„Vor dem Start krank durch entzündeten Knöchel“ – Ferrand-Prévot erinnert sich an ihren Roubaix-Sieg und peilt die zweite Tour-de-France in Folge an
Radsport
Nach einer sechsjährigen Pause lieferte Pauline Ferrand-Prevot eines der beeindruckendsten Comebacks im Straßenradsport: Sie gewann Paris-Roubaix Femmes, das Gesamtklassement der Tour de France Femmes sowie zwei Etappen und beendete ihre erste vollständige Straßensaison seit der Rückkehr an der Spitze des Frauenradsports.
Ihr außergewöhnliches Jahr brachte jedoch auch körperliche Herausforderungen mit sich. Einen Teil des Winters verbrachte sie mit der Erholung nach einer Operation, bei der eine seit Strade Bianche bestehende Knöchelinfektion entfernt wurde – ein Handicap, das sie dennoch nicht daran hinderte, herausragende Leistungen zu zeigen.
Nach dem Saisonende in Ruanda und einer wohlverdienten Auszeit bereitet sich Ferrand-Prévot bereits auf das kommende Jahr vor. Zwischen den Trainingseinheiten nahm sie sich Zeit für ein Interview mit Rouleur.
Die Französin sprach offen über ihren Umgang mit Druck und beschrieb ihn als etwas, das sie annimmt, statt zu fürchten. Mit Blick auf ihren Olympiasieg im Mountainbiken sagte sie: „Es war so cool, diesen Druck zu spüren. Ich liebe das. In deiner Blase zu sein, zu wissen, dass alle auf dich warten und du an diesem Tag liefern musst.“
Sie gab zu, dass sie sich nach den Olympischen Spielen fragte, ob sie dieses Gefühl weltweiter Erwartung je wieder erleben würde. Die Schlussetappe der Tour de France Femmes, auf der sie das Gelbe Trikot sicherte, brachte dieses Empfinden jedoch zurück: „Nach den Olympischen Spielen sagte ich mir: ‚Vielleicht erlebst du das nie wieder‘ – dieses Gefühl, dass alle auf deinen Sieg warten. Aber die letzte Etappe der Tour de France war die beste für mich, weil ich dieses Gefühl wieder hatte.“
Neue Saison und neue Ziele
Mit dem Gelben Trikot im Gepäck möchte Ferrand-Prevot ihre Ziele nun auf die Klassiker ausweiten, nachdem sie 2025 „nur“ Paris-Roubaix gewonnen hatte. „Ich möchte zu Saisonbeginn auch Flandern und Lüttich gewinnen versuchen“, verriet sie.
Zudem plant sie, 2026 zwei Formgipfel zu erreichen: im frühen Frühjahr und erneut im Juli. „In diesem Jahr, mit meiner Rückkehr auf die Straße, war ich ziemlich auf und ab. Ich war stark bei der Tour, aber nächstes Jahr möchte ich schon zu Saisonbeginn performen und dann erneut bei der Tour de France. Es ist eine Herausforderung, zwei Saisonhöhepunkte zu haben – und die Idee gefällt mir sehr.“
Radsport gilt als äußerst strenge Disziplin, in der alles akribisch vorbereitet wird. Trotz der Opfer und unzähliger Trainingsstunden, die nötig sind, um Topniveau zu erreichen, liebt Ferrand-Prévot genau diesen Teil ihres Jobs.
„Das ist es, was ich am meisten mag: die Vorbereitung, all die Wochen davor. Du trainierst wie verrückt. Ich liebe diesen Lifestyle – früh ins Bett, um fünf aufstehen, Yoga, Training. Es ist extrem hart, weil du deine Familie kaum siehst und nicht mal ein Getränk oder gutes Essen genießen kannst. Aber wenn du am Ende die Tour gewinnst, sagst du: ‚Okay, das war das bestmögliche Ergebnis‘ – und alles, was du vorher durchgemacht hast, tritt in den Hintergrund.“

Pauline Ferrand-Prévot gewann Paris-Roubaix mit Stil
Passt ihr die Tour-Strecke 2026?
Die Strecke der Tour de France Femmes 2026, die Ende Oktober vorgestellt wurde, umfasst ein Bergzeitfahren und eine Etappe über den Mont Ventoux, bevor das Finale in Nizza steigt – unweit von Ferrand-Prévots Trainingsrevier.
