GP de Wallonie 2026: Vorschau, Streckenprofil, Favoriten und Prognosen – UAE greift im hochkarätigen Starfeld nach dem Sieg auf der Kopfsteinpflaster-Rampe von Namur

Radsport
durch Nic Gayer
Dienstag, 15 September 2026 um 14:45
Benoit Cosnefroy
Am 16. September steht für das Peloton der GP de Wallonie auf dem Programm. Das belgische Eintagesrennen endet traditionell auf dem Kopfsteinpflaster hinauf zur Zitadelle von Namur und sorgt Jahr für Jahr für ein spektakuläres Finale – diesmal erneut unmittelbar vor der Weltmeisterschaft. Wir blicken voraus und nehmen Strecke, Profil und Favoriten unter die Lupe.
Die Geschichte des Rennens reicht bis ins Jahr 1935 zurück, als Gustaaf de Greef die Premiere gewann. Nur wenige Jahre später sorgte der Zweite Weltkrieg für eine zweijährige Unterbrechung. Nach einer zunächst wechselhaften Geschichte verschwand der GP de Wallonie zwischen 1951 und 1970 sogar vollständig aus dem Kalender, ehe das Rennen nach seiner Rückkehr auf heiligem belgischen Radsportboden schnell wieder an Renommee gewann.

Große Namen und eine legendäre Ankunft in Namur

Dabei kämpften nicht nur die größten belgischen Fahrer um den Sieg. Eddy Merckx stand beispielsweise selbst am Start, konnte den GP de Wallonie jedoch nie gewinnen. Auch zahlreiche internationale Größen prägten die Siegerliste, darunter Stephen Roche, Marc Madiot und Luc Leblanc. Besonders bemerkenswert: Mit Axel Merckx und Patrick Evenepoel finden sich zwei Sieger im Palmares, deren berühmten nahen Verwandten dieser Triumph bis heute verwehrt geblieben ist.
Das inzwischen traditionelle, giftige Finale in Namur ist wie geschaffen für Puncheure und bietet in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend auch sprintstarken Kletterern beste Chancen. Philippe Gilbert, Greg Van Avermaet und Tim Wellens gehören zu den prominenten Siegern. Gerade die besondere Charakteristik des gepflasterten Schlußanstiegs sorgt dafür, dass sowohl späte Attacken als auch ein Sprint einer kleinen Gruppe zum Erfolg führen können – entsprechend vielseitig präsentiert sich die Siegerliste.
Eines der prägendsten modernen Finals lieferte die Ausgabe 2022. Mathieu van der Poel setzte sich damals vor Biniam Girmay durch, nachdem der Eritreer ihn zuvor beim Giro d'Italia bezwungen hatte. In den folgenden beiden Jahren triumphierten mit Gonzalo Serrano und Roger Adria zwei Spanier, ehe sich Arnaud De Lie 2025 den Sieg auf der Zitadelle von Namur sicherte.
Mathieu van der Poel bei der Tour de France 2026.
Mathieu van der Poel triumphierte 2022 beim GP de Wallonie und bezwang Biniam Girmay im legendären Finale hinauf zur Zitadelle von Namur.

Vorschau GP de Wallonie 2026

Die Startliste des GP de Wallonie 2026 ist herausragend besetzt – sogar stärker als bei so manchem WorldTour-Rennen. Das Profil kommt vor allem klassischen Puncheuren und Klassiker-Spezialisten entgegen, doch auch einige robuste Sprinter dürfen sich Chancen ausrechnen. Selbst ausgewiesene Schnellfahrer wie Soren Waerenskjold, Max Kanter und Milan Fretin stehen am Start, wenngleich ihre Aussichten auf diesem anspruchsvollen Terrain eher gering erscheinen.
Deutlich besser dürfte das Finale Fahrern wie Biniam Girmay, Mike Teunissen, Danny van Poppel oder natürlich Titelverteidiger Arnaud De Lie liegen. Sie alle verfügen über genügend Kletterstärke, um die Anstiege zu überstehen, und gleichzeitig über einen starken Sprint. Hinter De Lies Form steht allerdings ein Fragezeichen: Der Belgier hatte zuletzt wiederholt mit Krankheiten zu kämpfen und dürfte deshalb kaum in absoluter Bestverfassung antreten.
Besonders beeindruckend ist die Tiefe von UAE Team Emirates - XRG. Mit Benoit Cosnefroy, Tim Wellens, Florian Vermeersch, Antonio Morgado und Rui Oliveira verfügt die Mannschaft über zahlreiche Möglichkeiten, das Rennen zu gestalten. UAE kann bereits an den längeren Anstiegen für eine harte Selektion sorgen und hat sowohl die Fahrer als auch allen Grund dazu, das Finale für Cosnefroy maximal anspruchsvoll zu machen. Gleichzeitig besitzt das Team mehrere Profis, die selbst mit einer Attacke zum Erfolg kommen können.
Auch Red Bull - BORA - hansgrohe geht mit unterschiedlichen Optionen ins Rennen. Danny van Poppel bietet sich für ein weniger selektives Finale an, Laurence Pithie für einen härteren Sprint. Tim van Dijke kann beide unterstützen, besitzt aber ebenso die Qualitäten, selbst in einen offensiven Vorstoß zu gehen.
Unter den klassischen Puncheuren bringen Romain Gregoire, Jenno Berckmoes und Paul Lapeira sowohl die nötige Explosivität als auch gute Form mit. Gleiches gilt für Riley Sheehan, der nach seiner Nichtnominierung für die Weltmeisterschaft zusätzliche Motivation mitbringen dürfte.
Auch weniger explosive, dafür ausgesprochen widerstandsfähige Klassikerfahrer wie Jonas Abrahamsen oder Dylan Teuns können auf diesem Terrain den Unterschied machen. Entsprechend lang ist die Liste der ernsthaften Anwärter: Tibor del Grosso, Clement Venturini, Matteo Trentin, Fabio Christen, Roger Adria und Natnael Tesfatsion gehören ebenfalls zu den Fahrern, denen bei entsprechendem Rennverlauf ein Platz auf dem Podium zuzutrauen ist.

