Die
Vuelta a Espana 2026 hat sich ihren Platz in der Geschichte der Rundfahrt gesichert – und Javier Guillen blickt auf eine Ausgabe zurück, die nahezu alles zu bieten hatte. Der Renndirektor zog gegenüber
AS Bilanz über drei ereignisreiche Wochen, die zunächst vom Ausscheiden Tadej Pogacars geprägt wurden, obwohl der Slowene die Gesamtwertung scheinbar unter Kontrolle hatte. Anschließend entwickelte sich ein spannender Kampf zwischen Enric Mas, Primoz Roglic und Felix Gall um das Rote Trikot.
Am Ende stand ein Ergebnis, das bei den Organisatoren für besondere Freude sorgte. Mas gewann die Vuelta a Espana und beendete damit eine zwölfjährige Durststrecke seit dem letzten spanischen Gesamtsieg. Der Movistar-Profi musste seine Führung bis zur vorletzten Etappe am Collado del Alguacil verteidigen, auf der der Kampf um den Gesamtsieg noch einmal völlig offen war.
„Einer der besten Tage bei der Vuelta der letzten Jahre“
Für Guillen fällt die Gesamtbewertung dieser Vuelta entsprechend positiv aus – obwohl sich die Ausgangslage während der drei Wochen mehrfach grundlegend veränderte. Der Renndirektor hebt dabei sowohl die wechselhaften Wetterbedingungen als auch den Kampf um die Gesamtwertung und das Spektakel an den entscheidenden letzten Tagen hervor.
Enric Mas krönte sich zum Gesamtsieger der Vuelta a Espana 2026 und setzte sich nach dem Ausscheiden von Tadej Pogacar im Kampf um das Rote Trikot gegen Primoz Roglic und Felix Gall durch.
„Eine durchweg positive Bilanz. Wir hatten alles: von Hagel in Font Romeu bis zum Verlust von
Tadej Pogacar, was ein echter Schlag war, zumal das Spektakel, das er bot, enorm war. Wir hatten die bestmögliche Kompensation, als Enric Mas in den GC-Kampf einstieg und die Führung in großem Stil gegen Primoz Roglic und Felix Gall verteidigte.“
Besonders die vorletzte Etappe am Collado del Alguacil blieb Guillen in Erinnerung. „Mehr noch: Er tat es, indem er das Rennen aktiv prägte, mit einer vorletzten Etappe am Collado del Alguacil, auf der alles offen war und alles passieren konnte. Die Strecke gab das her, und es war einer der besten Tage bei La Vuelta der letzten Jahre. Der Abschluss in Granada war das i-Tüpfelchen für eine große Zufriedenheit am Ende.“
Vuelta übertrifft Guillens Erwartungen
Pogacars Ausscheiden stellte einen der größten Rückschläge für die Organisatoren während der gesamten Rundfahrt dar. Der Slowene war als klarer Favorit an den Start gegangen und hatte mit drei Etappensiegen seine Ausnahmestellung unterstrichen, ehe er die Vuelta vorzeitig beenden musste. Seine Teilnahme hatte im Vorfeld enorme Erwartungen geweckt, entsprechend schwer wog der Verlust eines der wichtigsten Protagonisten des Rennens.
Der anschließende Kampf um das Rote Trikot bescherte den Organisatoren jedoch letztlich genau jene Dramaturgie, die sie sich vor dem Start erhofft hatten.
Für Guillen erfüllte die Vuelta damit eines ihrer wichtigsten sportlichen Ziele: Die Entscheidung um den Gesamtsieg blieb bis zum vorletzten Tag offen, wobei mit Mas und seinen internationalen Konkurrenten Fahrer unterschiedlicher Nationalitäten bis zum Ende um den Triumph kämpften.
„Nun ja… jenseits des Schocks von Pogacars Ausstieg wünscht sich vor La Vuelta jeder Organisator, dass die sportliche Entscheidung auf der vorletzten Etappe fällt, dass es ein Spanier gegen einen Ausländer ist, und aus dieser Perspektive wurden die Erwartungen mehr als erfüllt. Es ist auch wahr, dass ich dieses Ergebnis vor der Vuelta nicht geglaubt hätte. Also würde ich sagen: Ja, wir haben die Erwartungen übertroffen.“
Das Duell zwischen Mas, Roglic und Gall hielt die Spannung bis tief in die Schlussphase der Rundfahrt aufrecht. Auch das Streckenprofil trug dazu bei, dass sich die Abstände vor einem der entscheidenden Tage nicht endgültig verfestigten – ein Umstand, den Guillen besonders positiv hervorhebt.
„Pogacar hat mit der Vuelta noch etwas offen“
Eine der großen Fragen nach der Ausgabe 2026 lautet bereits, ob Tadej Pogacar noch einmal zur Vuelta a Espana zurückkehren wird. Sieben Jahre nach seinem Debüt 2019 trat der Slowene 2026 erneut bei der Spanien-Rundfahrt an und lieferte bis zu seinem vorzeitigen Ausscheiden eine dominante Vorstellung.
Guillen glaubt, dass der Fahrer von UAE Team Emirates - XRG mit der Vuelta noch eine offene Rechnung haben könnte. Schließlich ist die Spanien-Rundfahrt die einzige der drei Grand Tours, die Pogacar bislang noch nicht gewinnen konnte.
„Ich denke, er hat mit der Vuelta noch etwas offen, aber vor allem will die Vuelta, dass er kommt, damit wir den großen Fahrer würdigen können, der er ist, und insbesondere, damit er diesen Stachel ziehen kann, indem er erneut den Sieg anstrebt. Er war auf gutem Kurs, als er aufgeben musste, und es ist die einzige Grand Tour, die ihm noch fehlt.“
Der Renndirektor verweist zudem auf den begeisterten Empfang, den Pogacar während der Rundfahrt durch die Zuschauer erlebte. Aus Sicht der Organisatoren könnte gerade diese Verbindung zum spanischen Publikum ein zusätzlicher Anreiz für den Slowenen sein, einen weiteren Anlauf auf den Gesamtsieg zu nehmen.
„Er hat gesehen, wie das Publikum auf seine Präsenz reagierte, und auch gemerkt, dass er Spaß haben kann auf den Etappen, die wir entwerfen. Und schließlich wird das, was er organisatorisch erlebt hat, jenseits des Sturzes, ihn ermutigen zu glauben, dass er zurückkommen kann und sollte.“
Die Vuelta a Espana 2026 wird damit vor allem mit dem Triumph von Enric Mas und der Rückkehr eines Spaniers an die Spitze der Gesamtwertung verbunden bleiben. Bei den Organisatoren richtet sich der Blick allerdings bereits auf die Zukunft – und ein Wunsch sticht dabei besonders hervor: Tadej Pogacar soll zur Vuelta zurückkehren und einen weiteren Versuch unternehmen, mit einem Sieg bei der Spanien-Rundfahrt seinen Satz an Grand-Tour-Triumphen zu vervollständigen.