Lenny Martinez gehörte auf der 19. Etappe der
Tour de France zu den großen Protagonisten. Der junge Franzose legte seine bisherige Zurückhaltung ab, sprang in die entscheidende Ausreißergruppe und nahm dabei nicht nur den Etappensieg, sondern auch einen Sprung im
Gesamtklassement ins Visier.
Mutige Flucht bringt Martinez im Gesamtklassement nach vorn
Der Kapitän von Bahrain Victorious ging als Siebter der Gesamtwertung in den Tag. Mit seiner Attacke wollte Martinez Druck auf die Fahrer vor ihm ausüben und möglichst in die Top 5 vorrücken. Besonders das Lidl-Trek-Duo Juan Ayuso und Mattias Skjelmose hatte ihn dabei genau im Blick.
Als die Spitzengruppe den Fuß von Alpe d’Huez mit rund vier Minuten Vorsprung erreichte, wurde aus dem mutigen Vorstoß plötzlich eine echte Chance auf den Tagessieg.
„Ehrlich gesagt war das eine gute Gelegenheit, nach vorne zu fahren“, erklärte Martinez im Ziel. „Ich hatte auf mehreren Etappen Angriffe ziehen lassen. Dann formierte sich eine große Gruppe, und ich dachte mir: Warum nicht? Diese Gruppe hat mich weit nach vorne gebracht.“
Auch im Gesamtklassement zahlte sich der Angriff aus. Juan Ayuso setzte seinen Abwärtstrend fort, verlor mehr als sechs Minuten und fiel auf Rang sieben zurück. Mattias Skjelmose hielt sich zwar länger in der Favoritengruppe, büßte am Ende aber 2:45 Minuten auf Tadej Pogačar ein.
Damit schob sich Martinez auf den fünften Platz vor. Skjelmose folgt als Sechster mit nur neun Sekunden Rückstand.
Lange sah es sogar danach aus, als könnte die Fluchtgruppe den Etappensieg retten. Trotz Pogačars frühem Angriff durch die dichten Zuschauermassen am Alpe d’Huez behaupteten sich Martinez und Richard Carapaz an der Spitze.
Auf den letzten Kilometern lieferten sich beide ein dramatisches Duell. Doch im finalen Kilometer kam Pogačar mit enormem Tempo von hinten heran, stellte die beiden Ausreißer und zog schließlich vorbei.
„Ich hatte zunächst nur die Flucht im Kopf und nicht sofort den Etappensieg“, sagte Martinez. „Platz zwei ist großartig, aber Platz eins wäre natürlich besser gewesen.“
Als Pogačar an ihm vorbeischoss, versuchte Martinez noch, das Hinterrad des Slowenen zu halten. Zunächst gelang ihm das sogar. Erst unter der Flamme Rouge musste er abreißen lassen, während Carapaz bereits zuvor eingebrochen war.
„Tadej war einfach zu stark. Ich sah ihn vorbeifahren und sprang an sein Hinterrad. Er fuhr unglaublich hart, aber ich konnte mich zunächst halten. Dann brach Carapaz vor mir ein. Deshalb bin ich ein wenig enttäuscht, weil ich vielleicht länger bei Pogačar hätte bleiben können.“
Trotz des verpassten Etappensieges war es ein großer Tag für Martinez. Er bewies Mut, fuhr offensiv und belohnte sich mit Rang zwei sowie dem Sprung in die Top 5 der Tour de France.