Philippe Gilbert sieht Remco Evenepoel bei der WM vor Tadej Pogacar – Montreal soll die Wende bringen

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 31 Juli 2026 um 14:00
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Tadej Pogacar dominierte das Duell mit Remco Evenepoel bei der Tour de France 2026 deutlich. Für Philippe Gilbert bedeutet das jedoch keineswegs, dass der Slowene auch bei den Weltmeisterschaften in Montreal als klarer Favorit ins Rennen geht. Der ehemalige Weltmeister ist vielmehr überzeugt, dass der Kurs in Kanada dem Belgier deutlich besser liegen wird.
Pogacar gewann die Tour de France mit einem Vorsprung von 6:26 Minuten auf Evenepoel und distanzierte seinen größten Rivalen mehrfach in den Hochgebirgsetappen. Damit setzte der Slowene seine Dominanz fort, nachdem er bereits die vergangenen beiden Straßen-Weltmeisterschaften für sich entschieden hatte.

Gilbert sieht Montreal als große Chance für Evenepoel

Trotzdem erwartet Gilbert bei der WM Ende September ein wesentlich ausgeglicheneres Duell.
Tadej Pogacar jubelt emotional.
Tadej Pogacar reist als Titelverteidiger und Tour-de-France-Sieger zur Weltmeisterschaft nach Montreal, wo ihm Remco Evenepoel den dritten WM-Titel in Folge streitig machen will.
„Der Kurs ist leichter als in Kigali, mit 3.600 Höhenmetern. Das liegt Remco perfekt“, sagte der Belgier gegenüber Le Soir.
Auch wenn die offizielle Streckenbeschreibung etwas mehr Höhenmeter ausweist als von Gilbert genannt, gilt der Parcours in Montreal als deutlich weniger anspruchsvoll als jener der Weltmeisterschaften in Ruanda. Statt langer Hochgebirgsanstiege prägen zahlreiche kürzere Anstiege, schnelle Abfahrten und längere Passagen für konstante Belastung das Rennen – Bedingungen, die Evenepoels Stärken deutlich besser entgegenkommen.

Gilbert erwartet das nächste Duell der Superstars

Pogacar gewann die vergangenen beiden Weltmeisterschaften jeweils mit langen Soloattacken. In Zürich 2024 setzte er sich mehr als 100 Kilometer vor dem Ziel entscheidend ab, in Kigali übernahm er ebenfalls früh die Kontrolle über das Rennen. Evenepoel blieb jeweils nur die Verfolgerrolle und musste sich in Ruanda schließlich mit der Silbermedaille zufriedengeben.
Auch in Montreal rechnet Gilbert damit, dass sich das Rennen erneut zwischen den beiden Ausnahmekönnern entscheiden wird.
„Pogacar und Evenepoel sind die großen Favoriten“, sagte Gilbert. „Ich denke, einer von beiden wird Weltmeister. Es hängt davon ab, wer zuerst angreift, und in so einem Rennen ist das normalerweise … Remco.“
Zwar konnte Evenepoel Pogacar über drei Wochen bei der Tour de France nicht gefährlich werden. Dennoch absolvierte der Belgier die mit Abstand stärkste Frankreich-Rundfahrt seiner Karriere und bestätigte genau jene Qualitäten, die aus Gilberts Sicht auf dem WM-Kurs den Unterschied machen könnten.
„Er ist noch stärker geworden“, sagte Gilbert. „Er ist beeindruckend. In den Abfahrten und in der Ebene war er unschlagbar.“
Gerade diese Eigenschaften machten Evenepoel bereits bei vielen seiner größten Eintagessiege aus. Statt auf einen Sprint aus einer kleinen Spitzengruppe zu setzen, entscheidet der Olympiasieger Rennen häufig mit langen Solovorstößen. Das Profil von Montreal könnte ihm genau diese Art von Rennen ermöglichen, ohne die extrem langen Anstiege der Tour de France bewältigen zu müssen.

Wout van Aert als zusätzlicher Trumpf

Ein weiterer Vorteil für Belgien könnte nach Ansicht Gilberts Wout van Aert sein.
„Außerdem wird er Wout van Aert an seiner Seite haben“, erklärte der ehemalige Weltmeister.
Mit Van Aert verfügt Belgien über einen zweiten Fahrer, der auch ein extrem selektives WM-Rennen überstehen kann. Dadurch müssen sich die konkurrierenden Nationen nicht ausschließlich auf Evenepoel konzentrieren.
Zugleich bleibt Van Aert aufgrund seiner Endschnelligkeit eine ernsthafte Siegoption, falls sich Pogacar und Evenepoel nicht entscheidend absetzen können. Belgien besitzt damit mehrere taktische Möglichkeiten und muss nicht früh sämtliche Kräfte für die Verfolgung eines Angriffs des Titelverteidigers einsetzen.
Pogacar reist nach Montreal zwar mit den Erfolgen der vergangenen beiden Weltmeisterschaften und seinem souveränen Tour-de-France-Sieg im Rücken an. Philippe Gilbert ist dennoch überzeugt, dass der kanadische Kurs Remco Evenepoel deutlich bessere Voraussetzungen bietet, um den Spieß umzudrehen und den dritten WM-Triumph in Serie des Slowenen zu verhindern.
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