Ein ehemaliger französischer Radprofi hat den Druck und die Anforderungen der
Tour de France als „traumatisch“ bezeichnet. Anthony Perez bestritt die Grand Tour sechs Mal und sprach damit eine Art Warnung an Teenage-Sensation
Paul Seixas vor dessen Debüt in diesem Sommer aus.
Perez, der im vergangenen Jahr nach zehn Saisons beim Team Cofidis zurücktrat, weiß, wie sich die Atmosphäre, der Pomp und der unablässige Lärm an den Straßen der Tour de France anfühlen. Er räumt ein, dass es nur auf langen Abfahrten Ruhe gibt, wo keine Fans stehen dürfen.
„Die Tour de France ist so traumatisch. Du hörst fünf, sechs Stunden lang Menschen, die dich anbrüllen. Durchatmen kannst du nur ein wenig auf den Abfahrten der Pässe“,
sagte Perez bei La Dépêche.
Perez warnt, man „spürt den Druck“
Ein Wanderzirkus über 21 Etappen: Viele Fahrer berichten vom pausenlosen Trubel aus Medien, Fans, Teambesprechungen und natürlich Hochdruckrennen bei der Tour de France. Perez steckte so tief in der Blase, dass er beim Einschlafen das Peloton vor Augen hatte.
„Sobald ich die Augen schloss, war ich im Peloton. Du spürst den Druck… Ich hatte drei, vier, fünf Interviews jeden Morgen. Du verbringst extrem viel Zeit abseits des Rads. Das gilt auch für Ruhetage.“
Das Interview folgt auf die Bestätigung von Decathlon CMA CGM, dass der 19-jährige Paul Seixas, vielerorts als neue große Hoffnung des französischen Radsports gesehen, im Juli an den Start geht. Nach Podestplätzen bei Strade Bianche und Lüttich–Bastogne–Lüttich in dieser Saison sowie Schlüsselsiegen beim Flèche Wallonne und der Baskenland-Rundfahrt will der Teenager seine Form beim Tour-Debüt nutzen.
Seixas peilt das „bestmögliche Ergebnis“ an
Die Entscheidung entfachte eine Debatte über Intensität und Erwartungsdruck bei der größten Grand Tour, zumal für einen Franzosen mit wachender Öffentlichkeit und großen Vorschusslorbeeren. Seixas formulierte seine Absichten für diesen Sommer jedoch eindeutig.
„Es ist mein Kindheitstraum, etwas, das ich mir oft ausgemalt habe, und jetzt ist es zum Greifen nah. Ich bin erst 19 Jahre alt, aber wie ich schon sagte: Alter ist weder Hürde noch Ausrede. Diese Entscheidung wurde in Abstimmung mit der Teamleitung getroffen und in den letzten Tagen sorgfältig und gemeinsam vorbereitet.“
„Meine Ergebnisse seit Saisonbeginn haben mir viel Selbstvertrauen gegeben; ich fühle mich bereit und werde mit ehrgeizigen Zielen antreten. Es liegt nicht in meiner Natur, und es entspricht nicht meinem Verständnis des Radsports, die Tour de France nur zum Lernen zu bestreiten; ich werde auf das bestmögliche Ergebnis fahren.“