Das Zeitfahren sieht sie als echte Herausforderung, da es nicht zu ihrem Spezialgebiet gehört. „Es ist ein Zeitfahren, aber ein Bergzeitfahren, also gar nicht so schlecht. Ich muss wieder aufs Zeitfahrrad, das ist wirklich eine neue Herausforderung für mich – und genau das liebe ich.“
Die Königsetappe inspiriert sie besonders, das Finalwochenende fühlt sich beinahe persönlich an. „Wir haben den Mont Ventoux, und ich liebe diesen Anstieg. Ich kenne ihn ziemlich gut. Und das Finale in Nizza liegt ganz in meiner Nähe – das sind genau die Straßen, auf denen ich trainiere. Die letzte Etappe wird großartig, darauf freue ich mich jetzt schon sehr.“
Dennoch bleibt Ferrand-Prevot geerdet. „Der Ansatz wird ein anderer sein. Wir müssen auch als Team daran arbeiten. Nur weil ich letztes Jahr gewonnen habe, heißt das nicht, dass ich nächstes Jahr wieder gewinnen muss. Ich mag diesen Druck. Er macht mich nicht schwächer – im Gegenteil, ich kann ihn als Stütze nutzen. Am Ende gebe ich mein Bestes, und dann werden wir sehen.“
Ein Paris-Roubaix-Sieg aus dem Chaos geboren
Ferrand-Prevots dramatischer Sieg bei Paris-Roubaix war ursprünglich gar nicht geplant. Zu Saisonbeginn hatte sie nicht damit gerechnet, dort zu starten. „Ich war schon zwei Monate in der Höhe und mir wurde etwas langweilig, also fragte ich meinen Trainer: ‚Kann ich es bitte fahren?‘ Ich wollte eigentlich für Marianne Vos arbeiten, also sagten wir: ‚Okay, wir machen keine spezielle Vorbereitung auf Roubaix, du gehst mit deiner Form hin und versuchst, Marianne bestmöglich zu unterstützen.‘“
Noch außergewöhnlicher wurde es, weil sie direkt vor dem Rennen von einer Infektion getroffen wurde. „Mein Knöchel entzündete sich vor dem Start, ich war richtig krank. Am Morgen des Rennens riefen mich mein Coach und der Sportliche Leiter an. Ich hatte die ganze Nacht nicht geschlafen und dachte, sie würden sagen: ‚Pauline, du startest heute nicht, du bleibst im Bett.‘ Aber sie kamen in den Bus und sagten: ‚Pauline, wir haben gerade mit dem Arzt gesprochen, es besteht kein Risiko für dich, also kannst du fahren.‘ Ich fragte: ‚Seid ihr sicher? Vielleicht lieber nicht?‘ Aber sie meinten: ‚Du stellst dich an den Start, gibst dein Bestes, und wir werden sehen.‘“
Ferrand-Prevot startete ohne Streckenbesichtigung und ohne Erwartungen. „Ich habe keine Recon gemacht, ich bin einfach blind reingegangen. Aber manchmal, wenn du nichts erwartest, dann kommt es zu dir. Ich wollte nur für Marianne attackieren, damit die anderen arbeiten müssen – und am Ende habe ich Roubaix gewonnen. Es war unglaublich schön, zu gewinnen, aber ich fühlte mich so schlecht und war nach dem Rennen so krank, dass ich es gar nicht richtig genießen konnte. Es waren gemischte Gefühle.“
Ferrand-Prevot und Vos: das dynamische Duo
Die Zusammenarbeit mit Marianne Vos, die in diesem Jahr einen lebenslangen Vertrag mit dem Team unterschrieben hat, wird auch 2026 wieder eine zentrale Rolle spielen. Ihr erstes gemeinsames Rennen 2025, die Trofeo Alfredo Binda – Comune di Cittiglio (gewonnen von Elisa Balsamo im reduzierten Massensprint), verlief alles andere als ideal. „Ich wollte ihr nicht im Weg stehen, und sie wollte mir auch nicht im Weg stehen. Also sind wir beide gefahren, aber ohne klaren Plan.“
Das anschließende Debriefing half, die Probleme zu lösen. „Nach dem Rennen besprechen wir immer alles, und ich sagte einfach: ‚Es war nicht gut, wir müssen besser werden.‘ Du bist Marianne Vos, ich bin Pauline, und wir müssen wir selbst bleiben – das passte wirklich.“
Schließlich einigten sie sich auf eine klare Rollenverteilung: „Marianne geht bei der Tour de France auf Etappenjagd, und ich fokussiere mich aufs Gesamtklassement. So können wir gut zusammenarbeiten und dennoch wir selbst bleiben. Ich finde es wichtig, die Menschen zu respektieren, die wir sind.“
Weiterlesen
Klatscht 0Besucher 0
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
- Ich bon etwas verwirrt, das ganze Jahr hieß es "Ineos hat mit Netcompany nen 100 Millionen Euro Fisch an Land gezogen. Plus das Total Enerfie Geld sollte doch genug vorhanden sein. Oder hat ne absurde Ablöse für Onley alles verbraucht? Dann sollte dwe Verantwortliche evtl gehangen werden ;)Wurm25-10-2026
- Hoffe sie setzen sich durch, ist überfällig und so kann's ja echt nicht weitergehen.Bonos10-10-2026
- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









