Am 16. September steht für das Peloton der
GP de Wallonie auf dem Programm. Das belgische Eintagesrennen endet traditionell auf dem Kopfsteinpflaster hinauf zur Zitadelle von Namur und sorgt Jahr für Jahr für ein spektakuläres Finale – diesmal erneut unmittelbar vor der Weltmeisterschaft. Wir blicken voraus und nehmen Strecke, Profil und Favoriten unter die Lupe.
Die
Geschichte des Rennens reicht bis ins Jahr 1935 zurück, als Gustaaf de Greef die Premiere gewann. Nur wenige Jahre später sorgte der Zweite Weltkrieg für eine zweijährige Unterbrechung. Nach einer zunächst wechselhaften Geschichte verschwand der GP de Wallonie zwischen 1951 und 1970 sogar vollständig aus dem Kalender, ehe das Rennen nach seiner Rückkehr auf heiligem belgischen Radsportboden schnell wieder an Renommee gewann.
Große Namen und eine legendäre Ankunft in Namur
Dabei kämpften nicht nur die größten belgischen Fahrer um den Sieg. Eddy Merckx stand beispielsweise selbst am Start, konnte den GP de Wallonie jedoch nie gewinnen. Auch zahlreiche internationale Größen prägten die Siegerliste, darunter Stephen Roche, Marc Madiot und Luc Leblanc. Besonders bemerkenswert: Mit Axel Merckx und Patrick Evenepoel finden sich zwei Sieger im Palmares, deren berühmten nahen Verwandten dieser Triumph bis heute verwehrt geblieben ist.
Das inzwischen traditionelle, giftige Finale in Namur ist wie geschaffen für Puncheure und bietet in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend auch sprintstarken Kletterern beste Chancen. Philippe Gilbert, Greg Van Avermaet und Tim Wellens gehören zu den prominenten Siegern. Gerade die besondere Charakteristik des gepflasterten Schlußanstiegs sorgt dafür, dass sowohl späte Attacken als auch ein Sprint einer kleinen Gruppe zum Erfolg führen können – entsprechend vielseitig präsentiert sich die Siegerliste.
Eines der prägendsten modernen Finals lieferte die Ausgabe 2022. Mathieu van der Poel setzte sich damals vor Biniam Girmay durch, nachdem der Eritreer ihn zuvor beim Giro d'Italia bezwungen hatte. In den folgenden beiden Jahren triumphierten mit Gonzalo Serrano und Roger Adria zwei Spanier, ehe sich
Arnaud De Lie 2025 den Sieg auf der Zitadelle von Namur sicherte.
Mathieu van der Poel triumphierte 2022 beim GP de Wallonie und bezwang Biniam Girmay im legendären Finale hinauf zur Zitadelle von Namur.
Vorschau GP de Wallonie 2026
Die Startliste des GP de Wallonie 2026 ist herausragend besetzt – sogar stärker als bei so manchem WorldTour-Rennen. Das Profil kommt vor allem klassischen Puncheuren und Klassiker-Spezialisten entgegen, doch auch einige robuste Sprinter dürfen sich Chancen ausrechnen. Selbst ausgewiesene Schnellfahrer wie Soren Waerenskjold, Max Kanter und Milan Fretin stehen am Start, wenngleich ihre Aussichten auf diesem anspruchsvollen Terrain eher gering erscheinen.
Deutlich besser dürfte das Finale Fahrern wie Biniam Girmay, Mike Teunissen, Danny van Poppel oder natürlich Titelverteidiger Arnaud De Lie liegen. Sie alle verfügen über genügend Kletterstärke, um die Anstiege zu überstehen, und gleichzeitig über einen starken Sprint. Hinter De Lies Form steht allerdings ein Fragezeichen: Der Belgier hatte zuletzt wiederholt mit Krankheiten zu kämpfen und dürfte deshalb kaum in absoluter Bestverfassung antreten.
Besonders beeindruckend ist die Tiefe von
UAE Team Emirates - XRG. Mit Benoit Cosnefroy, Tim Wellens, Florian Vermeersch, Antonio Morgado und Rui Oliveira verfügt die Mannschaft über zahlreiche Möglichkeiten, das Rennen zu gestalten. UAE kann bereits an den längeren Anstiegen für eine harte Selektion sorgen und hat sowohl die Fahrer als auch allen Grund dazu, das Finale für Cosnefroy maximal anspruchsvoll zu machen. Gleichzeitig besitzt das Team mehrere Profis, die selbst mit einer Attacke zum Erfolg kommen können.
Auch Red Bull - BORA - hansgrohe geht mit unterschiedlichen Optionen ins Rennen. Danny van Poppel bietet sich für ein weniger selektives Finale an, Laurence Pithie für einen härteren Sprint. Tim van Dijke kann beide unterstützen, besitzt aber ebenso die Qualitäten, selbst in einen offensiven Vorstoß zu gehen.
