Patrick Lefevere attackiert UAE Team Emirates - XRG: „Seixas zu verpflichten, wenn man bereits Pogacar hat, ist protziges Verhalten“

Radsport
durch Nic Gayer
Samstag, 14 März 2026 um 13:00
Paul Seixas bei der Strade Bianche 2026
In der vergangenen Woche erklärte Patrick Lefevere, dass er Paul Seixas gern verpflichtet hätte, bevor der Franzose international den großen Durchbruch schaffte. Nun verrät der langjährige Teamchef, dass Soudal - Quick-Step Ende 2024 auch an einer Verpflichtung von Juan Ayuso interessiert war. Die Transferbedingungen entsprachen jedoch nicht mehr denen des Vorjahres. Gleichzeitig kritisiert Lefevere die zunehmende Rolle der Fahreragenten im modernen Radsport und äußert sich deutlich zur möglichen Verpflichtung von Paul Seixas durch UAE Team Emirates - XRG.
Berichte über das Interesse des Emirati-Teams am jungen Franzosen tauchten Anfang des Monats in Het Laatste Nieuws auf. Sollte es zu Gesprächen kommen, dürfte ein langer und harter Verhandlungskampf folgen, denn der Vertrag des Fahrers läuft noch bis Ende 2027. Mehrere Topteams beobachten die Situation aufmerksam und wollen sich den Fahrer sichern, der unter den Nachwuchskräften im aktuellen Peloton derzeit die größte Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Lefevere kritisiert UAE Team Emirates - XRG und Matxin deutlich

Der frühere Manager von Soudal - Quick-Step macht aus seinem Unmut über das Emirati-Team keinen Hehl. Besonders gegenüber UAE Team Emirates - XRG zeigt er sich kritisch und formuliert seine Meinung ungewöhnlich offen. „Mir ist das egal, solange er nicht bei UAE Team Emirates landet“.
Patrick Lefevere kritisiert die Transferpolitik von UAE Team Emirates - XRG und warnt vor überzogenen Erwartungen im Umgang mit jungen Talenten.
Patrick Lefevere kritisiert die Transferpolitik von UAE Team Emirates - XRG und warnt vor überzogenen Erwartungen im Umgang mit jungen Talenten.
In seiner wöchentlichen Kolumne in Het Nieuwsblad legt Lefevere nach und greift vor allem Teammanager Matxin an. „Entschuldigt das Wort - oder auch nicht -, aber als Sportdirektor wird Matxin ein bisschen zu geil. Seixas zu verpflichten, wenn man bereits Pogacar hat, ist protziges Verhalten“, schrieb er.

Lefevere wollte auch Juan Ayuso verpflichten

Die Kritik ändert jedoch wenig an der Ausgangslage. Das Talent, das der 19-jährige Seixas bislang gezeigt hat, gilt im modernen Radsport als außergewöhnlich. Praktisch jedes große Team würde ihn gern unter Vertrag nehmen. Decathlon AG2R La Mondiale Team besitzt derzeit die sportliche Basis und vermutlich auch das Budget, um den Fahrer zu halten. Gleichzeitig gilt UAE Team Emirates - XRG als Mannschaft mit besonders großen finanziellen Möglichkeiten, um einen solchen Transfer umzusetzen.
Das alles geschieht in einem Team, das bereits Tadej Pogacar im Kader hat und aktuell als stärkste Mannschaft im Peloton gilt. Für viele Beobachter geht es deshalb darum, sich den möglichen „nächsten Pogacar“ frühzeitig zu sichern.
„Man kann das meiste Geld in der gesamten WorldTour haben, aber das bringt auch eine gewisse Verantwortung und Ethik mit sich. Er wurde bei Saunier-Duval aufs Abstellgleis geschoben, als ich ihn als Scout zu Quick-Step holte. Das Problem ist, dass er mir nur mit Worten dankbar ist - bis ich um eine Gegenleistung bitte“, erklärte Lefevere mit Blick auf Matxin. Dabei enthüllte er auch Details zu einem weiteren möglichen Transfer, der letztlich nicht zustande kam.
„Ich habe bei ihm nach Ayusos Transferkonditionen gefragt, als er bei UAE in einer Sackgasse steckte. Das war nicht verhandelbar; die Ausstiegsklausel lag bei 28 Millionen Euro. Knapp ein Jahr später ist Ayuso bei Lidl-Trek. Es ist gut möglich, dass sie tiefere Taschen hatten als ich, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie auch keine 28 Millionen gezahlt haben“, argumentierte Lefevere. „Ein wenig mehr Goodwill mir gegenüber hätte Matxin gut zu Gesicht gestanden.“

Kritik an der Rolle der Fahreragenten

Der Belgier räumt jedoch ein, dass die stark steigenden Summen im Transfersystem auch mit der wachsenden Macht der Fahreragenten zusammenhängen. Aus seiner Sicht hat sich deren Rolle im Peloton deutlich verändert.
„Sie spielen das Spiel viel aggressiver als früher. Das sind inzwischen Agenturen mit fünf oder sechs Vertretern, die alle punkten wollen und ihre Fahrer ständig vermarkten. Vielleicht suchen Journalisten härter nach dem Scoop, aber es wird auch alles durchgestochen, um den Preis hochzutreiben“.
Zum Abschluss formulierte Lefevere eine besonders scharfe Kritik an der aktuellen Entwicklung. „Herumballern wie Clint Eastwood - für ein paar Dollar mehr. Welcher Agent kümmert sich noch um die Karriereplanung seines Fahrers? Es ist fatal, wenn ein 19-Jähriger glaubt, er könne bei UAE Pogacars Nachfolger werden. Pogacar ist selbst kaum 27. Ein Agent, der seinem Fahrer diese Geschichte verkauft, gehört beruflich gesperrt“, schloss Lefevere.
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