Weltmeisterschaft Montreal 2026, Frauen-Elite-Straßenrennen: Vorschau, Streckenprofil, Favoritinnen & Prognosen – Holt Demi Vollering endlich das Regenbogentrikot?

Radsport
durch Nic Gayer
Mittwoch, 16 September 2026 um 16:57
Demi Vollering bei der Tour de France Femmes 2026
Am 26. September steht bei der Weltmeisterschaft in Montreal das Straßenrennen der Frauen-Elite auf dem Programm. Magdeleine Vallières sorgte 2025 mit ihrem Triumph für eine große Überraschung und darf ihr Regenbogentrikot nun ausgerechnet vor heimischem Publikum verteidigen. Mit Demi Vollering, Katarzyna Niewiadoma und Kim Le Court wartet allerdings hochkarätige Konkurrenz. Wir blicken auf die Ausgangslage und analysieren das anspruchsvolle Profil.
Erstmals wurde das WM-Straßenrennen der Frauen 1958 ausgetragen, als die Luxemburgerin Elsy Jacobs den Titel gewann. Nachdem es in den folgenden Jahrzehnten einzelne Jahre ohne Austragung gegeben hatte, rückte in den 1980er-Jahren mit Jeannie Longo eine der größten Fahrerinnen der Radsportgeschichte ins Rampenlicht. Die Französin wurde 1985, 1986, 1987, 1989 und 1995 Weltmeisterin und ist mit ihren fünf Titeln bis heute alleinige Rekordhalterin.

Von Longo und Vos bis zum Überraschungscoup von Vallières

Vor 20 Jahren gewann Marianne Vos ihr erstes Regenbogentrikot – und die Niederländerin ist bis heute aktiv. Weitere WM-Titel folgten 2012 und 2013. Anschließend trugen sich unter anderem Pauline Ferrand-Prévot und Lizzie Deignan in die Siegerliste ein.
Die Niederlande setzten ihre beeindruckende Erfolgsserie danach fort. Chantal van den Broek-Blaak triumphierte 2017, Anna van der Breggen gewann 2018 und 2020, während Annemiek van Vleuten 2019 und 2022 Weltmeisterin wurde.
In den vergangenen Jahren endete die niederländische Dominanz jedoch. Lotte Kopecky übernahm mit zwei aufeinanderfolgenden WM-Titeln 2023 und 2024 das Kommando. 2025 entwickelte sich in Kigali schließlich ein taktisch geprägtes Rennen, das mit einem Überraschungssieg von Magdeleine Vallières endete.
Magdeleine Vallières gewann die Weltmeisterschaft 2025 in Kigali.
Magdeleine Vallières sorgte 2025 in Kigali mit ihrem WM-Triumph für eine große Überraschung – nun verteidigt die Kanadierin das Regenbogentrikot vor heimischem Publikum in Montreal.

Vorschau Straßenrennen Frauen-Elite WM 2026

Demi Vollering zählt nach ihren starken Auftritten bei Klassikern und Grand Tours in dieser Saison zu den zentralen Namen im Kampf um das Regenbogentrikot. Die Konkurrenz ist jedoch hochkarätig, und gerade die besonderen Bedingungen einer Weltmeisterschaft ohne Teamfunk können offene und schwer kontrollierbare Rennsituationen entstehen lassen. Dass daraus eine Überraschung hervorgehen kann, bewies Vallières bereits vor zwölf Monaten.
Mit Katarzyna Niewiadoma und Elisa Longo Borghini stehen zwei weitere Fahrerinnen am Start, die gemeinsam mit Vollering auf dem Podium der Tour de France Femmes standen. Beide bringen zudem genau jene Kletterqualitäten mit, die auf dem anspruchsvollen Rundkurs in Montreal gefragt sein dürften.
Auch Paula Blasi, Niamh Fisher-Black, Marlen Reusser und Antonia Niedermaier gehören zu den Fahrerinnen, die auf diesem Terrain eine wichtige Rolle spielen können. Gleichzeitig bietet der Kurs durchaus Möglichkeiten für starke Klassikerspezialistinnen. Titelverteidigerin Vallières bewies das im vergangenen Jahr, während Kim Le Court, Franziska Koch und Puck Pieterse ebenfalls interessante Optionen darstellen. Auch die zweimalige Weltmeisterin Lotte Kopecky darf im Kampf um das Regenbogentrikot nicht abgeschrieben werden.
Eine ausführliche Vorschau mit allen Hauptanwärterinnen folgt...

