Tirreno–Adriatico 2026, Etappe 6: Vorschau, Profile, Favoriten & Prognosen – Sichert Isaac del Toro den Gesamtsieg?

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 13 März 2026 um 17:00
TirrenoAdriatico2026_IsaacDelToro (2)
Tirreno–Adriatico 2026 findet vom 09. bis 15.03. statt und gehört traditionell zu den wichtigsten Terminen der Frühjahrssaison. Das Rennen bietet Sprintern, Zeitfahrern und Kletterern gleichermaßen Chancen bei einem der größten Events im italienischen Kalender - und liefert zugleich ideale Rennsituationen für Klassiker-Spezialisten auf dem Weg zu ihren Saisonhöhepunkten.
Wir werfen einen Blick auf die 6. Etappe, deren Start und Zielankünfte für 10:45 beziehungsweise 15:45 CET erwartet werden. Der Tag verspricht eine der entscheidenden Prüfungen dieser Rundfahrt.
Das Rennen wurde 1966 gegründet und führt - wie der Name verrät - von der Tyrrhenischen Küste bis an die Adria. Die Strecke verläuft quer durch Mittelitalien von West nach Ost und bietet Etappenprofile für nahezu jeden Fahrertyp. Dino Zandegu gewann die Premiere, danach folgten schnell zahlreiche internationale Stars, auch wenn Paris–Nizza traditionell parallel im Kalender steht. Besonders die sechs Gesamtsiege in Serie von Roger De Vlaeminck zwischen 1972 und 1977 hoben das Rennen auf ein neues sportliches Niveau. Seitdem haben viele Legenden ihre Namen in die Siegerliste dieser einwöchigen Rundfahrt eingetragen.
Im 20. Jahrhundert triumphierten unter anderem Francesco Moser, Giuseppe Saronni, Joop Zoetemelk und Tony Rominger. In diesem Jahrhundert fehlten bei einigen Austragungen allerdings echte Bergetappen, wodurch sich eine größere Vielfalt an Gesamtsiegern ergab. Klassikerstars wie Paolo Bettini und Oscar Freire gewannen auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, Fabian Cancellara holte sich 2008 den Gesamtsieg, und selbst Greg Van Avermaet setzte sich 2016 in der Gesamtwertung durch.
Die Siegerliste der vergangenen 15 Jahre wirkt jedoch besonders beeindruckend. Viele der besten Kletterer der Welt gewannen die Rundfahrt auf dem Höhepunkt ihrer Karriere: Cadel Evans, Vincenzo Nibali, Alberto Contador, Nairo Quintana, Primoz Roglic, Simon Yates, Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard. Eine stärkere Serie an Gesamtsiegern ist kaum vorstellbar. 2025 fügte sich auch Juan Ayuso in diese Reihe ein. Nach seinem Triumph auf der Königsetappe gewann er die Gesamtwertung und entthronte Filippo Ganna, der damals seine bislang besten Kletterleistungen zeigte.

Profil Etappe 6: San Severino Marche - Camerino

Profil der 6. Etappe von Tirreno–Adriatico 2026
Etappe 6: San Severino Marche - Camerino, 188 Kilometer
Die 6. Etappe besitzt ein schwer zu lesendes Profil - ein typischer Tag in den Marken, an dem sich das Rennen nur schwer kontrollieren lässt. Das Terrain kommt sowohl Kletterern als auch Puncheuren entgegen. Bereits kurz nach dem Start in San Severino in den Marken wartet ein explosiver Anstieg, der sich ideal für eine frühe Ausreißerbildung eignet.
Für die Kletterer bietet sich hier die erste große Gelegenheit, das Rennen auseinanderzunehmen. Der Anstieg nach Sassoletto ist 13 Kilometer lang und weist durchschnittlich 7 Prozent Steigung auf. Nach mehreren Etappen ohne klaren Vorteil für reine Bergfahrer könnte das Rennen hier erstmals richtig explodieren.
Sollte das Feld dennoch zusammenbleiben, warten weiterhin über 4000 Höhenmeter auf die Fahrer. Vier Runden über einen anspruchsvollen Rundkurs entscheiden den Tag. Der finale Anstieg nach Camerino ist 3,2 Kilometer lang und im Schnitt 9 Prozent steil - dort dürfte letztlich die Entscheidung fallen.
Bereits bei noch 85, 59 und 30 Kilometern vor dem Ziel führt die Strecke über diesen Schlussanstieg. Diese Passagen dienen als Vorschau auf das Finale, sind jedoch alles andere als harmlos. Jede Überfahrt kann die Gesamtwertung erschüttern. Auch danach folgen weitere Kuppen, auf denen Teams ihre numerische Überlegenheit in taktische Angriffe umsetzen können. Das Terrain gilt als gefährlich und verspricht ein extrem hartes Rennen.