Unter den klassischen Puncheuren bringen Romain Gregoire, Jenno Berckmoes und Paul Lapeira sowohl die nötige Explosivität als auch gute Form mit. Gleiches gilt für Riley Sheehan, der nach seiner Nichtnominierung für die Weltmeisterschaft zusätzliche Motivation mitbringen dürfte.
Auch weniger explosive, dafür ausgesprochen widerstandsfähige Klassikerfahrer wie Jonas Abrahamsen oder Dylan Teuns können auf diesem Terrain den Unterschied machen. Entsprechend lang ist die Liste der ernsthaften Anwärter: Tibor del Grosso, Clement Venturini, Matteo Trentin, Fabio Christen, Roger Adria und Natnael Tesfatsion gehören ebenfalls zu den Fahrern, denen bei entsprechendem Rennverlauf ein Platz auf dem Podium zuzutrauen ist.
Prognose GP de Wallonie 2026
***
Romain Grégoire, Benoît Cosnefroy, Laurence Pithie
** Biniam Girmay, Jenno Berckmoes, Riley Sheehan, Tim Wellens, Paul Lapeira
* Tibor del Grosso, Clément Venturini, Matteo Trentin, Jonas Abrahamsen, Mike Teunissen, Tim van Dijke, Danny van Poppel, Fabio Christen, Arnaud De Lie, Florian Vermeersch, Dylan Teuns, Roger Adrià, Natnael Tesfatsion
Unser Tipp: Benoît Cosnefroy
Wie: Sprint einer reduzierten Gruppe.
Streckenprofil GP de Wallonie: Seraing - Citadelle de Namur
Seraing - Citadelle de Namur, 195,5 Kilometer
Mit 195 Kilometern und rund 2.500 Höhenmetern erinnert das Profil des GP de Wallonie deutlich stärker an die Ardennen-Klassiker als an die flandrischen Eintagesrennen, obwohl das Rennen geografisch Elemente beider Radsportwelten vereint. Genau diese Mischung aus längeren Anstiegen, steilen Rampen und Kopfsteinpflaster verleiht dem Klassiker seinen besonderen Charakter.
Besonders markant sind zwei steile Anstiege, die rund 80 beziehungsweise 64 Kilometer vor dem Ziel auf dem Programm stehen. Beide Rampen sind etwa 1,5 Kilometer lang und weisen durchschnittlich rund 10 Prozent Steigung auf. Hier bietet sich den offensiv ausgerichteten Mannschaften bereits die Gelegenheit, das Rennen deutlich zu verschärfen und erste Fahrer aus dem Kampf um den Sieg zu verabschieden.
Der Anlauf auf das Finale fällt zwar etwas weniger anspruchsvoll aus, einfach wird er deshalb aber keineswegs. Elf Kilometer vor dem Ziel wartet mit dem Tienne aux Pierres die letzte größere Schwierigkeit vor Namur. Der Anstieg führt über drei Kilometer mit durchschnittlich 4,9 Prozent und dürfte das Rennen noch einmal beschleunigen, bevor der Kampf um die entscheidenden Positionen beginnt.
Denn gerade die Anfahrt zur Auffahrt auf die Zitadelle von Namur ist traditionell erbarmungslos und verlängert die entscheidende Belastung zusätzlich. Der Schlußanstieg selbst ist 3,1 Kilometer lang, im Schnitt 4,2 Prozent steil und beinahe bis zur Ziellinie gepflastert. Das Profil kommt Fahrern entgegen, die bei kurzen, intensiven Belastungen ihre Stärke ausspielen können. Am Ende dürfte jedoch vor allem die Explosivität darüber entscheiden, wer sich auf der Zitadelle zum Sieger des GP de Wallonie 2026 krönt.
