Weltmeisterschaft Montreal 2026: Vorschau, Strecke, Favoriten und Prognosen zum Männer-Elite-Straßenrennen

Radsport
durch Nic Gayer
Mittwoch, 16 September 2026 um 16:56
The contenders for the World Championships
Am 27. September findet die Weltmeisterschaft in Montreal mit dem Straßenrennen der Männer-Elite ihren großen Abschluss. In Abwesenheit von Tadej Pogacar präsentiert sich der Kampf um das Regenbogentrikot so offen wie lange nicht: Remco Evenepoel, Mathieu van der Poel, Wout Van Aert, Tom Pidcock, Isaac del Toro und Paul Seixas gehören zu den großen Namen, die auf dem anspruchsvollen Kurs nach dem WM-Titel greifen. Wir werfen einen Blick auf die Ausgangslage und analysieren das Profil.
Erstmals ausgetragen wurde das WM-Straßenrennen 1927, als die italienische Legende Alfredo Binda das erste Regenbogentrikot der Geschichte gewann – und damit den ersten seiner insgesamt drei Titel holte. Rik van Steenbergen, Fausto Coppi, Rik van Looy, Tom Simpson, Eddy Merckx, Freddy Maertens und Francesco Moser: Die historische Siegerliste der Weltmeisterschaft liest sich wie ein Streifzug durch die Geschichte des Radsports.

Von Binda und Merckx bis Van der Poel und Pogacar

Der Rekord liegt bis heute bei drei WM-Titeln und wird von fünf Fahrern geteilt: Alfredo Binda, Rik van Steenbergen, Eddy Merckx, Oscar Freire und Peter Sagan. In den 1980er-Jahren trugen sich mit Bernard Hinault, Greg LeMond und Stephen Roche weitere Legenden in die Siegerliste ein.
In den 1990er-Jahren prägten unter anderem Lance Armstrong und Johan Museeuw eine neue Generation. Im 21. Jahrhundert gelang es auch mehreren der besten Sprinter ihrer Zeit, das Regenbogentrikot zu erobern. Mario Cipollini, Thor Hushovd und Mark Cavendish wurden jeweils Straßen-Weltmeister.
Auch die Liste erfolgreicher Klassikerspezialisten ist mit großen Namen gespickt. Tom Boonen, Paolo Bettini, Philippe Gilbert, Mads Pedersen, Julian Alaphilippe und Mathieu van der Poel gehören zu den Fahrern, die sich zum Weltmeister krönten.
Doch auch einige der stärksten Kletterer ihrer Generation stehen in der Siegerliste. Cadel Evans und Alejandro Valverde holten das Regenbogentrikot, zuletzt dominierte Tadej Pogacar mit seinen Titeln bei der Weltmeisterschaft 2024 und 2025.
Tadej Pogacar gewinnt die Weltmeisterschaft 2025.
Tadej Pogacar gewann die Weltmeisterschaft 2024 und 2025, wird sein Regenbogentrikot in Montreal jedoch nicht verteidigen – seine Abwesenheit öffnet den Kampf um den WM-Titel.

Vorschau Straßenrennen Männer-Elite 2026

Pogacars Abwesenheit verändert die Ausgangslage für die Weltmeisterschaft 2026 grundlegend. Ohne den Titelverteidiger öffnet sich das Rennen für eine ganze Reihe von Fahrern, die realistische Chancen besitzen, in Montreal um Sieg und Regenbogentrikot zu kämpfen.
Einige der großen Namen entschieden sich nach einem Höhentrainingslager für die beiden kanadischen Klassiker als unmittelbare WM-Vorbereitung. Dazu zählen Remco Evenepoel, Isaac del Toro und Paul Seixas, die ihre Form damit bereits auf kanadischen Straßen testen konnten.
Andere reisen mit einer kompletten Grand Tour in den Beinen an. Enric Mas, Felix Gall, Primoz Roglic, Oscar Onley und Richard Carapaz kommen allesamt aus der Vuelta a Espana und bringen damit drei intensive Rennwochen als Vorbereitung mit.
Auch Wout Van Aert war bei der Vuelta im Einsatz und gehört auf einem solchen Profil zu den interessanten Außenseitern. Mit Quinn Simmons und Ben Healy stehen darüber hinaus zwei Klassikerspezialisten am Start, die zuletzt bei den kanadischen Rennen bereits vorne mitmischten.
Tom Pidcock und Mathieu van der Poel wiederum haben einen völlig anderen Weg nach Montreal gewählt. Beide bestritten die Mountainbike-Weltmeisterschaft, allerdings mit unterschiedlichen Programmen im Anschluss. Van der Poel startet in dieser Woche noch bei der Tour de Luxembourg und nutzt die Rundfahrt als letzten Formtest in Europa. Auch er dürfte bei der Weltmeisterschaft mit realistischen Ambitionen auf das Regenbogentrikot antreten.
Eine ausführliche Vorschau mit allen Hauptfavoriten folgt...