Die Favoriten

Isaac Del Toro präsentierte sich auf genau diesem Terrain bislang klar überlegen. Der Mexikaner übernahm viel Arbeit im Wind und distanzierte dennoch Giulio Pellizzari souverän. Längere Belastungen liegen ihm offensichtlich, und das UAE Team Emirates - XRG wirkte zuletzt sehr kontrolliert und stark. Deshalb sind keine wilden Manöver zu erwarten. Trotz mehrerer passender Etappenprofile blieb das Rennen bislang relativ kontrolliert. Wahrscheinlich entscheidet sich alles erst am Schlussanstieg, wo Del Toro seine letzte große Prüfung zur Verteidigung der Gesamtführung absolvieren muss.
Bei Red Bull - BORA - hansgrohe zeigt die Entwicklung in die richtige Richtung. Heute setzte das Team Primoz Roglic bewusst als taktische Waffe ein - eine Art Bauernopfer, um Angriffe zu provozieren und Druck auf die Konkurrenz auszuüben. Genau dieser Ansatz war trotz der Führungsrolle von Giulio Pellizzari notwendig. Auch auf dieser Etappe braucht es eine ähnliche Strategie, wenn sie das Rennen gewinnen wollen. Pellizzari klettert oder sprintet nicht stärker als Del Toro, besitzt aber Zeit, die er noch gutmachen kann. Das Team hat ausreichend Fahrer, um früh jemanden nach vorne zu schicken und das Rennen entweder am Sassoletto oder im welligen Rundkurs mit seinen zahlreichen Anstiegen zu attackieren. Der Plan ist schwierig, doch ohne Risiko spielt Roglic im Kampf um den Gesamtsieg kaum eine Rolle. So bleibt er zumindest taktisch wertvoll einsetzbar. Für Pellizzari gilt: Er muss seine absolute Bestform abrufen und darauf hoffen, dass Del Toro einen schwächeren Tag erwischt.
Auch ein Sieg aus einer Ausreißergruppe bleibt absolut möglich. Unter den Klassementfahrern besitzt Matteo Jorgenson gute Chancen. Er zeigte sich zuletzt sehr stark, und auf der Schotteretappe hätte er ohne seinen Sturz wahrscheinlich um den Etappensieg gekämpft. Der Gesamtsieg erscheint zwar unwahrscheinlich, doch im Kampf um das Blaue Trikot kann er taktisch pokern und im Finale mit einem Sprint oder einem späten Angriff den Unterschied machen.
Tobias Johannessen wirkt ebenfalls in ausgezeichneter Form, und auch Giulio Ciccone sendete zuletzt positive Signale. Für eine größere Überraschung anderer Fahrer ist die Etappe vermutlich zu schwer, dennoch sollte man Namen wie Michael Storer oder Santiago Buitrago nicht unterschätzen. Für Angriffe oder eine starke Gruppe des Tages kommen außerdem zahlreiche Klassikerfahrer und bergfeste Nicht-GC-Fahrer infrage, die das Potenzial für einen großen Coup besitzen: Ben Healy, Richard Carapaz, Clement Champoussin, Antonio Tiberi, Thymen Arensman und weitere Kandidaten. Auch Mathieu van der Poel sollte man nie ignorieren. Der Niederländer könnte hier seinen letzten großen Belastungstest vor Milano–Sanremo setzen und wichtige Rennkilometer sammeln.

Prognose Tirreno–Adriatico 2026 Etappe 6: 

*** Isaac del Toro, Matteo Jorgenson
** Giulio Pellizzari, Tobias Johannessen, Giulio Ciccone
* Primoz Roglic, Santiago Buitrago, Michael Storer, Richard Carapaz, Ben Healy, Alessandro Pinarello, Javier Romo, Thymen Arensman
Unser Tipp: Isaac del Toro
Wie: Solosieg im Finale.
Original: Rúben Silva
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Loading