Siegerliste GP de Wallonie
| Jahr | 1. | 2. | 3. |
| 2025 | Arnaud De Lie | Émilien Jeannière | Biniam Girmay |
| 2024 | Roger Adrià | Alex Aranburu | Clément Champoussin |
| 2023 | Gonzalo Serrano | Dylan Teuns | Jasper De Buyst |
| 2022 | Mathieu van der Poel | Biniam Girmay | Gonzalo Serrano |
| 2021 | Christophe Laporte | Warren Barguil | Tosh Van der Sande |
| 2020 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 2019 | Krists Neilands | Jasper Stuyven | Jasper De Buyst |
| 2018 | Jasper Stuyven | Dimitri Claeys | Warren Barguil |
| 2017 | Tim Wellens | Tony Gallopin | Julien Simon |
| 2016 | Tony Gallopin | Petr Vakoč | Jérôme Baugnies |
| 2015 | Jens Debusschere | Jan Bakelants | Christophe Laporte |
| 2014 | Greg Van Avermaet | Tony Gallopin | Jan Bakelants |
| 2013 | Jan Bakelants | Thomas Voeckler | Mathias Frank |
| 2012 | Julien Simon | Greg Van Avermaet | Björn Leukemans |
| 2011 | Philippe Gilbert | Julien Simon | Björn Leukemans |
| 2010 | Paul Martens | Riccardo Riccò | Cadel Evans |
| 2009 | Nick Nuyens | Allan Davis | Roy Sentjens |
| 2008 | Stefano Garzelli | Giovanni Visconti | Jérôme Pineau |
| 2007 | Bert De Waele | Cédric Vasseur | Thor Hushovd |
| 2006 | Philippe Gilbert | Nick Nuyens | William Bonnet |
| 2005 | Nick Nuyens | Björn Leukemans | Igor Abakoumov |
| 2004 | Nick Nuyens | Philippe Gilbert | Jérôme Pineau |
| 2003 | Dave Bruylandts | Marek Rutkiewicz | Mickaël Pichon |
| 2002 | Dave Bruylandts | Lennie Kristensen | Nicolas Fritsch |
| 2001 | Axel Merckx | Tom Stremersch | Scott Sunderland |
| 2000 | Alberto Elli | Didier Rous | Kurt Van De Wouwer |
| 1999 | Patrick Jonker | Léon van Bon | Koos Moerenhout |
| 1998 | Udo Bölts | Rik Verbrugghe | Stéphane Heulot |
| 1997 | Dimitri Konyshev | Laurent Madouas | Davide Casarotto |
| 1996 | Franco Ballerini | Bo Hamburger | Frank Corvers |
| 1995 | Andrea Chiurato | Maarten den Bakker | Fausto Dotti |
| 1994 | Peter Farazijn | Udo Bölts | Jan Nevens |
| 1993 | Patrick Evenepoel | Raymond Meijs | Mario De Clercq |
| 1992 | Danny Nelissen | Marc Bouillon | Sammie Moreels |
| 1991 | Frank Van Den Abeele | Johan Bruyneel | Sammie Moreels |
| 1990 | Luc Leblanc | Michel Dernies | Johan Bruyneel |
| 1989 | Thomas Wegmüller | Robert Millar | Jos van Aert |
| 1988 | Claude Criquielion | Laurent Fignon* | Charly Mottet |
| 1987 | Pascal Poisson | Jan Nevens | Kein 3. Platz |
| 1986 | Steven Rooks | Michel Dernies | Patrick Versluys |
| 1985 | Marc Madiot | Joop Zoetemelk | Claude Criquielion |
| 1984 | Frank Hoste | Claude Criquielion | Paul Sherwen |
| 1983 | Stephen Roche | Eric Vanderaerden | Phil Anderson |
| 1982 | Hennie Kuiper | Gerard Veldscholten | Jos Jacobs |
| 1981 | Walter Dalgal | Charly Jochums | Patrick Versluys |
| 1980 | Willy De Geest | Jacques Martin | Claude Criquielion |
| 1979 | Leo van Vliet | Jean-René Bernaudeau | Fedor den Hertog |
| 1978 | Willem Peeters | Albert Van Vlierberghe | Jacques Martin |
| 1977 | Walter Planckaert | Marc Demeyer | Willem Peeters |
| 1976 | Herman Van Springel | Freddy Maertens | Frans Verbeeck |
| 1975 | André Dierickx | Eddy Merckx | Ferdinand Bracke |
| 1974 | Frans Verbeeck | Freddy Maertens | Roger De Vlaeminck |
| 1973 | Albert Van Vlierberghe | Gérard Besnard | Walter Godefroot |
| 1972 | Emile Cambré | Jos van der Vleuten | Georges Barras |
| 1971 | Felice Gimondi | Walter Godefroot | Georges Pintens |
| 1970 | Ferdinand Bracke | Eddy Beugels | Georges Pintens |
| 1969 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1968 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1967 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1966 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1965 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1964 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1963 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1962 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1961 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1960 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1959 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1958 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1957 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1956 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1955 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1954 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1953 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1952 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1951 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1950 | Joseph Veraert | Nello Sforacchi | Eduard Van Ende |
| 1949 | Jacques Geus | René Walschot | Jan Van Steen |
| 1948 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1947 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1946 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1945 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1944 | Joseph Somers | Eugeen Jacobs | Lode Poels |
| 1943 | Edward Van Dijck | Richard Depoorter | Albert Ritserveldt |
| 1942 | Maurice Van Herzele | Emiel Faignaert | Joseph Moerenhout |
| 1941 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1940 | Nicht ausgetragen | — | — |
| 1939 | Adolf Braeckeveldt | Adelin Van Simaeys | Georges Christiaens |
| 1938 | Adolf Braeckeveldt | Frans Demondt | Leopold Van den Bossche |
| 1937 | Karel Tersago | René Pedroli | Pierre Houbrechts |
| 1936 | Adolf Braeckeveldt | Antonio Fabris | Constant Struyven |
| 1935 | Gustaaf Degreef | Joseph Vanderhaegen | Gerard Leopold |