Die Vuelta a Espana ist die letzte Grand Tour der Saison – und traditionell auch eine der letzten großen Bühnen für Fahrer, die mit starken Leistungen ihre Zukunft sichern wollen. Für
Ethan Hayter besitzt die Spanien-Rundfahrt in diesem Jahr genau diese Bedeutung. Gleich am ersten Tag fehlte dem Briten weniger als eine Sekunde, um Tadej Pogacar zu schlagen. Wo Hayter ab der kommenden Saison fahren wird, weiß er allerdings noch immer nicht.
Hayter wurde 2020 bei Netcompany INEOS Profi und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem vielseitigen Allrounder. Ob im Sprint, an Anstiegen oder im Zeitfahren – der Brite überzeugte auf unterschiedlichem Terrain und feierte unter anderem Gesamtsiege bei der Tour de Pologne und der Tour of Norway.
Hayter wartet weiter auf Klarheit über seine Zukunft
Insbesondere als explosiver Finisher und Puncheur machte sich Hayter früh einen Namen. Probleme bei der Positionierung im modernen Peloton erschwerten es ihm im weiteren Verlauf seiner Karriere jedoch zunehmend, konstant entsprechende Ergebnisse einzufahren. In der Folge verlagerte er seinen Schwerpunkt stärker auf das Zeitfahren und konnte seit dieser Umstellung im Jahr 2025 einige Erfolge feiern.
Ethan Hayter fehlen im Auftaktzeitfahren weniger als eine Sekunde zum Sieg gegen Tadej Pogacar. Bei der Vuelta kämpft der Brite nun auch um seine sportliche Zukunft.
Seit zwei Jahren fährt der mittlerweile 27-Jährige für Soudal - Quick-Step. Bei der belgischen Mannschaft erhielt er zumeist die Freiheiten, auf eigene Resultate zu fahren. In der laufenden Saison blieb der britische Meistertitel im Zeitfahren allerdings sein bislang einziger Sieg.
Einen neuen Vertrag mit Soudal - Quick-Step hat Hayter derzeit nicht unterschrieben. Damit befindet er sich erstmals in seiner Profikarriere in einer Situation, in der seine sportliche Zukunft vollkommen offen ist. „Ich weiß es immer noch nicht. Es ist das erste Mal, dass ich in so einer Situation bin. In der Vergangenheit hatte ich immer schon unterschrieben oder wusste, dass es so gut wie sicher klappen würde“, sagte Hayter gegenüber
Cyclingnews.
Weniger als eine Sekunde fehlt Hayter gegen Pogacar
Dabei hätte sich die Situation bei der Vuelta womöglich schon ganz zu Beginn entscheidend verändern können. Die nötige Form für einen frühen Coup brachte Hayter jedenfalls mit. Im Auftaktzeitfahren der 1. Etappe musste er sich Tadej Pogacar um weniger als eine Sekunde geschlagen geben. Für den in Monaco lebenden britischen Meister war es ein bitterer Ausgang, zumal sich ihm bereits am folgenden Tag die Chance bot, nach dem Roten Trikot zu greifen.
Hayter versuchte, sich über die Bonifikationssekunden aus einer Ausreißergruppe heraus an die Spitze der Gesamtwertung zu schieben. Zwar gelang es ihm, die Zeitgutschriften einzusammeln, doch im Ziel verlor er seinerseits Zeit – und damit auch die Möglichkeit, das Rote Trikot zu übernehmen. Seitdem wartet der 27-Jährige bei dieser Vuelta auf das erhoffte große Ergebnis.
Auch die extreme Hitze hat Hayter während der Spanien-Rundfahrt erheblich zugesetzt. Der Londoner kämpft sich unter schwierigen Bedingungen durch die Grand Tour und zweifelte zwischenzeitlich sogar daran, ob er das Rennen fortsetzen könnte. „Vor ein paar Tagen dachte ich wirklich, ich schaffe es nicht bis über das Wochenende“, gab er zu.
„Ein Ergebnis kann Dinge verändern“
Trotz aller Schwierigkeiten gibt Hayter nicht auf. Der Brite fährt weiter und hofft darauf, mit einem Etappensieg nicht nur seine Vuelta, sondern möglicherweise auch die Ausgangslage für seine weitere Karriere entscheidend zu verändern.
Wie viel bei der Suche nach einem neuen Vertrag von einem einzigen Resultat abhängen kann, sieht Hayter selbst durchaus kritisch. Gleichzeitig weiß er, dass genau diese Mechanismen zum professionellen Radsport gehören. „Ein Ergebnis kann Dinge verändern. Das nervt mich manchmal. Was ich am Donnerstag erreiche, ändert eigentlich nichts daran, was ich in den nächsten zwei Jahren als Fahrer leisten kann. Aber so läuft der Sport nun mal.“