„Man sagte ihm, er sei der neue Contador“ – Enric Mas’ Karriere leidet unter unrealistischen Erwartungen, meint Purito Rodríguez

Radsport
Dienstag, 09 Juni 2026 um 14:30
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Joaquim Rodríguez’ Podcast liefert wöchentlich Schlagzeilen, doch in der Giro d’Italia-Spezialfolge übte er eine seiner härtesten Kritiken am modernen Radsport. Das schloss EF Education-Manager Jonathan Vaughters ein; zugleich kritisierte er jene, die Enric Mas in seinen frühen Jahren mit Alberto Contador verglichen.
Die Giro d’Italia-Spezialausgabe des Joaquim Rodríguez Podcasts nahm eine scharfe Wendung, als Enric Mas’ Name fiel.
‚Purito‘ sezierte die heikle Lage des Movistar-Teamkapitäns nach einem enttäuschenden Giro und eröffnete eine unbequeme Debatte: Ob Enric sich endlich vom Gesamtklassement als Hauptziel verabschieden sollte.
Er begann mit dem Verweis auf die körperlichen Probleme und die missratene Vorbereitung, verschärfte seinen Ton jedoch zunehmend.
„Für mich muss er überdenken, was für ein Fahrertyp er sein will.“
Eine brutale Aussage, bedenkt man, dass es um einen der größten Namen des spanischen Radsports geht.
Purito erinnerte daran, dass Enric den Giro praktisch ohne Rennkilometer und nach Verletzungen sowie einer Operation bestritt.
„Enric kommt ohne jegliche Rennhärte zum Giro.“
Dennoch sah er das Problem nicht nur in der Form, sondern im Wandel des modernen Radsports.
„Er gehört zu einer Generation, die von den Nachrückern überrollt wurde.“
Der Ex-Profi stellte zudem indirekt in Frage, wie Mas’ Karriere bereits in sehr jungen Jahren gesteuert wurde.
Enric Mas bei der Tour de France 2025
Enric Mas at the 2025 Tour de France
„Man sagte ihm, er sei der neue Contador. Das hat ihm keinen Gefallen getan.“
Für Purito lastete diese Erwartung den Mallorquiner mit einem nahezu unmöglichen Druck.
Einer der angespanntesten Momente kam, als er Mas’ sinnvollsten Weg mit Fahrern wie Giulio Ciccone verglich, Spezialisten für Etappensiege und gezielte Ziele statt Gesamtwertungen.
„Sein Bezugspunkt sollte etwas wie Ciccone sein.“
Er präzisierte, es gehe nicht um den Fahrertyp, sondern um die Art, sportliche Ziele zu setzen.
Noch unangenehmer wurde es, als Eusebio Unzués Name fiel und dessen öffentliche Kritik an Enrics Giro.
Purito stellte das Timing dieser Aussagen infrage:
„Ich glaube nicht, dass es bei Eusebios [Unzué] Erfahrung… der Ort oder der Moment war, ihn zu treffen.“
Gleichwohl machte er klar, dass Geduld im heutigen Radsport Mangelware ist.
„Hier und jetzt: Wenn er plötzlich bei der Vuelta aufs Podium fährt, sagen alle, er ist ein großer Fahrer.“

Purito Rodríguez’ Kritik am Rennstil beim Giro d’Italia

Purito zielte direkt auf die Fahrweise einiger Teams beim Giro und stellte klar, dass aus seiner Sicht viele Etappen taktisch schon vor dem Start ruiniert wurden.
„Es nervt mich wirklich, Kumpel, dass andere Teams, im Wissen um die Überlegenheit eines Fahrers… viele Etappen zerstört haben, obwohl das Ergebnis gleich bleiben würde.“
Die Analyse zielte vor allem auf die Dominanz von Jonas Vingegaard und darauf, wie mehrere Teams das Rennen verschärften, das laut Purito ohnehin einen feststehenden Sieger hatte.
„Wenn du weißt, dass Vingegaard dich wieder abhängt… dann lass doch ein bisschen Raum zum Rennen.“
Die Kritik endete damit nicht. Der Katalane äußerte auch generell Enttäuschung über den Giro und ging so weit, ihm eine mangelhafte Note zu geben.
„Ich gebe eine 5 [von 10].“
Während andere Podcast-Mitglieder höher bewerteten, beharrte Purito darauf, dass echte Spannung fehlte und viele Etappen von taktischer Angst und der Resignation der Rivalen geprägt waren.
Afonso Eulálio trug neun Tage das Maglia Rosa des Giro d’Italia
Afonso Eulálio was leader of the Giro d’Italia
Es gab auch Lob. Besonders beeindruckte ihn Igor Arrieta, dessen Mut und Überlebensfähigkeit im Chaos des Rennens hervorstachen.
„Er hat einen verdammt starken Giro gefahren.“
Am deutlichsten wurde es, als es um Teams ging, die für scheinbar unschlagbare Kapitäne fahren. Purito deutete an, dass viele Mannschaften psychologisch bereits geschlagen sind.

Purito feuert gegen Jonathan Vaughters: „Er redet nur, um sich reden zu hören“

Ein weiterer großer Zündstoff der Folge war Jonathan Vaughters’ Vorschlag, eine Gehaltsobergrenze für Radsportteams einzuführen.
Die Idee ließ einem Kapitän freie Verdienste, deckelte aber die Gesamtlöhne der übrigen Fahrer. Für Purito war der Vorschlag blanker Unsinn.
„Jonathan Vaughters wirkt wie der typische Mensch, der redet, nur um nicht zu schweigen.“
Statt zurückzurudern, verteidigte Purito die Rolle der Helfer im Profipeloton vehement.
„Was soll das? Treten Helfer etwa nicht genauso in die Pedale? Oder werden sie nicht genauso nass?“
Der Ex-Profi machte klar, dass er künstliche Lohngefälle zwischen Kapitänen und Teamkollegen für unfair hält, zumal dieser Sport auf kollektiver Arbeit beruht.
Zugleich verwarf er den Kernfehler des Vorschlags im Handumdrehen:
„Wer entscheidet denn, wer Kapitän ist, wer nicht und wer ein Helfer ist?“
Für Purito ist die Realität des Radsports ständig im Fluss, und je nach Kalender oder Kontext kann ein Fahrer in einem Team Kapitän und im nächsten Helfer sein.
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