ergebnisses nicht.
„Sein Endergebnis lag [immer] irgendwo zwischen Platz zwei und fünf. Jetzt hat er das Maximum herausgeholt. Wäre das Ergebnis schlechter gewesen, hätte sich Champion Remco für die Zukunft womöglich anders orientiert. Das wird seinen Glauben stärken, dass es wirklich möglich ist“, betont Naesen.
Tour de France oder Giro d'Italia?
Nach Platz drei und nun Rang zwei ist Evenepoel mit erst 26 Jahren weiterhin in einer hervorragenden Ausgangslage, um die Tour de France in den kommenden Jahren erneut ins Visier zu nehmen. Dennoch stellt sich die Frage, ob er den Fokus angesichts der Dominanz von Tadej Pogačar weiterhin auf die Frankreich-Rundfahrt legen sollte.
Ein Triumph beim Giro d'Italia oder der Vuelta a España erscheint auf den ersten Blick greifbarer. Naesen warnt jedoch davor, die Herausforderung zu unterschätzen.
„Den Giro hinzufügen ist ganz sicher nicht so einfach. Frag nur Victor Campenaerts. Er ist derzeit komplett ausgelaugt. Man muss das wirklich Schritt für Schritt angehen. In erster Linie auf das Profil schauen“, erklärt der Belgier.
„Ist das ein Giro, der zur Hälfte über 2.000 Meter stattfindet, oder ein Giro mit drei langen Zeitfahren? Aber die Tour bleibt die Tour. Sie macht drei Viertel der Bedeutung des Radsportjahres aus. Dort liegen die größten kommerziellen Interessen. Dann wird dir als Fahrer klar, wie wichtig die Tour ist. Vielleicht sollte er weiter auf diese Tour zielen, scheint mir. Aber wenn sich in einer anderen Grand Tour eine goldene Chance bietet – warum nicht?“