„Seine Physiologie ist für mich kaum vorstellbar“ – warum Tadej Pogacars Dominanz wissenschaftliche Grenzen sprengt, erklärt Tudor-Ernährungsexperte Tim Podlogar (Exeter University)
Radsport
Tadej Pogacars Saison 2025 ließ weite Teile des Pelotons nach Luft schnappen. Sie ließ auch einen der führenden Sportwissenschaftler des Radsports kurz staunen.
„Was mir dieses Jahr am meisten im Gedächtnis geblieben ist, ist die Dominanz von Tadej Pogacar. Ich finde es außergewöhnlich, dass er so unterschiedliche Rennformate gewinnen kann – von Etappenrennen bis zu den anspruchsvollsten Eintagesklassikern. Seine Physiologie erscheint mir völlig unvorstellbar. Es ist unglaublich, wie er so hohe Werte, so einen starken Rhythmus, so lange halten kann und trotzdem nicht völlig ausgepumpt im Ziel ankommt“, sagt Dr. Tim Podlogar, Dozent und Leiter des Centre for Sports Physiology and Exercise Testing an der University of Exeter, im Gespräch mit dem slowenischen Portal Siol. „Es wäre großartig, wenn wir Tadejs Physiologie im Labor untersuchen könnten, etwa mit Muskelbiopsien, und herausfinden, wie seine Muskulatur funktioniert“, fügt er hinzu – im vollen Bewusstsein, dass die Chancen darauf gering sind, solange Pogacar die Rekordbücher neu schreibt.
Podlogar ist kein Theoretiker aus dem Lehnstuhl. Er entwickelte zuvor Verpflegungspläne bei Red Bull - BORA - hansgrohe (inklusive der Giro-Siegstrategie von Jai Hindley) und arbeitet nun hinter den Kulissen beim Tudor Pro Cycling Team, berät die Ernährungsabteilung und gelegentlich die Trainer.
„Im Tudor-Team arbeite ich als Berater der Ernährungswissenschaftler und gelegentlich der Trainer. Das wollte ich schon länger tun, weil ich so mein Wissen direkt den Fahrern zugutekommen lassen und im Sport etwas bewirken kann, während ich den Großteil meiner Zeit weiterhin der Forschung widme“, erklärt er. „Unser Ziel ist es derzeit nicht, die Tour de France oder den Giro zu gewinnen, sondern eine Etappe bei einem bestimmten Rennen zu holen oder aufs Podium zu fahren. Der Anspruch des Teams ist Lernen, von Saison zu Saison Fortschritte zu machen und vielleicht in drei Jahren ein Team mit WorldTour-Lizenz zu sein.“
Weiterlesen
Warum 200 g Kohlenhydrate pro Stunde „ins eigene Bein schießen“ sein können
Wenn ihn Pogacars Physiologie fasziniert, bereitet ihm das jüngste Aufrüsten bei der Verpflegung Sorgen. „Was neue Entwicklungen betrifft: In den letzten ein bis zwei Jahren ist ein Trend zu extrem hoher Kohlenhydrataufnahme aus dem Triathlon in den Radsport übergeschwappt. Vor zehn Jahren nahmen Fahrer etwa 80–100 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde zu sich; bis vor Kurzem zielte man auf rund 100–120 Gramm; heute sprechen manche Fahrer bereits von 150–200 Gramm pro Stunde – das ist selbst für Profis enorm.“
Auf dem Papier klingt es simpel: mehr Kohlenhydrate, mehr Watt, mehr Leistung. In der Praxis sieht Podlogar Teams, die sich von den Grundlagen entfernen und in Probleme laufen. „Im Radsport, insbesondere in mehrtägigen Rundfahrten, ist die Energiebilanz extrem wichtig. Das Problem kann in beide Richtungen gehen – manchmal zu wenige Kohlenhydrate, etwa in Bergetappen, und zu anderen Zeiten zu viele, beispielsweise in Sprintetappen. Das richtige Verhältnis und die Verteilung zu finden, ist eine ständige Herausforderung und ein nie endendes Diskussionsthema.“
Er liefert ein sehr konkretes Beispiel: Wenn Sprinter an einem relativ leichten Flachtag 120 g pro Stunde aufnehmen, „stellt man am Tagesende fest, dass die Energiezufuhr zu hoch war – was theoretisch bedeuten würde, dass der Fahrer ‚das Abendessen auslassen‘ müsste, was am Tag vor einer harten Bergetappe ein Schuss ins eigene Bein wäre.“
Für die besten Kletterer des Sports sieht er einen klaren Sweet Spot. „Für Fahrer wie Tadej Pogacar und Primoz Roglic, die zwischen 60 und 70 Kilo wiegen, ist eine Aufnahme von etwa 100–130 Gramm pro Stunde in den härtesten Etappen am sinnvollsten – definitiv nicht 180 oder gar 200.“
Vingegaard vs. Van Aert: warum zwei Teller völlig unterschiedlich aussehen können
Wenn Pogacar und Roglic die naheliegenden Aushängeschilder für High-Performance-Verpflegung sind, betont Podlogar ebenso, wie unterschiedlich Fahrer innerhalb eines Teams tatsächlich sind. „Ja, die Aufnahmen unterscheiden sich stark zwischen den Fahrern, deshalb liegt der Fokus zuletzt stärker auf individualisierter Ernährung. Ich forsche derzeit daran, wie sich die optimale Kohlenhydrataufnahme für jeden einzelnen Fahrer im Rennen bestimmen lässt – also die Menge, die sein Körper tatsächlich absorbieren und im Wettkampf effektiv nutzen kann.“
Deshalb sieht er es entspannt, wenn Jonas Vingegaard und Wout van Aert – zwei Fahrer im selben Rennen – völlig unterschiedliche Abendessen serviert bekommen. Körpermasse, Rolle im Rennen, das Profil des Folgetags und die individuelle Magen-Darm-Toleranz zählen für Podlogar mehr als das blinde Kopieren einer Schlagzahl wie „150–200 g pro Stunde“.