Streckenprofil: Brossard - Montréal

Profil des Straßenrennens Frauen Elite bei den Weltmeisterschaften 2026
Brossard - Montréal, 181 Kilometer
Mit 181 Kilometern gehört das WM-Straßenrennen zu den längsten Rennen im Frauenkalender – und gleichzeitig zu den anspruchsvollsten. Gerade die wiederholten Anstiege dürften das Rennen besonders selektiv machen und den stärksten Kletterinnen entgegenkommen.
Gestartet wird in Brossard. Erst nach rund 70 Kilometern erreicht das Peloton das Zentrum von Montreal, wo anschließend acht Runden auf dem bekannten Rundkurs absolviert werden. Während die Strecke vielen Radsportfans vom GP de Montreal bestens vertraut ist, betritt das Frauenpeloton hier Neuland: Der kanadische WorldTour-Klassiker wird bislang ausschließlich für die Männer ausgetragen.
Das Herzstück des Rundkurses bildet die Voie Camillien-Houde am Mount Royal. Der Anstieg ist 1,6 Kilometer lang und durchschnittlich 7,7 Prozent steil. Seine Kuppe liegt rund elf Kilometer vor dem Ziel. Damit bietet er den stärksten Kletterinnen auf jeder Runde die beste Gelegenheit, das Feld zu dezimieren – und im Finale möglicherweise die entscheidende Attacke zu setzen.
Auch danach bleibt kaum Gelegenheit zur Erholung. Die Anfahrt zur Zielgeraden ist unrhythmisch und beinhaltet zunächst zwei kleinere Kuppen. Anschließend wartet die Cote de Polytechnique, deren Kuppe sechs Kilometer vor dem Ziel erreicht wird. Sie ist 800 Meter lang, weist im Durchschnitt vier Prozent Steigung auf und beinhaltet Rampen von bis zu zehn Prozent.
Drei Kilometer vor dem Ziel folgt mit der Cote Pagnuelo die nächste Herausforderung. Auf 500 Metern geht es dort durchschnittlich mit 7,5 Prozent bergauf. Nach einem ohnehin langen und höhenmeterreichen Rennen könnte bereits dieser kurze Anstieg ausreichen, um eine kleine Spitzengruppe endgültig auseinanderzureißen.
Selbst die Zielgerade bietet keinen klassischen Sprint. Die letzten 500 Meter steigen mit durchschnittlich fünf Prozent an. Sollte eine Gruppe gemeinsam um das Regenbogentrikot kämpfen, werden deshalb nicht allein Sprintqualitäten entscheiden: Nach 181 Kilometern und acht anspruchsvollen Runden dürften vor allem Widerstandsfähigkeit, Explosivität und starke Kletterbeine den Ausschlag geben.