Prognose GP de Wallonie 2026

*** Romain Grégoire, Benoît Cosnefroy, Laurence Pithie
** Biniam Girmay, Jenno Berckmoes, Riley Sheehan, Tim Wellens, Paul Lapeira
* Tibor del Grosso, Clément Venturini, Matteo Trentin, Jonas Abrahamsen, Mike Teunissen, Tim van Dijke, Danny van Poppel, Fabio Christen, Arnaud De Lie, Florian Vermeersch, Dylan Teuns, Roger Adrià, Natnael Tesfatsion
Unser Tipp: Benoît Cosnefroy
Wie: Sprint einer reduzierten Gruppe.

Streckenprofil GP de Wallonie: Seraing - Citadelle de Namur

Profil des GP de Wallonie 2026
Seraing - Citadelle de Namur, 195,5 Kilometer
Mit 195 Kilometern und rund 2.500 Höhenmetern erinnert das Profil des GP de Wallonie deutlich stärker an die Ardennen-Klassiker als an die flandrischen Eintagesrennen, obwohl das Rennen geografisch Elemente beider Radsportwelten vereint. Genau diese Mischung aus längeren Anstiegen, steilen Rampen und Kopfsteinpflaster verleiht dem Klassiker seinen besonderen Charakter.
Besonders markant sind zwei steile Anstiege, die rund 80 beziehungsweise 64 Kilometer vor dem Ziel auf dem Programm stehen. Beide Rampen sind etwa 1,5 Kilometer lang und weisen durchschnittlich rund 10 Prozent Steigung auf. Hier bietet sich den offensiv ausgerichteten Mannschaften bereits die Gelegenheit, das Rennen deutlich zu verschärfen und erste Fahrer aus dem Kampf um den Sieg zu verabschieden.
Der Anlauf auf das Finale fällt zwar etwas weniger anspruchsvoll aus, einfach wird er deshalb aber keineswegs. Elf Kilometer vor dem Ziel wartet mit dem Tienne aux Pierres die letzte größere Schwierigkeit vor Namur. Der Anstieg führt über drei Kilometer mit durchschnittlich 4,9 Prozent und dürfte das Rennen noch einmal beschleunigen, bevor der Kampf um die entscheidenden Positionen beginnt.
Denn gerade die Anfahrt zur Auffahrt auf die Zitadelle von Namur ist traditionell erbarmungslos und verlängert die entscheidende Belastung zusätzlich. Der Schlußanstieg selbst ist 3,1 Kilometer lang, im Schnitt 4,2 Prozent steil und beinahe bis zur Ziellinie gepflastert. Das Profil kommt Fahrern entgegen, die bei kurzen, intensiven Belastungen ihre Stärke ausspielen können. Am Ende dürfte jedoch vor allem die Explosivität darüber entscheiden, wer sich auf der Zitadelle zum Sieger des GP de Wallonie 2026 krönt.

