Die zentrale Frage der Vuelta a España 2026 lautet nicht, wer gewinnt – sondern wer hinter Tadej Pogačar das Podium komplettiert. Für die zwei freien Plätze gibt es bis zu zehn ernsthafte Anwärter. Und laut Anders Lund steht
Felix Gall an der Spitze der Verfolgergruppe.
„In dieser Hierarchie, wenn wir Pogačar herausnehmen, ist Gall in meinen Augen klar die Nummer zwei“, sagt der
Eurosport-Radexperte.
Lund verweist zudem auf einen Punkt, der für Gall spricht: Er hatte seit dem Giro d’Italia im Mai deutlich länger Pause als einige Rivalen, die noch vor drei Wochen die Tour de France bestritten haben.
„Skjelmose, Carapaz und Tobias Halland Johannessen kommen alle direkt von der Tour. Das ist keine optimale Vorbereitung für die Vuelta-Gesamtwertung. Daher ist Gall im Vorteil“, erklärt Lund. „Ich denke, diese drei kämpfen um das Podium.“
Auch wenn Lund Onley nicht zu den größten Podiumskandidaten zählt, ist unbestritten, dass der Brite nach seinem zweiten Platz bei der Vuelta a Burgos in starker Form zur Spanien-Rundfahrt anreist.
Onley aus der Gefahrenzone halten
Hinzu kommt, dass Onley 2026 wegen Verletzungen seine erste Grand Tour des Jahres bestreitet – ein möglicher Vorteil, so Lund.
„Ich hätte da vielleicht einen kleinen Kniff für
Oscar Onley. Onley war in dieser Saison inkonstant, aber seine Frische und die jüngste Leistung könnten ein Plus sein“, schätzt er ein.
Entscheidend für Netcompany INEOS wird sein, den Kapitän in den voraussichtlich hektischen Auftakttagen aus Problemen herauszuhalten: „Andererseits war er dieses Jahr auch sehr fragil. Aber er kommt mit Frische, Schärfe und Selbstvertrauen nach seiner Burgos-Leistung“, sagt Lund.
Feuertaufe für Skjelmose
Für
Mattias Skjelmose ist es ein Karriereschritt, zwei Grand Tours in einer Saison zu fahren. Mit 25 Jahren hält sein Team ihn für bereit. Und Skjelmose ist nicht bei der Vuelta, „nur um mitzufahren“. Er ist die einzige GC-Karte von Lidl-Trek und peilt mindestens die Top 5 an. Lund hält ein Podium für den Dänen jedoch für absolut möglich.
Mattias Skjelmose at the 2026 Tour de France
„Vieles hängt davon ab, wie er mental und körperlich aus der Tour de France gekommen ist. Ob er bereit ist, wieder zu leiden“, sagt er.
Skjelmose kann sich zudem im 32-Kilometer-Zeitfahren der 18. Etappe einen wichtigen Vorteil erarbeiten. „Wenn er so starke Einzelstarts hinlegt wie bei der Tour [als Dritter hinter Evenepoel und Pogačar, Anm.], dann hat er zumindest das nötige Selbstvertrauen.“
Carapaz ist nicht zu unterschätzen
An
Richard Carapaz’ Motivation für diese Vuelta zweifelt niemand. Der Ecuadorianer zählte in der Schlusswoche der Tour zu den stärksten Fahrern, gewann zwei Etappen, die Bergwertung und wurde Gesamtachter. Und das, obwohl er ohne klares Ziel in die Rundfahrt gestartet war.
Bei der Vuelta ist die Lage anders: Das Team hat im Vorfeld erklärt, dass
die gesamte Auswahl um den früheren Giro-d’Italia-Sieger gebaut ist. Das unterstreicht auch sein zweiter Platz bei der Clásica San Sebastián.
„Carapaz wirkte außerdem wie jemand, der seine Form wirklich gefunden hat. Und besonders in San Sebastián“, sagt Lund.
Schließlich streicht Lund auch Routinier Primož Roglič nicht aus dem Vuelta-Rampenlicht. Der vierfache Sieger hatte einen holprigen Aufbau, reist am Ende des Tages aber als unangefochtener Kapitän von Red Bull an.
„Roglič ist ein kleiner Joker. Er war gut, schien aber etwas unkonzentriert. Er muss noch einen Funken finden“, schließt Lund seine Analyse.