
Primoz Roglics Status als einer der beständigsten und erfolgreichsten Grand-Tour-Fahrer des 21. Jahrhunderts ist unbestritten. Doch eine Frage bleibt: Kann er ohne einen Tour-de-France-Titel wirklich als einer der größten Klassementfahrer der Radsportgeschichte gelten? Der bittere Moment der 20. Etappe der Tour de France 2020 ist noch immer nicht vergessen.
Mit seinem Sieg bei der Katalonien-Rundfahrt 2025, den er im Duell mit Juan Ayuso errang, fügte der Slowene seinem glanzvollen Palmarès einen weiteren prestigeträchtigen Titel hinzu. Doch dieser Triumph wirft die Frage nach seinem Platz in der Geschichte lauter denn je auf.
Roglic hat mittlerweile 17 der 22 WorldTour-Etappenrennen gewonnen, an denen er teilgenommen hat – eine atemberaubende Bilanz an Beständigkeit und Klasse auf höchstem Niveau. Noch beeindruckender: Laut Cycling Statistics hat er in jeder der letzten neun Saisons mindestens drei Siege eingefahren.
Nur wenige Legenden erreichten eine solche Konstanz. Eddy Merckx, Bernard Hinault, Laurent Jalabert und Peter Sagan schafften es in den zweistelligen Bereich, während Sean Kelly, Mario Cipollini und André Greipel mit Roglic gleichziehen. Selbst der fünffache Tour-de-France-Sieger Jacques Anquetil kam "nur" auf acht solcher Saisons.
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Sein Werdegang ist einzigartig. Als ehemaliger Skispringer kam Roglic später als die meisten seiner Altersgenossen zum Profiradsport. Umso beeindruckender ist sein Erfolg. Vier Gesamtsiege bei der Vuelta a Espana, ein triumphaler Giro-d'Italia-Sieg 2023 und WorldTour-Erfolge bei Tirreno-Adriatico, der Baskenland-Rundfahrt, dem Criterium du Dauphine und Paris-Nizza sprechen für sich.
Mit 35 Jahren und einem besiegten Ausnahmetalent wie Ayuso scheinen Roglics Leistungen nicht zu stagnieren – im Gegenteil, sie werden weiter besser.
"Ich hatte hier einfach viel Spaß. Die Beine sind bereit", sagte Roglic nach seinem Sieg in Katalonien und schickte damit eine deutliche Warnung an seine Rivalen. Mit diesem Erfolg feierte zum dritten Mal in Folge ein slowenischer Fahrer den Gesamtsieg bei der Katalonien-Rundfahrt – eine Erinnerung daran, dass Tadej Pogacar zwar als Superstar des Landes gilt, doch Roglic derjenige war, der Sloweniens Erfolgsgeschichte ins Rollen brachte.
Das fehlende Puzzlestück
Trotz seiner herausragenden Referenzen als Rundfahrtfahrer wird Roglic unweigerlich an der Tour de France gemessen. So viele Erfolge schmücken seine Karriere, doch das fehlende Stück des Puzzles scheint ihn nach wie vor zu definieren – eine Einschätzung, die ihm nicht gerecht wird.
Was 2020 hätte sein können, bleibt Spekulation. Fast zwei Wochen trug Roglic das Gelbe Trikot und ging mit einem komfortablen Vorsprung von 57 Sekunden auf Pogacar ins entscheidende Zeitfahren der 20. Etappe.
Was dann folgte, wurde zur Legende: Pogacar fuhr ein historisches Rennen, während Roglics Traum in Sekunden zerplatzte. Dieser Tag bleibt eine der dramatischsten Wendungen in der Tour-Geschichte und hinterließ eine tiefe Narbe. Für Roglic war es eine grausame Erinnerung daran, wie schnell sich der Radsport in einen Alptraum verwandeln kann.

Seit 2020 wartet Roglic auf einen weiteren Etappensieg bei der Tour de France
Die Suche nach der letzten Chance
Seit diesem Schicksalstag kam Roglic bei der Tour nicht mehr so weit – oft waren es Stürze oder seine Rolle im Team, die ihn ausbremsten. Bei Jumbo-Visma wurde die Situation mit dem Aufstieg von Jonas Vingegaard noch komplizierter. Doch mit seinem Wechsel zu Red Bull - BORA - hansgrohe hat Roglic eine neue Plattform und möglicherweise eine letzte Chance, die offene Rechnung mit der Tour zu begleichen.
Sein neues Team bewahrte ihn jedoch nicht vor einem erneuten Rückschlag. Bei der Tour 2024 musste er abermals aufgeben. Doch im Juli 2025 erhält er eine weitere Gelegenheit – wenn auch unter anderen Voraussetzungen.
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Das Giro-Tour-Doppel
Die Saison 2025 bringt eine der mutigsten Herausforderungen in Roglics Karriere mit sich: den Versuch, sowohl den Giro d'Italia als auch die Tour de France zu gewinnen.
Noch vor einem Jahr galt dieses Vorhaben als nahezu unmöglich. Als Pogacar ankündigte, das Double zu wagen, wurde ihm nachgesagt, er würde damit seine Tour-Chancen aufs Spiel setzen.
