“Primoz Roglic motiviert mich, die beste Version meiner selbst zu finden” – Remco Evenepoel stellt sich dem Druck der Kapitänsrolle bei Red Bull

Radsport
Freitag, 02 Januar 2026 um 11:00
Remco Evenepoel, Primoz Roglic und Florian Lipowitz bei Red Bull - BORA - hansgrohe
Remco Evenepoel sieht die interne Konkurrenz bei Red Bull - BORA - hansgrohe als Antrieb statt als Gefahr. Er startet in ein neues Kapitel seiner Karriere, umgeben von bewährten Grand-Tour-Siegern und ehrgeizigen Anwärtern.
Im Specialized-Podcast machte Evenepoel klar, dass er ein Team mit viel Erfahrung ausdrücklich begrüßt.
„Ich komme in eine Mannschaft mit Fahrern, die ein enormes Palmarès haben, aber auch mit Jungs mit großer Zukunft“, sagte er. „Zu wissen, dass solche Namen, schauen wir zum Beispiel auf Primoz Roglic, neben mir fahren werden, motiviert mich, die beste Version von mir selbst zu suchen.“
Wichtig ist für Evenepoel, dass dieses Umfeld auf Verantwortung statt auf Ansprüchen basiert. „Ich muss einfach bereit sein, denn es gibt immer einen Teamkollegen, der meinen Platz als Kapitän beanspruchen kann.“

Eine Lektion auf der Straße

Diese Haltung entstand nicht über Nacht. Evenepoel führte sie auf einen konkreten Moment beim letztjährigen Criterium du Dauphiné zurück, eine Rennphase, die ihn weit über das Ziel hinaus beschäftigte.
„Ich erinnere mich an eine Phase auf der Schlussetappe des Dauphiné im Juni“, erklärte er. „Nach viel Klettern kamen wir mit einer Elitegruppe in ein Tal. Ich schaute mich um, und da waren drei oder vier Jungs von Red Bull in unserer Gruppe. Und ich dachte: ‚Mann, ich sitze hier komplett alleine. Und die fahren hier zu viert herum.‘“
Für Evenepoel war dieses Bild herausfordernd, aber auch klärend. Es zeigte den Wert von Tiefe und Unterstützung auf höchstem Niveau und pflanzte einen Samen, der später seine Entscheidungen beeinflusste.
„Das hat mich extrem motiviert, schon mit Blick darauf, was ein paar Monate später passieren würde“, sagte er. „An dem Abend nach der Etappe konnte ich nur an eines denken: ‚Mensch, stell dir vor, ich wäre so umringt. Wenn wir mit fünf Mann in den Schlussanstieg gehen könnten.‘“

Druck als Motivation, nicht als Komfort

Evenepoel vermied es, diese Erkenntnis als Beruhigung zu beschreiben. Für ihn ist sie eine Messlatte. Wer in ein Team mit dieser Unterstützung wechselt, akzeptiert auch den ständigen internen Druck.
Seine Aussagen deuten darauf hin, dass er diesen Druck als produktiv versteht. Er erwartet keine Führungsrolle per se, sondern will sie sich täglich erarbeiten – in einem Kader, in dem Konkurrenz unvermeidlich ist.
Diese Haltung prägt auch seinen Blick auf die Lücke zur Spitze des Sports. Gefragt, was es braucht, um zu Tadej Pogacar aufzuschließen, verwies Evenepoel nicht auf Taktik oder Technik. Er nannte Kontinuität.
„Ein guter Winter in der Vorbereitung“, sagte er. „Das würde schon viel helfen. Jeder Fahrer weiß, wie wichtig diese vier, fünf Monate Training sind. Die Basis legen und die Kilometer abspulen, darum geht es.“

Fokus auf Kontrolle

Evenepoel beendete mit trockenem Humor und Realismus und blickte darauf, wie stark die vergangene Saison durch äußere Faktoren gestört wurde. „Mein Hauptziel ist, nicht von einem Postwagen angefahren zu werden“, fügte er hinzu.
In der Summe ist die Botschaft klar. Evenepoel wechselt nicht zu Red Bull - BORA - hansgrohe, um vor Konkurrenz geschützt zu werden. Er wechselt, um durch sie geschärft zu werden. Für ihn ist das Fahren an der Seite von Namen wie Roglic keine Komplikation. Es ist der Zweck.
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