Streckenprofil: Brossard–Montréal

Profil des Straßenrennens Männer Elite 2026 bei den Weltmeisterschaften
Brossard – Montréal, 273 Kilometer
Das Straßenrennen führt über 273 Kilometer und beginnt in Brossard. Zunächst stehen rund 100 weitgehend flache Kilometer auf dem Programm, ehe das Peloton den bekannten Rundkurs in Montreal erreicht und der entscheidende Teil des Rennens beginnt.
Insgesamt werden zwölf Runden auf dem Kurs absolviert. Beim kanadischen Eintagesrennen sind es dagegen 16. Der entscheidende Unterschied: Bei der Weltmeisterschaft haben die Fahrer bereits rund 100 Rennkilometer absolviert, wenn sie zum ersten Mal auf die Runde einbiegen. Gerade im Finale dürfte diese zusätzliche Distanz eine entscheidende Rolle spielen und die Widerstandsfähigkeit der Fahrer auf eine enorme Probe stellen.
Das prägende Element des Rundkurses ist die Voie Camillien-Houde am Mont Royal. Der Anstieg ist 1,6 Kilometer lang und weist eine durchschnittliche Steigung von 7,7 Prozent auf. Seine Kuppe liegt rund elf Kilometer vor dem Ziel. Hier bietet sich insbesondere den stärkeren Kletterern eine der besten Möglichkeiten, entscheidende Unterschiede herauszufahren.
Danach bleibt das Profil alles andere als einfach. Auf dem Weg zum Ziel warten zunächst zwei kleinere Erhebungen, ehe die Cote de Polytechnique folgt. Der 800 Meter lange Abschnitt steigt durchschnittlich mit vier Prozent an, beinhaltet jedoch Rampen von bis zu zehn Prozent und wird rund sechs Kilometer vor dem Ziel überquert.
Mit noch drei Kilometern zu fahren wartet anschließend die Cote Pagnuelo. Auf 500 Metern geht es dort mit durchschnittlich 7,5 Prozent bergauf – eine weitere Gelegenheit für eine späte Attacke oder eine entscheidende Selektion innerhalb einer bereits stark dezimierten Spitzengruppe.
Selbst die letzten Meter bieten keine klassische Sprintankunft. Die Zielgerade steigt über rund 500 Meter mit durchschnittlich fünf Prozent an. Sollte eine Gruppe gemeinsam um das Regenbogentrikot kämpfen, wird deshalb kein gewöhnlicher Sprint entscheiden: Nach 273 Kilometern, zwölf Runden und unzähligen Höhenmetern sind Explosivität, Kletterstärke und die letzten verbliebenen Kraftreserven gleichermaßen gefragt.