Dann gewann er beide Rundfahrten – und 12 Etappen auf dem Weg dorthin. Plötzlich erscheint das Undenkbare wieder realistisch.
Doch Roglic ist neun Jahre älter als Pogacar, was seine Regeneration zwischen den beiden Rennen schwieriger macht. Beim Giro dürfte er als einer der Favoriten antreten – doch was bedeutet das für seine Chancen bei der Tour?
"Hoffentlich wiederholen wir in diesem Jahr die Fehler nicht", sagte Roglic und spielte damit auf seine früheren Tour-Vorbereitungen an. Sein Giro-Sieg 2023 kam zur richtigen Zeit, doch die Tour ist ein anderes Kaliber mit einer noch stärkeren Konkurrenz.
Nicht alle trauen ihm das Doppel zu. Geraint Thomas stellte offen infrage, ob Roglics Plan realistisch sei – insbesondere angesichts von Gegnern wie Pogacar und Vingegaard. "Ich verstehe es nicht, weder für Red Bull noch für Roglic", sagte Thomas und zweifelte daran, dass der Slowene die beiden Generationstalente in Bestform schlagen kann.
Eine Karriere unter den ganz Großen
Vergleicht man Roglic mit den größten Namen des Radsports, wird seine außergewöhnliche Leistung noch deutlicher. Eddy Merckx, Bernard Hinault und Jacques Anquetil dominierten ihre Epochen rücksichtslos und feierten Siege bei allen Grand Tours.
Roglic mag nie die Tour gewonnen haben, doch in Sachen Konstanz bei ein- und dreiwöchigen Rundfahrten übertrifft er viele, die den gelben Traum verwirklichen konnten. Selbst Sean Kelly gewann nur eine Grand Tour und gilt dennoch als einer der komplettesten Fahrer seiner Zeit.
Kaum ein anderer Fahrer hat vier Vueltas und einen Giro gewonnen. Diese Kombination aus Erfolg und Beständigkeit macht Roglic einzigartig.
Laurent Jalabert gewann, wie Roglic, die Vuelta sowie Rennen wie Itzulia und Paris-Nizza, konnte jedoch nie ernsthaft um den Tour-Sieg kämpfen. Im Gegensatz dazu trug Roglic das Gelbe Trikot und kam dem Titel gefährlich nahe.
Auch im Vergleich mit Tour-Siegern wie Jan Ullrich, Vincenzo Nibali oder Carlos Sastre zeigt sich Roglics Stärke. Sein gleichbleibend hohes Niveau über viele Jahre hinweg übertrifft ihre punktuellen Erfolge.
Mehr als nur Zahlen
Roglics Entwicklung als Fahrer hat seinen Ruf weiter gestärkt. Anfangs galt er als kraftvoller, aber berechenbarer Kletterer. Doch mit den Jahren verfeinerte er seine Fähigkeiten, wurde taktisch smarter und entwickelte sich zu einem starken Anführer. Sein Giro-Sieg 2023 war ein Spiegelbild dieser Entwicklung – eine Revanche für 2020, nur diesmal war es Geraint Thomas, der das Nachsehen hatte.
Seine Coolness, sein Scharfsinn und seine mentale Stärke haben ihm viele Fans eingebracht. Nach seinem jüngsten Catalunya-Sieg zollte ihm Ayuso Respekt: "Er war heute der Stärkste. Hut ab vor ihm."
Die nächste Generation mit Ayuso, Pogacar, Evenepoel und Vingegaard drängt nach. Doch Roglic bleibt auf Augenhöhe – und ist noch lange nicht am Ende.
Das Vermächtnis eines Champions
Ein Blick auf die Wettquoten zeigt, dass Roglic nicht zu den Topfavoriten der Tour 2025 gehört. Doch unterschätzt wurde er schon oft.
Selbst ohne einen Tour-Sieg ist sein Vermächtnis gesichert. Mit 17 gewonnenen WorldTour-Rundfahrten, vier Vuelta- und einem Giro-Titel gehört er zu den ganz Großen. Vielleicht ist es an der Zeit, ihn nicht nach dem zu beurteilen, was hätte sein können – sondern nach dem, was er erreicht hat.
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🇪🇸 #VoltaCatalunya104
— Red Bull – BORA – hansgrohe (@RBH_ProCycling) March 30, 2025
When you just won the Volta a Catalunya but there’s also ski jumping on TV ⛷️ @rogla, please never change 😌 pic.twitter.com/fGrA79QA8R

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
- Ich bon etwas verwirrt, das ganze Jahr hieß es "Ineos hat mit Netcompany nen 100 Millionen Euro Fisch an Land gezogen. Plus das Total Enerfie Geld sollte doch genug vorhanden sein. Oder hat ne absurde Ablöse für Onley alles verbraucht? Dann sollte dwe Verantwortliche evtl gehangen werden ;)Wurm25-10-2026
- Hoffe sie setzen sich durch, ist überfällig und so kann's ja echt nicht weitergehen.Bonos10-10-2026
- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