Siegerliste GP de Wallonie

Jahr1.2.3.
2025 Arnaud De Lie Émilien Jeannière Biniam Girmay
2024 Roger Adrià Alex Aranburu Clément Champoussin
2023 Gonzalo Serrano Dylan Teuns Jasper De Buyst
2022 Mathieu van der Poel Biniam Girmay Gonzalo Serrano
2021 Christophe Laporte Warren Barguil Tosh Van der Sande
2020 Nicht ausgetragen
2019 Krists Neilands Jasper Stuyven Jasper De Buyst
2018 Jasper Stuyven Dimitri Claeys Warren Barguil
2017 Tim Wellens Tony Gallopin Julien Simon
2016 Tony Gallopin Petr Vakoč Jérôme Baugnies
2015 Jens Debusschere Jan Bakelants Christophe Laporte
2014 Greg Van Avermaet Tony Gallopin Jan Bakelants
2013 Jan Bakelants Thomas Voeckler Mathias Frank
2012 Julien Simon Greg Van Avermaet Björn Leukemans
2011 Philippe Gilbert Julien Simon Björn Leukemans
2010 Paul Martens Riccardo Riccò Cadel Evans
2009 Nick Nuyens Allan Davis Roy Sentjens
2008 Stefano Garzelli Giovanni Visconti Jérôme Pineau
2007 Bert De Waele Cédric Vasseur Thor Hushovd
2006 Philippe Gilbert Nick Nuyens William Bonnet
2005 Nick Nuyens Björn Leukemans Igor Abakoumov
2004 Nick Nuyens Philippe Gilbert Jérôme Pineau
2003 Dave Bruylandts Marek Rutkiewicz Mickaël Pichon
2002 Dave Bruylandts Lennie Kristensen Nicolas Fritsch
2001 Axel Merckx Tom Stremersch Scott Sunderland
2000 Alberto Elli Didier Rous Kurt Van De Wouwer
1999 Patrick Jonker Léon van Bon Koos Moerenhout
1998 Udo Bölts Rik Verbrugghe Stéphane Heulot
1997 Dimitri Konyshev Laurent Madouas Davide Casarotto
1996 Franco Ballerini Bo Hamburger Frank Corvers
1995 Andrea Chiurato Maarten den Bakker Fausto Dotti
1994 Peter Farazijn Udo Bölts Jan Nevens
1993 Patrick Evenepoel Raymond Meijs Mario De Clercq
1992 Danny Nelissen Marc Bouillon Sammie Moreels
1991 Frank Van Den Abeele Johan Bruyneel Sammie Moreels
1990 Luc Leblanc Michel Dernies Johan Bruyneel
1989 Thomas Wegmüller Robert Millar Jos van Aert
1988 Claude Criquielion Laurent Fignon* Charly Mottet
1987 Pascal Poisson Jan Nevens Kein 3. Platz
1986 Steven Rooks Michel Dernies Patrick Versluys
1985 Marc Madiot Joop Zoetemelk Claude Criquielion
1984 Frank Hoste Claude Criquielion Paul Sherwen
1983 Stephen Roche Eric Vanderaerden Phil Anderson
1982 Hennie Kuiper Gerard Veldscholten Jos Jacobs
1981 Walter Dalgal Charly Jochums Patrick Versluys
1980 Willy De Geest Jacques Martin Claude Criquielion
1979 Leo van Vliet Jean-René Bernaudeau Fedor den Hertog
1978 Willem Peeters Albert Van Vlierberghe Jacques Martin
1977 Walter Planckaert Marc Demeyer Willem Peeters
1976 Herman Van Springel Freddy Maertens Frans Verbeeck
1975 André Dierickx Eddy Merckx Ferdinand Bracke
1974 Frans Verbeeck Freddy Maertens Roger De Vlaeminck
1973 Albert Van Vlierberghe Gérard Besnard Walter Godefroot
1972 Emile Cambré Jos van der Vleuten Georges Barras
1971 Felice Gimondi Walter Godefroot Georges Pintens
1970 Ferdinand Bracke Eddy Beugels Georges Pintens
1969 Nicht ausgetragen
1968 Nicht ausgetragen
1967 Nicht ausgetragen
1966 Nicht ausgetragen
1965 Nicht ausgetragen
1964 Nicht ausgetragen
1963 Nicht ausgetragen
1962 Nicht ausgetragen
1961 Nicht ausgetragen
1960 Nicht ausgetragen
1959 Nicht ausgetragen
1958 Nicht ausgetragen
1957 Nicht ausgetragen
1956 Nicht ausgetragen
1955 Nicht ausgetragen
1954 Nicht ausgetragen
1953 Nicht ausgetragen
1952 Nicht ausgetragen
1951 Nicht ausgetragen
1950 Joseph Veraert Nello Sforacchi Eduard Van Ende
1949 Jacques Geus René Walschot Jan Van Steen
1948 Nicht ausgetragen
1947 Nicht ausgetragen
1946 Nicht ausgetragen
1945 Nicht ausgetragen
1944 Joseph Somers Eugeen Jacobs Lode Poels
1943 Edward Van Dijck Richard Depoorter Albert Ritserveldt
1942 Maurice Van Herzele Emiel Faignaert Joseph Moerenhout
1941 Nicht ausgetragen
1940 Nicht ausgetragen
1939 Adolf Braeckeveldt Adelin Van Simaeys Georges Christiaens
1938 Adolf Braeckeveldt Frans Demondt Leopold Van den Bossche
1937 Karel Tersago René Pedroli Pierre Houbrechts
1936 Adolf Braeckeveldt Antonio Fabris Constant Struyven
1935 Gustaaf Degreef Joseph Vanderhaegen Gerard Leopold
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