Simon Yates-Transfer: Volltreffer oder Fehlgriff? | War der Wechsel des Briten im hohen Alter erfolgreich?
Radsport
Das Team Jayco AlUla hatte Simon Yates vom Beginn seiner Karriere im Jahr 2014 bis ins Jahr 2024 in seinen Reihen. Es war ein Jahrzehnt erfolgreicher Partnerschaft, in dem der aus Burma stammende Fahrer die Vuelta a España, Etappen bei allen großen Rundfahrten und fast drei Dutzend Triumphe, darunter viele World Tour-Siege, gewann. Im Alter von 32 Jahren stellte sich jedoch die Frage, wie er sich in einem neuen Umfeld schlagen würde, als er beim Team Visma | Lease a Bike unterschrieb. Das Urteil lautet...
Ein Volltreffer. Zweifelsohne einer der erfolgreichsten Transfers des Jahres für beide Seiten.
Karriererelevanter Schritt
Simon und sein Zwillingsbruder Adam begannen ihre Karriere beim Team Jayco AlUla (damals noch Orica GreenEdge), dem Team, das vor allem dafür bekannt war, dass sein Bus in ein Zieltor der Tour de France stürzte, Monate bevor sie Profis wurden. Im selben Bus saßen zwei britische Fahrer mit außerordentlichem Klettertalent, die beide in ihren U23-Jahren enorme Leistungen gezeigt hatten und bereits einen guten Ruf auf der höchsten Ebene des Sports genossen. Simon zum Beispiel hatte zwei Etappen bei der Tour de l'Avenir und eine bei der Tour of Britain gewonnen, bei der er ebenfalls Dritter wurde, während er noch für das 100% Me-Team auf Vereinsebene fuhr.
Im Jahr 2016 gelang ihm der Durchbruch als Grand-Tour-Teilnehmer, als er bei der Vuelta a España einen sechsten Platz belegte, während Adam schon Monate zuvor bei der Tour fuhr. 2017 fuhr Yates bei der Tour weiter, wo er Siebter wurde, und gewann im Laufe der Jahre immer wieder Rennen in seinem bevorzugten Terrain. Doch 2018 änderte sich vieles, als er mit Etappensiegen bei Paris-Nizza und der Volta a Catalunya in den Giro d'Italia einstieg und den Großteil des Giro dominierte. Er gewann drei Etappen - alle im Rosa Trikot - und verlor es dann auf der berüchtigten 19. Etappe nach Jafferau, wo er am Colle delle Finestre völlig einbrach, seinen ersten Platz verlor und ihn am Ende der vorletzten Bergetappe durch einen 18. Platz am Ende der letzten Bergetappe ersetzt. Einer der dramatischsten Ausfälle im modernen Radsport, der ihn in gewisser Weise noch liebenswerter und sympathischer machte.
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Obwohl er sich wieder erholte und später im Jahr die Vuelta, zwei Etappen und das KOM-Trikot bei der Tour de France im nächsten Jahr gewann, erreichte er nie die Höhen, die er 2018 zu versprechen schien. Echte Fans des Sports werden sich an das Interview vor dem Giro erinnern, in dem er zu seinen Rivalen sagte: „Ich hätte Angst, ich würde mir in die Hose machen.“
In den nächsten Jahren folgten Siege bei Tireeno-Adriatico, der Tour of the Alps, der Vuelta a Castilla y Leon, der AlUla Tour, Etappensiege beim Giro und einigen anderen Rennen, ein Podiumsplatz beim Giro 2021 - sein bisher bestes Ergebnis dort - und ein vierter Platz bei der Tour de France 2023, wo er sein bestes kletterndes Niveau gezeigt zu haben schien. Doch Ende 2024 wollte Yates eine neue Herausforderung annehmen und sein Niveau verbessern, was mit 32 Jahren eine schwierige Aufgabe sein würde. Seine beste Chance bestand darin, zu einem der absoluten Top-Teams im Peloton zu wechseln, und das Team Visma | Lease a Bike ergriff diese Chance.
Rockiger Start
Yates war nun Teil des niederländischen Teams, ein völlig anderes Umfeld, das ihm jedoch zugute kommen sollte. Zu Beginn des Jahres gab es jedoch ernsthafte Zweifel daran, dass dies tatsächlich der Fall war, denn er begann seine Saison erst bei Tirreno-Adriatico, wo er auf Platz 14 landete, gefolgt von einem 9. Nicht schlecht, aber nichts im Vergleich zu dem, was er zu erreichen imstande war. Im Nachhinein erzählte er, dass er im Februar beim Höhentraining auf Teneriffa von einem Auto angefahren worden war, und dass er vor dem Saisonstart Mitte März auch mit einer Krankheit zu kämpfen hatte.
