Mit 33 Jahren zählt
Julian Alaphilippe inzwischen zu den Routiniers im Peloton. Kaum jemand hat so oft und so groß gewonnen wie er. Dennoch sieht der Franzose heute weniger Siegeshunger im Feld – dafür umso mehr die Jagd nach besseren Leistungszahlen.
„Manchmal macht mich das ein wenig traurig, denn wenn ich mit manchen Jungs spreche, träumen sie nicht mehr davon, Rennen zu gewinnen“, sagte Alaphilippe bei
Sigma Sports Unplugged. „Sie sind einfach glücklich, weil ihr Fünf-Minuten-Test gut ist, weil sie gute Zahlen haben.“
Das sei allerdings in gewisser Weise notwendig – in Vertragsverhandlungen werden Leistungsdaten oft geteilt. Heißt: Auch wenn Fahrer wegen Helferrollen, suboptimaler Taktik oder Positionskämpfen keine Top-Ergebnisse einfahren, investieren viele WorldTour-Teams gezielt in Rohdiamanten. Zahlen sind dabei ein zentrales Kriterium.
Doch in einem Sport, der immer techniklastiger wird, sieht der Franzose auch Fehlentwicklungen. „Ich sehe Leute, die können nicht aufs Rad steigen, wenn sie nicht all diese Computer haben“, moniert er. Statt Zahlen und Radcomputer in den Mittelpunkt zu stellen, plädiert Alaphilippe dafür, die Umgebung wieder stärker wahrzunehmen.
Das schmälert die Leistung nicht, erhält aber die Freude am Radsport – und kann Karrieren verlängern, die derzeit oft immer kürzer werden. „Den Unterschied machst du im Kopf, wenn du etwas wirklich aus tiefstem Herzen willst.“
„Wenn du nur auf die Zahlen, das Programm, den Computer starrst und nicht die Bäume und den Himmel siehst – selbst wenn er grau ist –, weil du nur auf den Powermeter schaust, ist das ein bisschen traurig. Dann verlierst du die Freude daran, einfach Radfahrer zu sein.“
Weit weg vom Besten, aber immer noch ein Sieger
„Ich weiß, ich bin weit davon entfernt, der Beste zu sein. Ich bin keine Maschine. Ich weiß, wann ich in Form bin, und wenn ich mich gut fühle, kann ich mit den Beinen und meinem Instinkt spielen und dazugehören“, sagt er. Auch wenn er nicht mehr wie zu seinen Spitzenzeiten den Unterschied aus eigener Kraft setzen kann, liefert Alaphilippe weiterhin starke Werte.
Das Problem: Das Peloton fährt heute ein deutlich höheres Grundtempo – selbst im Vergleich zu 2021, als er zuletzt Weltmeister wurde. Deshalb setzt er auf taktische Chancen und offensives Racing, um große Siege zu holen. Nach seinem Wechsel zu
Tudor Pro Cycling Team in der vergangenen Saison gewann er nur einmal – ausgerechnet beim
GP de Québec, ein bedeutender Erfolg für seine Palmares.
Julian Alaphilippes Jubel auf der 15. Etappe der Tour de France, obwohl er Dritter wurde, war ein Highlight