Ein Anstieg, der einst die Ära von
Alberto Contador prägte, trägt in seiner modernen Geschichte nun einen anderen Namen.
Auf der Schlussetappe der
Volta ao Algarve stoppte
Juan Ayuso die Uhr am 2,7 Kilometer langen Alto do Malhao bei 6:39 Minuten, unterbot damit Contadors Bestmarke von 6:48 Minuten aus dem Jahr 2016 und machte zugleich den Gesamtsieg perfekt. Es war sein erstes Rennen seit dem Wechsel zu
Lidl-Trek - und es wog mehr als die neun Sekunden Zeitgewinn.
Von der Contador-Benchmark zur Ayuso-Ansage
Rekorde auf modernen WorldTour-Anstiegen halten selten lange. Ein Jahrzehnt bedeutet viel in einer Ära der Marginal Gains, Höhencamps und steigender Wattzahlen. Contadors Marke überdauerte mehrere Austragungen und starke Felder. Ayuso verbesserte sie nicht nur knapp. Er setzte sie neu.
Die Symbolik liegt auf der Hand. Seit Contadors Rücktritt brachte Spanien Podiumsfahrer und Glanzlichter hervor, aber keinen, der die Rolle des prägenden Grand-Tour-Leaders vollständig einnahm.
Ayuso gilt seit Langem als aussichtsreichster Kandidat. Vuelta-Podium als Teenager, Kletterflair, Zeitfahrstärke und die Ruhe eines älteren Profis. Doch seine letzten Monate bei UAE Team Emirates - XRG verliefen unter dem Vorzeichen interner Spannungen und offener Hierarchiefragen, was seinen Aufstieg zeitweise überdeckte.
Die Algarve fühlte sich wie ein Neustart an.
Am Alto do Malhao, wo Paul Seixas und Oscar Onley seine Zeit egalisierten, ihn im Sprint aber nicht überholen konnten, verteidigte Ayuso nicht nur eine Führung. Er übernahm die Kontrolle. Joao Almeida und Thomas Gloag erreichten das Ziel Sekunden später. Folgerichtig das Gesamtklassement: Ayuso gewann mit 14 Sekunden Vorsprung.
Das war nicht opportunistisch. Es war entschlossen.
Ein neues Kapitel, sofortige Autorität
Dass der Rekord gleich beim ersten Auftritt für Lidl-Trek fiel, schärft die Erzählung zusätzlich. Der Abschied von UAE galt als Neustart, als Schritt zu voller Rückendeckung und klarerer Grand-Tour-Perspektive. Einen Etappensieg und den Gesamterfolg zum Einstand zu holen, wäre bereits bedeutsam gewesen. Es mit der Streichung von Contadors Namen an der Spitze der Alto-do-Malhao-Bestenliste zu verbinden, hebt es auf eine andere Ebene.
Spanien wartet auf einen Fahrer, der mehr liefert als Versprechen. Auf einen, der den Generationenwechsel nicht andeutet, sondern erzwingt. Ayusos 6:39 garantieren keine künftigen Grand-Tour-Siege, doch sie verschieben die Wahrnehmung.
Contadors Generation prägte eine Epoche. Ayusos schreibt noch die ersten Kapitel. Auf einem vertrauten portugiesischen Gipfel wechselte einer der großen modernen spanischen Maßstäbe den Besitzer.
Für eine Nation auf der Suche nach ihrem nächsten Grand-Tour-Referenzpunkt ist das mehr als nur eine Frühform-Zahl.