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Giro-Träume
Sein wahres Niveau erreichte er dann im Mai, aber vielleicht war dieser Mangel an Ergebnissen genau das, was er brauchte. Er begann den Giro als reiner Außenseiter und während sich alle auf die Rivalität zwischen Juan Ayuso und Primoz Roglic (beide gaben das Rennen auf), den Aufstieg von Isaac del Toro und die Spekulationen darüber, wie weit er kommen könnte, und die Kletterfähigkeiten von Richard Carapaz konzentrierten... Yates lauerte dahinter und fuhr ein perfektes Rennen, in dem er die vielen rennentscheidenden Stürze vermied, gesund blieb und auch ein gutes Zeitfahren absolvierte, das ihn in der Nähe der Favoriten hielt. Er war Vierter vor der 14. Etappe nach Nova Gorica, wo die Stürze im Regen ihn auf den zweiten Platz in der Gesamtwertung brachten. Richard Carapaz schien nach der Bergankunft in San Valentino immer noch die größte Bedrohung für Isaac del Toro zu sein, aber Yates blieb bis zur 17. Etappe nach Bormio Zweiter. Auf der 19. Etappe wollten er und Visma in der Valle d'Aosta-Etappe attackieren, konnten sich aber nicht durchsetzen.
Auf der 20. Etappe änderte sich alles: Carapaz und Del Toro stürmten den ersten Kilometer des Finèstre hinauf wie kein anderer und lieferten sich dann einen taktischen Kampf auf dem ultramythischen Berg. Yates, der seinen besten Tag erwischt hatte, machte sich an das Duo heran und schaffte es dann, in der Flut der Angriffe eine Lücke zu reißen. Carapaz, frustriert über Del Toros mangelnde Kooperation, schloss die Lücke nicht und hatte auch nicht die Beine, um Yates wieder einzuholen. Del Toro schloss die Lücke zunächst auch nicht und hörte dann auf, als Carapaz sich weigerte, nach dem Anstieg zu arbeiten, als der Brite die Lücke in der Gesamtwertung bereits geschlossen hatte.
Yates fuhr 59 Minuten lang erstaunliche 6,2 W/Kg(Lanterne Rouge) am Ende einer Grand Tour und fuhr dann mit der Unterstützung eines perfekt platzierten Wout van Aert einen Vorsprung von mehreren Minuten auf die Verfolger heraus, der zu einem riesigen rosa Trikot führte - und das an genau dem Anstieg, der acht Jahre zuvor seine Träume beendet hatte. Das war Poesie in Bewegung und Gerechtigkeit in ihrer aufregendsten Form.

Yates hat innerhalb von 24 Stunden den Giro gewonnen UND den Papst LEO XIV. getroffen. Nicht schlecht... @Sirotti
Traumtour...?
Die Verpflichtung von Yates war bereits ein absoluter Erfolg sowohl für den Fahrer als auch für das Team, das sich nie hätte vorstellen können, dass es einen solchen Erfolg haben würde. Er selbst gab zu, dass es nicht viel zu feiern gab, da er sich nach einigen Tagen der Ruhe wieder an die Arbeit machte, während das Team seine letzten Vorbereitungen für die Tour de France begann. Yates war Teil des Plans, denn die Mannschaft wollte ihr Bestes geben, um Tadej Pogacar zu besiegen. Eine mögliche Aufgabe? Nur wenige würden das denken, aber Visma war das einzige Team, das es sich leisten konnte, davon zu träumen.
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Yates' Unterstützung für den Dänen trug letztendlich keine Früchte, da sich das Team erneut mit dem zweiten Platz in der Gesamtwertung begnügen musste. Seine Arbeit blieb nicht unbemerkt, auch wenn sie in der zweiten Hälfte des Rennens stattfand, während er in der ersten Hälfte eine freie Rolle bekam, die er auch zu nutzen wusste. Auf der 6. Etappe, auf der Ben Healy zum Etappensieg fuhr, durfte Yates in der Ausreißergruppe mitarbeiten und wurde Fünfter.
Doch auf der 10. Etappe, als das weniger explosive Terrain des Zentralmassivs die Kulisse für einen Tag bildete, an dem Healy wieder vorne lag, aber diesmal auf der Jagd nach dem Gelben Trikot war, konnte Yates die Konkurrenz erst überlisten und dann ausstechen. Nach zwei Siegen im Jahr 2019 konnte der Brite sechs Jahre später erneut eine Etappe bei der Tour de France gewinnen, indem er Thymen Arensman im Gipfelfinale des Puy de Sancy besiegte. Auf individueller Ebene hätte man von Yates 2025 nicht viel mehr verlangen können, während seine Rolle für 2026 ein interessantes Thema sein wird, da Jonas Vingegaard den Giro d'Italia bestreiten wird.

Yates hat beim Giro d'Italia keine Etappe gewonnen, aber bei der Tour de France schon. @Sirotti
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Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Anfang 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de. Er berichtet dort über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf aktuellen Rennberichten, Einordnungen und Hintergrundtexten, mit denen er sportliche Entwicklungen im Peloton verständlich und präzise erklärt. Bei großen Renntagen arbeitet er zudem mit Live-Formaten, um das Geschehen fortlaufend zu dokumentieren und zeitnah einzuordnen.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er sportlich selbst aktiv und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026