Siegerliste Straßenrennen Männer-Elite

Jahr 1. 2. 3.
2025 Tadej Pogačar Remco Evenepoel Ben Healy
2024 Tadej Pogačar Ben O'Connor Mathieu van der Poel
2023 Mathieu van der Poel Wout van Aert Tadej Pogačar
2022 Remco Evenepoel Christophe Laporte Michael Matthews
2021 Julian Alaphilippe Dylan van Baarle Michael Valgren
2020 Julian Alaphilippe Wout van Aert Marc Hirschi
2019 Mads Pedersen Matteo Trentin Stefan Küng
2018 Alejandro Valverde Romain Bardet Michael Woods
2017 Peter Sagan Alexander Kristoff Michael Matthews
2016 Peter Sagan Mark Cavendish Tom Boonen
2015 Peter Sagan Michael Matthews Ramūnas Navardauskas
2014 Michał Kwiatkowski Simon Gerrans Alejandro Valverde
2013 Rui Costa Joaquim Rodríguez Alejandro Valverde
2012 Philippe Gilbert Edvald Boasson Hagen Alejandro Valverde
2011 Mark Cavendish Matthew Goss André Greipel
2010 Thor Hushovd Matti Breschel Allan Davis
2009 Cadel Evans Alexandr Kolobnev Joaquim Rodríguez
2008 Alessandro Ballan Damiano Cunego Matti Breschel
2007 Paolo Bettini Alexandr Kolobnev Stefan Schumacher
2006 Paolo Bettini Erik Zabel Alejandro Valverde
2005 Tom Boonen Alejandro Valverde Anthony Geslin
2004 Óscar Freire Erik Zabel Luca Paolini
2003 Igor Astarloa Alejandro Valverde Peter Van Petegem
2002 Mario Cipollini Robbie McEwen Erik Zabel
2001 Óscar Freire Paolo Bettini Andrej Hauptman
2000 Romāns Vainšteins Zbigniew Spruch Óscar Freire
1999 Óscar Freire Markus Zberg Jean-Cyril Robin
1998 Oscar Camenzind Peter Van Petegem Michele Bartoli
1997 Laurent Brochard Bo Hamburger Léon van Bon
1996 Johan Museeuw Mauro Gianetti Michele Bartoli
1995 Abraham Olano Miguel Induráin Marco Pantani
1994 Luc Leblanc Claudio Chiappucci Richard Virenque
1993 Lance Armstrong Miguel Induráin Olaf Ludwig
1992 Gianni Bugno Laurent Jalabert Dmitri Konyshev
1991 Gianni Bugno Steven Rooks Miguel Induráin
1990 Rudy Dhaenens Dirk De Wolf Gianni Bugno
1989 Greg LeMond Dmitri Konyshev Sean Kelly
1988 Maurizio Fondriest Martial Gayant Juan Fernández
1987 Stephen Roche Moreno Argentin Juan Fernández
1986 Moreno Argentin Charly Mottet Giuseppe Saronni
1985 Joop Zoetemelk Greg LeMond Moreno Argentin
1984 Claude Criquielion Claudio Corti Steve Bauer
1983 Greg LeMond Adrie van der Poel Stephen Roche
1982 Giuseppe Saronni Greg LeMond Sean Kelly
1981 Freddy Maertens Giuseppe Saronni Bernard Hinault
1980 Bernard Hinault Gianbattista Baronchelli Juan Fernández
1979 Jan Raas Dietrich Thurau Jean-René Bernaudeau
1978 Gerrie Knetemann Francesco Moser Jørgen Marcussen
1977 Francesco Moser Dietrich Thurau Franco Bitossi
1976 Freddy Maertens Francesco Moser Tino Conti
1975 Hennie Kuiper Roger De Vlaeminck Jean-Pierre Danguillaume
1974 Eddy Merckx Raymond Poulidor Mariano Martínez
1973 Felice Gimondi Freddy Maertens Luis Ocaña
1972 Marino Basso Franco Bitossi Cyrille Guimard
1971 Eddy Merckx Felice Gimondi Cyrille Guimard
1970 Jean-Pierre Monseré Leif Mortensen Felice Gimondi
1969 Harm Ottenbros Julien Stevens Michele Dancelli
1968 Vittorio Adorni Herman van Springel Michele Dancelli
1967 Eddy Merckx Jan Janssen Ramón Sáez
1966 Rudi Altig Jacques Anquetil Raymond Poulidor
1965 Tom Simpson Rudi Altig Roger Swerts
1964 Jan Janssen Vittorio Adorni Raymond Poulidor
1963 Benoni Beheyt Rik van Looy Jo de Haan
1962 Jean Stablinski Seamus Elliott Jos Hoevenaers
1961 Rik van Looy Nino Defilippis Raymond Poulidor
1960 Rik van Looy André Darrigade Pino Cerami
1959 André Darrigade Michele Gismondi Noël Foré
1958 Ercole Baldini Louison Bobet André Darrigade
1957 Rik van Steenbergen Louison Bobet André Darrigade
1956 Rik van Steenbergen Rik van Looy Gerrit Schulte
1955 Stan Ockers Jean-Pierre Schmitz Germain Derycke
1954 Louison Bobet Fritz Schär Charly Gaul
1953 Fausto Coppi Germain Derycke Stan Ockers
1952 Heinz Müller Gottfried Weilenmann Ludwig Hörmann
1951 Ferdinand Kübler Fiorenzo Magni Antonio Bevilacqua
1950 Briek Schotte Theo Middelkamp Ferdinand Kübler
1949 Rik van Steenbergen Ferdinand Kübler Fausto Coppi
1948 Briek Schotte Apo Lazaridès Lucien Teisseire
1947 Theo Middelkamp Albert Sercu Sjefke Janssen
1946 Hans Knecht Marcel Kint Rik van Steenbergen
1938 Marcel Kint Paul Egli Leo Amberg
1937 Eloi Meulenberg Emil Kijewski Paul Egli
1936 Antonin Magne Aldo Bini Theo Middelkamp
1935 Jean Aerts Luciano Montero Gustaaf Danneels
1934 Karel Kaers Learco Guerra Gustaaf Danneels
1933 Georges Speicher Antonin Magne Marinus Valentijn
1932 Alfredo Binda Remo Bertoni Nicolas Frantz
1931 Learco Guerra Ferdinand Le Drogo Albert Büchi
1930 Alfredo Binda Learco Guerra Georges Ronsse
1929 Georges Ronsse Nicolas Frantz Alfredo Binda
1928 Georges Ronsse Herbert Nebe Bruno Wolke
1927 Alfredo Binda Costante Girardengo Domenico Piemontesi
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