Siegerinnenliste Straßenrennen Frauen-Elite Weltmeisterschaften

Jahr1.2.3.
2025 Magdeleine Vallieres Niamh Fisher-Black Mavi García
2024 Lotte Kopecky Chloé Dygert Elisa Longo Borghini
2023 Lotte Kopecky Demi Vollering Cecilie Uttrup Ludwig
2022 Annemiek van Vleuten Lotte Kopecky Silvia Persico
2021 Elisa Balsamo Marianne Vos Kasia Niewiadoma
2020 Anna van der Breggen Annemiek van Vleuten Elisa Longo Borghini
2019 Annemiek van Vleuten Anna van der Breggen Amanda Spratt
2018 Anna van der Breggen Amanda Spratt Tatiana Guderzo
2017 Chantal van den Broek-Blaak Katrin Garfoot Amalie Dideriksen
2016 Amalie Dideriksen Kirsten Wild Lotta Henttala
2015 Elizabeth Deignan Anna van der Breggen Megan Guarnier
2014 Pauline Ferrand-Prévot Lisa Brennauer Emma Johansson
2013 Marianne Vos Emma Johansson Rossella Ratto
2012 Marianne Vos Rachel Neylan Elisa Longo Borghini
2011 Giorgia Bronzini Marianne Vos Ina-Yoko Teutenberg
2010 Giorgia Bronzini Marianne Vos Emma Johansson
2009 Tatiana Guderzo Marianne Vos Noemi Cantele
2008 Nicole Cooke Marianne Vos Judith Arndt
2007 Marta Bastianelli Marianne Vos Giorgia Bronzini
2006 Marianne Vos Trixi Worrack Nicole Cooke
2005 Regina Schleicher Nicole Cooke Oenone Wood
2004 Judith Arndt Tatiana Guderzo Anita Valen
2003 Susanne Ljungskog Mirjam Melchers-van Poppel Nicole Cooke
2002 Susanne Ljungskog Nicole Brändli Joane Somarriba
2001 Rasa Polikevičiūtė Edita Pučinskaitė Jeannie Longo
2000 Zinaida Stahurskaya Chantal Beltman Madeleine Lindberg
1999 Edita Pučinskaitė Anna Millward Diana Žiliūtė
1998 Diana Žiliūtė Leontien Zijlaard-van Moorsel Hanka Kupfernagel
1997 Alessandra Cappellotto Elisabeth Tadich Catherine Marsal
1996 Barbara Heeb Rasa Polikevičiūtė Linda Jackson
1995 Jeannie Longo Catherine Marsal Edita Pučinskaitė
1994 Monica Valen Patsy Maegerman Jeanne Golay
1993 Leontien Zijlaard-van Moorsel Jeannie Longo Laura Charameda
1992
1991 Leontien Zijlaard-van Moorsel Inga Thompson Alison Sydor
1990 Catherine Marsal Ruthie Matthes Luisa Seghezzi
1989 Jeannie Longo Catherine Marsal Maria Canins
1988
1987 Jeannie Longo Heleen Hage Connie Meijer
1986 Jeannie Longo Janelle Parks Alla Jakovleva
1985 Jeannie Longo Maria Canins Sandra Schumacher
1984
1983 Marianne Berglund Rebecca Twigg Maria Canins
1982 Mandy Jones Maria Canins Gerda Sierens
1981 Ute Enzenauer Jeannie Longo Connie Carpenter-Phinney
1980 Beth Heiden Tuulikki Jahre Mandy Jones
1979 Petra de Bruin Jenny de Smet Beate Habetz
1978 Beate Habetz Keetie Hage Emanuella Lorenzon
1977 Josiane Bost Connie Carpenter-Phinney Minie Brinkhoff-Nieuwenhuis
1976 Keetie Hage Luigina Bissoli Yvonne Reynders
1975 Tineke Fopma Geneviève Gambillon Keetie Hage
1974 Geneviève Gambillon Baiba Evina Tsaune-Morzik Keetie Hage
1973 Nicole Van den Broeck Keetie Hage Valentina Rebrovskaia
1972 Geneviève Gambillon Lubov Zadorojnaya Anna Konkina
1971 Anna Konkina Morena Tartagni Keetie Hage
1970 Anna Konkina Morena Tartagni Raisa Obodovskaya
1969 Audrey McElmury Bernadette Swinnerton Nina Trofimova
1968 Keetie Hage Baiba Evina Tsaune-Morzik Morena Tartagni
1967 Beryl Burton Lubov Zadorojnaya Anna Konkina
1966 Yvonne Reynders Keetie Hage Aino Puronen
1965 Elisabeth Kleinhans-Eicholz Yvonne Reynders Aino Puronen
1964 Emīlija Sonka Galina Yudina Rosa Sels
1963 Yvonne Reynders Rosa Sels Aino Puronen
1962 Marie-Rose Gaillard Yvonne Reynders Marie-Thérèse Naessens
1961 Yvonne Reynders Beryl Burton Elsy Jacobs
1960 Beryl Burton Rosa Sels Elisabeth Kleinhans-Eicholz
1959 Yvonne Reynders Aino Puronen Vera Gorbatcheva
1958 Elsy Jacobs Tamara Novikova Mariya Lukshina
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