Mathieu van der Poel hat am Sonntag die Chance, die Querfeldein-Geschichte neu zu schreiben. Der Niederländer ist aktuell mit Eric De Vlaeminck gleichgezogen, der seit über 50 Jahren den Rekord an Regenbogenjerseys hält. Getrieben vom Heimpublikum in Hulst – kann ihn außer Pech überhaupt etwas stoppen?
Van der Poel jagt den Cross-Rekord und denkt schon ans MTB
Die Ära des Weltmeisters von 2009 und 2012,
Niels Albert, überschnitt sich nur kurz mit Van der Poels Aufstieg, als 2014 der Staffelstab zwischen den beiden kurzzeitig im BKCP - Powerplus-Trikot wechselte. Damals hatte Van der Poel gerade die U23-WM als Dritter beendet (hinter Wout Van Aert und Michael Vanthourenhout), während Albert seine Karriere beendete.
Schnell wurde klar, dass der junge Niederländer nur wenige Schwächen hat, auch wenn Albert bei der absoluten Leistung noch Luft nach oben sah. „Jetzt ist das bei ihm auch vollkommen perfekt“, analysiert er für Het Laatste Nieuws.
„Hast du den Strava-Post von seiner ‚MVDP Classic‘ in Spanien gesehen? 215 Kilometer mit 38,5 km/h und im Schnitt 295 Watt! Hey. So etwas kannst du in Belgien nicht trainieren. Außer du nimmst breite, flache Straßen und fährst konstant 45 km/h.“
Absolute Fokussierung
Neben Van der Poels überragendem Talent bewundert Albert auch seine starke Mentalität. „Er entscheidet alles selbst. ‚Ich entspanne einfach auf meinem spanischen Berg, wo ich nach Herzenslust mein Ding machen kann, wo er uns nachmittags Toast und Guacamole macht, alle lassen mich in Ruhe, und ich muss auf niemanden Rücksicht nehmen‘, so sein Denken.“
„Interviews? Macht er selten. Abgesehen von den Pflichtzitaten nach jedem Rennen oder Cross kannst du dich zweimal im Jahr in einen Teams-Call einwählen, fünf Fragen oder so. Eat, sleep, train, repeat. Es ist absolut richtig, dass er sich diesen Luxus schafft. Diese extreme Fokussierung macht den Unterschied.“
Der beste Querfeldeinfahrer aller Zeiten
Albert und die beiden weiteren Gäste Sven Nys und Erwin Vervecken, beide ebenfalls Mehrfach-Weltmeister, sind sich dann in einem Punkt einig:
Mathieu van der Poel ist der beste Querfeldeinfahrer der Geschichte. Und das mit Abstand.
„Bald acht WM-Titel“, merkt Vervecken an. „Damit rückt er an die zehn Titel von Nino Schurter im Mountainbike und Stefan Everts im Motocross heran – sportartenübergreifend. Ikonisch, in der Tat.“
Albert führt aus, dass es für Van der Poel seit Langem vor allem um Leidenschaft und Prestige geht. Und der prestigeträchtigste Titel – „die meisten Regenbogenjerseys“ – ist bereits in Sichtweite. Was kommt danach? Vielleicht Mountainbike, wo ihm das Regenbogenjersey noch fehlt… „Mit 31 geht es Mathieu längst nicht mehr ums Geld, sondern rein um Prestige. ‚Was bringt mich auf der internationalen Sportleiter noch weiter nach oben?‘“
Zweifel an den Qualitäten, auch einen MTB-Weltmeistertitel zu seinen Straßen-, Gravel- und 7 Cross-Titeln hinzuzufügen, gibt es keine – aber wie steht es um andere Sportarten?
Greg Van Avermaet hält Triathlon nicht für eine schlechte zu Van der Poels Profil, worauf Nys ergänzt: „Wenn Mathieu morgen eine andere Sportart ausprobiert, wird er dort genauso mühelos brillieren.“