Julian Alaphilippe verabschiedet sich aus dem Profiradsport: „Ich hatte die Ehre, dieses Kapitel meines Lebens auf den Champs-Élysées zu schließen“

Radsport
Freitag, 21 August 2026 um 21:45
Julian Alaphilippe
Die Meldung über den Rücktritt von Julian Alaphilippe, die erstmals von WielerFlits und L'Équipe gestern berichtet wurde, hat der Fahrer am Freitagabend selbst bestätigt. Der 34-Jährige wird in dieser Saison keine Startnummer mehr anheften, die Tour de France 2026 bleibt das letzte Rennen seiner erfolgreichen Karriere.
Frühe Berichte über Alaphilippes sofortigen Rücktritt kamen überraschend, zumal der Franzose bei Tudor Pro Cycling bis 2027 unter Vertrag steht, mit einem Dreijahresvertrag, der vor der Saison 2025 unterschrieben wurde. Für Tudor bedeutet das einerseits, frei gewordene Mittel in andere Assets zu investieren; andererseits verlieren sie einen Schlüsselmann für hügelige Rennen.
Alaphilippe startete die Saison 2026 bei der Volta ao Algarve. Über Strade Bianche und Tirreno-Adriatico führte sein Weg bis nach Milano-Sanremo, wo er konstant unter den Top 25 fuhr. Seit der Itzulia Basque Country gelang ihm jedoch nur noch ein „guter Tag“ auf dem Rad, als er beim GP Gippingen (1.1) Fünfter wurde.

Der Funke war weg

Bei der Tour de France zeigte er sich nur kurz in zwei Fluchtgruppen ohne zählbares Resultat und beendete die Rundfahrt als 125. — ein deutlicher Kontrast zu seinem fünften Platz von 2019. Auf den Champs-Élysées war der Rücktritt noch nicht beschlossen, zugleich wuchs aber die Erkenntnis, dass die Sehnsucht nach einem Comeback fehlte.
„Mit einem ganz besonderen Gefühl schreibe ich diese wenigen Zeilen, um das Ende meiner sportlichen Laufbahn bekannt zu geben. Nach reiflicher Überlegung hatte ich die Ehre, dieses Kapitel meines Lebens auf den Champs-Élysées, über Montmartre in Paris, auf der Schlussetappe der Tour de France zu schließen“, verabschiedete sich Alaphilippe auf Instagram.
„Ich empfinde enorme Dankbarkeit, mit so vielen wunderbaren Menschen gearbeitet zu haben, ihnen begegnet oder ihnen einfach über den Weg gelaufen zu sein. Und ich hatte großes Glück, einige meiner Träume zu verwirklichen und Emotionen zu erleben, die mich für immer begleiten werden.“
„Ich bin stolz, zu so vielen Erfolgen all meiner Teams beigetragen zu haben. Und dass ich sie euch miterleben lassen konnte. Ihr habt mich immer unglaublich unterstützt, selbst in den schwersten Momenten.“
„Bevor ich mich bald mit dem Blick nach vorn zurückmelde, einfach ein großes ‚Danke‘ von ganzem Herzen“, schloss Alaphilippe.

Wie alles begann

Julian Alaphilippe machte zunächst als talentierter Crossfahrer in den Nachwuchsklassen auf sich aufmerksam, doch sein Talent für den Straßenradsport erkannte Patrick Lefevere früh. Über das damalige Development-Team Etixx-iHNed beförderte er Alaphilippe 2014 zu WorldTour Quick-Step.
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Schon in seiner Debütsaison überzeugte Alaphilippe mit immensem Potenzial, als er bei der Itzulia Basque Country oder dem GP Plouay mit den Besten konkurrierte. Zudem holte er seinen ersten Profisieg bei der Tour de l'Ain.
Es folgte ein schneller Aufstieg, und in den nächsten drei Jahren stand Alaphilippe auf dem Podium bei La Flèche Wallonne (zweimal), Lüttich–Bastogne–Lüttich, den Europameisterschaften, Milano–Sanremo und sogar Il Lombardia. Er gewann zudem die Gesamtwertung der Tour of California und eine Vuelta-Etappe.
Doch der ganz große Eintagesklassiker-Sieg ließ den jungen Franzosen zunächst noch warten. Das änderte sich erst 2018.
Alaphilippe krönte seinen Schritt aus der U25-Kategorie mit Siegen bei La Flèche Wallonne, der Clásica San Sebastián und zwei Tour-de-France-Etappen samt gepunktetem Trikot.
Als das bereits eine starke Saison war, setzte Alaphilippe 2019 noch einen drauf: Er dominierte das Frühjahr mit Strade Bianche, Milano–Sanremo und einer erfolgreichen Titelverteidigung bei La Flèche Wallonne. Im Sommer schrieb er beinahe ein Märchen, als er zwei Wochen im Gelben Trikot der Tour de France fuhr und es erst auf der vorletzten Bergetappe verlor.

Abendlicht einer großen Karriere

In den folgenden Jahren blieb Alaphilippe ein Spezialist für Etappensiege und frühe Gelbe Trikots bei der Tour, ohne nochmals eine Gesamtwertungsoffensive zu wagen. Wichtiger noch: Der Franzose gewann back-to-back die WM-Titel in Imola und Leuven.
Die Saison 2021 erwies sich rückblickend als eine Art Wendepunkt in Alaphilippes Karriere. Zwar gewann er in den folgenden vier Jahren noch acht Rennen (insgesamt 45), doch seinen Leistungsgipfel erreichte er nicht mehr. Der GP Québec 2025 ist damit der letzte Sieg in Alaphilippes Palmarès.
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