„Das war nicht gegen Tadej Pogačar, aber das muss man erst einmal hinbekommen“ – Remco Evenepoels Red-Bull-Hattrick lässt nach dem Winter alle Zweifel verstummen

Radsport
Montag, 02 Februar 2026 um 17:00
RemcoEvenepoel (2)
Ein Mannschaftszeitfahr-Sieg. Zwei Solos. Drei Renntage, die im ursprünglichen Plan gar nicht vorgesehen waren. Remco Evenepoel hätte seinen ersten Auftritt in Red-Bull-Farben bei der Challenge Mallorca kaum eindrucksvoller inszenieren können.
Die Ausgangslage vor der Woche war simpel. Evenepoel würde das Trofeo Ses Salines-Mannschaftszeitfahren bestreiten, wichtige Kilometer mit Blick auf Juli sammeln und die Insel mit einem leisen Haken auf der To-do-Liste verlassen. Stattdessen fügte er kurzfristig zwei Eintagesrennen hinzu und verließ Mallorca mit einem Hattrick an Siegen.
Für den belgischen Analysten José De Cauwer, der von zuhause aus zusah, reichte die Bedeutung weit über das Ergebnisblatt hinaus. „Das war nicht gegen Tadej Pogacar und die anderen, aber du musst es trotzdem erst einmal machen. Jeder im Peloton weiß, was er vorhat, einer dieser Solos, und doch passiert es“, sagte er in seiner Analyse für Sporza.
Dieser Satz trifft die Balance perfekt. Das Niveau der Konkurrenz im Januar ist nicht die Geschichte. Die Art der Siege ist es.

Selbstvertrauen auf und neben dem Rad

De Cauwer verwies auf etwas Subtileres als Resultate. „Er strahlt enorm viel Selbstvertrauen aus. Nicht nur im Rennen, sondern auch abseits des Rads. Der Teamwechsel zu Red Bull - BORA - hansgrohe und die Art, wie dort gearbeitet wird, haben ihm offensichtlich gutgetan.“
Evenepoel selbst sagte kürzlich, dass „150 Mitarbeitende wirklich alles bis ins kleinste Detail prüfen“ innerhalb der Teamstruktur.
Laut De Cauwer ist das genau das Umfeld, in dem ein Fahrer wie Evenepoel aufblüht. „Davon nährt er sich. Ich kann mir vorstellen, dass ein Fahrer wie er frustriert werden kann, wenn er sieht, wie gewisse Dinge an den Tischen größerer Teams gehandhabt werden. Jetzt ist er selbst bei so einem Team.“
Eine bemerkenswerte Beobachtung so früh in der Saison. Es war nicht nur Evenepoel, der Rennen gewann. Es war Evenepoel, der in einer neuen Umgebung souverän, angekommen und instinktiv wirkte.

Die Solos, die alle erwarten – und niemand verhindert

Das Auffälligste an Evenepoels Mallorca-Woche war die Vorhersehbarkeit. Attacken aus der Distanz. Lange Tempostöße im welligen Terrain. Durchgezogene Watt auf Anstiegen wie dem Puig Major. Es war der vertraute Evenepoel-Bauplan, mit der gleichen Autorität umgesetzt.
„Jeder im Peloton weiß, was er vorhat, und doch passiert es“, wiederholte De Cauwer.
Das ist relevant, weil es direkt auf Evenepoels Winterarbeit verweist. De Cauwer ist überzeugt, dass die Basis klar für Größeres gelegt ist.
„Es könnte sein, dass jetzt alles passt. Ich würde nicht sagen, dass wir den ‚echten‘ Remco erst noch sehen, das würde all seinen bisherigen Siegen nicht gerecht. Das vergessen wir manchmal. Wir scheinen weiter auf einen besseren Remco zu warten, als hätte diese Version noch nichts gewonnen. Aber wir glauben, dass da noch etwas extra kommen kann.“

Ein Debüt mit Signalwirkung

Aus Red Bulls Sicht bot Mallorca mehr als drei Siege. Es bot Gewissheit. Der Fahrer, um den herum große Ambitionen gebaut werden, wirkt körperlich scharf und mental gelassen. Der Frühjahrsplan wurde nach Gefühl angepasst – und zahlte sich sofort aus.
Die Siege kamen nicht gegen Tour-de-France-Rivalen. Doch, wie De Cauwer sagte, ist das zweitrangig. Man muss es trotzdem erst einmal machen. Und Evenepoel tat es drei Mal in vier Tagen.
Für ein Team in einer neuen Ära und einen Fahrer in einem neuen Kapitel könnte die Tonlage kaum klarer gesetzt sein.
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