„Der Schlüssel ist, das große Ganze zu verstehen – man muss immer wissen, was am nächsten Tag kommt, und darf nicht nur auf die aktuelle Etappe schauen. Die Energiebilanz im Radsport ist sehr fein austariert. Auch wenn es so wirkt, als könnten Fahrer alles essen, was sie sehen, stimmt das in der Realität nicht – ihre Nahrungsaufnahme ist ebenfalls begrenzt, daher ist die Verteilung der Energie über die Tage entscheidend für den Erfolg.“
Hitzeadaptation fügt sich in dasselbe Bild. Für Pogacar war sie aus Podlogars Sicht leise, aber entscheidend. „In der Hitze ist der Kohlenhydratbedarf höher, weil bestimmte Enzyme schneller arbeiten und die relative Belastung höher ist. Selbst wenn die Absorption ähnlich wie unter Normalbedingungen erscheint, ist die Effektivität der aufgenommenen Kohlenhydrate in der Hitze etwas geringer – darüber klagte Tadej Pogacar bei der Tour 2023. Die beste Vorbereitung auf Hitze ist die Hitzeakklimatisation, die die meisten negativen Effekte abmildert."
„Soweit ich richtig informiert bin, ist das auch eines der Dinge, auf die Tadej zuletzt gezielt gesetzt hat – er begann systematisch an der Hitzeadaptation zu arbeiten, was ihm erlaubte, seine Dominanz zurückzugewinnen.“
Ketone, REDs und warum die UCI am falschen Ort hinschaut
Abseits von Reiskuchen und Gels steht Podlogar der Art und Weise, wie die UCI gegen Ketone vorgegangen ist, skeptisch gegenüber. „Ehrlich gesagt finde ich das etwas seltsam. Es stimmt, dass Ketone keine nachgewiesene Wirkung haben, aber zugleich sind sie kein Doping. Daher verstehe ich nicht, warum man sie verbieten oder davon abraten sollte. Es gibt viele andere Dinge, die viel eher Aufmerksamkeit verdienen und bei denen es sinnvoller wäre, sie zu hinterfragen.“
Statt auf aufmerksamkeitsstarke Supplements blickt er auf die Arbeitslast, die sich im Kleingedruckten der Rennkalender verbirgt. „Manche Fahrer summieren wirklich eine enorme Zahl an Renntagen, was zu Übertraining, gesundheitlichen Problemen oder sogar REDs führen kann – einem Syndrom, bei dem der Körper aufgrund eines Energiedefizits schlechter funktioniert, von der Hormonbalance bis zum Immunsystem. Das sind Aspekte, die im Profiradsport mehr Beachtung verdienen, weil sie langfristig sowohl die Gesundheit als auch die Leistung beeinflussen.“
Das steht im klaren Kontrast zu Ketonen, Kirschsaft und Natriumhydrogencarbonat – Produkten, die Diskussionen dominieren, obwohl die Evidenz dünn oder kontextabhängig ist. Podlogar betont, dass der Sport die einfachen, unspektakulären Grundlagen nicht hinter sich gelassen hat. „Am wichtigsten ist, dass die Grundlagen der Ernährung stimmen. Das heißt, vor Rennen und wichtigen Trainingseinheiten die Glykogenspeicher gefüllt zu haben – erst dann ergibt es Sinn, über Supplements nachzudenken.“
Und was sein eigenes Fahren angeht? „Ich persönlich nutze im Training außer Kohlenhydraten keine Supplements, weil ich einfach nicht glaube, dass andere Präparate genügend Nutzen bringen würden, um sie zu rechtfertigen.“
Von Pogacars „völlig unvorstellbarer“ Physiologie über Trends mit 200 g Kohlenhydraten pro Stunde bis zu UCI-Vermerken zu Ketonen ist Podlogars Botschaft über Siol überraschend simpel: die Grundlagen respektieren, die Details individualisieren – und die neueste Mode nicht mit dem eigentlichen Motor der Leistung verwechseln.
Weiterlesen

Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.
Klatscht 0Besucher 0
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
- Ich bon etwas verwirrt, das ganze Jahr hieß es "Ineos hat mit Netcompany nen 100 Millionen Euro Fisch an Land gezogen. Plus das Total Enerfie Geld sollte doch genug vorhanden sein. Oder hat ne absurde Ablöse für Onley alles verbraucht? Dann sollte dwe Verantwortliche evtl gehangen werden ;)Wurm25-10-2026
- Hoffe sie setzen sich durch, ist überfällig und so kann's ja echt nicht weitergehen.Bonos10-10-2026
- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026










