„Primoz kann auf jeden Fall noch gewinnen“ – Joao Almeida hält Roglic für einen möglichen Vuelta-Sieger

Radsport
durch Nic Gayer
Montag, 07 September 2026 um 11:30
Collage_JoaoAlmeidaPrimozRoglic
Joao Almeida spielt bei der Vuelta a Espana bislang nicht die Rolle, die er sich ursprünglich erhofft hatte. Mit zunehmender Renndauer findet der portugiesische Kletterer jedoch immer besser in Form und nähert sich Schritt für Schritt wieder einem konkurrenzfähigen Niveau. Neben seiner eigenen schwierigen Saison sprach Almeida über den weiterhin offenen Kampf um den Gesamtsieg – und äußerte deutliche Sorgen angesichts der extremen Hitze, der die Fahrer derzeit ausgesetzt sind.
Bereits beim Start der Vuelta war klar, dass Almeida weit von seiner Bestform entfernt sein würde. Nach einem Jahr, das durch ein unbekanntes Virus aus der Bahn geworfen wurde, wartet der Portugiese seit rund einem halben Jahr darauf, wieder sein gewohntes Topniveau zu erreichen. Dennoch war es ihm wichtig, bei der Spanien-Rundfahrt an den Start zu gehen.

„Es wurde alles nur noch schlimmer und schlimmer“

„Ich hatte im März ein Virus und habe mich nie wirklich gut erholt. Ich habe weiter trainiert und darauf bestanden, dass wir meine Form zurückbekommen, was natürlich nicht passieren würde“, sagte Almeida vor der 15. Etappe gegenüber Cyclingnews. „Und dann wurde alles nur noch schlimmer und schlimmer.“
Es folgten schwierige Monate, in denen Almeida zwischen überraschend starker Erschöpfung durch das Training, der Erholung von seiner Viruserkrankung und dem Versuch schwankte, sich über neue Trainingsreize wieder aufzubauen. Auch seine Rückkehr ins Renngeschehen bei der Tour de Pologne brachte nicht den erhofften Fortschritt, sondern entwickelte sich zum nächsten Rückschlag.
„Ich bin in Polen (bei der Tour de Pologne, Anm. d. Red.) gestürzt und dann auch noch krank geworden, sodass ich vier Tage nicht auf dem Rad saß. Das war alles andere als ideal. Aber ich glaube, meine Verfassung verbessert sich hier, innerhalb der Grenzen, die ich habe, denn Wunder passieren nun mal nicht von heute auf morgen. Also machen wir weiter. Wir geben unser Bestes. Mehr kann ich nicht tun.“
Dass die Formkurve tatsächlich wieder nach oben zeigt, konnte Almeida auf der Etappe zur Sierra de la Pandera unter Beweis stellen. Aus der Ausreißergruppe heraus belegte der Portugiese den zehnten Platz und erzielte damit sein bestes Etappenergebnis seit der Volta ao Algarve im Februar.

Almeida traut Roglic den Vuelta-Sieg weiterhin zu

Im Kampf um das Gesamtklassement spielt Almeida selbst keine Rolle mehr. Nach der Aufgabe von Tadej Pogacar fällt für ihn zudem eine mögliche Aufgabe als Helfer weg. An der Spitze der Gesamtwertung liegt Enric Mas derzeit 2:06 Minuten vor Felix Gall, während Primoz Roglic als Dritter einen Rückstand von 2:10 Minuten aufweist.
Primoz Roglic in Aktion.
Primoz Roglic liegt vor der entscheidenden Vuelta-Woche noch in Schlagdistanz zur Spitze – und Joao Almeida ist überzeugt, dass der Slowene den Gesamtsieg weiterhin holen kann.
Entschieden ist die Vuelta für Almeida damit allerdings noch lange nicht. Insbesondere die letzten schweren Etappen und das Zeitfahren könnten seiner Einschätzung nach noch für erhebliche Verschiebungen sorgen. „Die letzten zwei Etappen und das Zeitfahren werden große Abstände bringen. Bisher ist nichts entschieden. Enric sieht richtig stark aus, aber es dreht sich alles ums Zeitfahren“, erklärte Almeida.
Vor allem Roglic besitzt aus Sicht des Portugiesen weiterhin realistische Chancen, die Vuelta in Granada doch noch für sich zu entscheiden. Der Slowene scheint im Verlauf der Rundfahrt immer stärker zu werden. Gleichzeitig hat auch Gall Almeida bislang überzeugt.
„Ich finde, alles ist sehr offen und Primoz kann definitiv noch gewinnen. Seine Form wächst in dieser Vuelta, und ich würde sagen, auch Felix Gall sieht wirklich gut aus. Natürlich wird er im Zeitfahren normalerweise große Probleme haben, oder?“

„Wir kommen an die Grenzen des menschlichen Körpers“

Neben der sportlichen Ausgangslage beschäftigt Almeida jedoch vor allem ein anderes Thema: die extremen Temperaturen, unter denen das Peloton derzeit fahren muss. Am Sonntag zeigten die Radcomputer der Profis Durchschnittstemperaturen von mehr als 40 Grad Celsius an.
Almeida zählt zu den Fahrern, die sich angesichts dieser Bedingungen kritisch äußern. Für ihn geht es dabei nicht nur um unangenehme Rennbedingungen, sondern um die körperlichen Grenzen der Profis. „Ich glaube, die Hitze ist etwas limitierend, weil wir an die Grenzen des menschlichen Körpers kommen, was ein bisschen gefährlich ist“, warnte er.
Zwar gehört die gezielte Hitzeakklimatisation inzwischen zur Vorbereitung der Fahrer, für Almeida besteht allerdings ein entscheidender Unterschied zwischen lockerem Training und einem Rennen unter maximaler Belastung. „Es ist nicht leicht zu erklären, aber Hitzeakklimatisation gehört zu unserer Vorbereitung, und so kann man unter solchen Bedingungen fahren. Locker zu rollen, ist kein Problem, man trinkt viel und kühlt sich. Aber Rennen zu fahren ist etwas anderes und definitiv gefährlich. Wir müssen aufeinander aufpassen.“
Almeida selbst zählt nicht zu den Fahrern, die bei großer Hitze besonders gut zurechtkommen. Sollte er um das Gesamtklassement kämpfen, könnten die extremen Temperaturen für ihn sogar zu einer kaum überwindbaren Hürde werden.
„Ich habe damit immer große Schwierigkeiten. Für mich ist es hart und es beeinträchtigt mich sehr. Ich denke, es geht allen so, aber manche kommen besser damit zurecht. Und es ist eine der Sachen, bei der man sich wirklich keinen Fehler erlauben darf, sonst hat man ein riesiges Problem.“
Wie schnell die Belastung durch Hitze und Flüssigkeitsverlust zum Problem werden kann, hat das Peloton laut Almeida bereits erlebt. Und weil sich die Auswirkungen über mehrere Renntage hinweg summieren können, bleibt das Thema für den Portugiesen besonders ernst. „Ihr habt gesehen, wie es die Jungs gestern erwischt hat, aber es ist auch Tag für Tag … Die Dehydrierung und die Hitze, ja, das ist kein Spaß.“
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