Der sich entwickelnde Fall um den Vater von
Marc Soler hat nun eine pointierte Analyse des niederländischen Ex-Profis und heutigen Experten
Thijs Zonneveld ausgelöst. Er stellt die Umstände eines mutmaßlichen Treffens im Jahr 2023 zwischen dem Vater des UAE-Profis und dem gesperrten Betreuer Jose Marti ernsthaft infrage - einer Figur aus der US-Postal-Ära des Radsports, die bis Juni 2027 gesperrt bleibt.
Wie bereits berichtet, erhielt Jaume Soler Serrano, Vater des Kletterers von
UAE Team Emirates - XRG, eine 18-monatige Sperre durch die spanische Anti-Doping-Behörde CELAD nach Kontakt mit Marti. Gegen Marc Soler wurde keine Sanktion bekanntgegeben, und zu seiner eigenen Position liegt bislang keine formale Entscheidung vor.
Die Logik des Treffens in Frage gestellt
Laut in Spanien veröffentlichten, geleakten Ermittlungsakten fand am 09.08.2023 nahe Adrall, unweit der andorranischen Grenze, ein Treffen statt, bei dem Jaume Soler und Marti von der Guardia Civil mit Laktat-Testausrüstung gestoppt wurden. Marc Soler fuhr demnach zur gleichen Zeit im selben Gebiet und wurde später separat von Beamten angehalten.
Marc Soler im Führungstrikot bei der Vuelta Murcia 2026
Zonneveld sprach das Thema im niederländischen
Podcast In de Waaier an und räumte zunächst ein, dass endgültige Beweise fehlen. „Es gibt jedoch keinen endgültigen Beleg dafür, dass Soler an diesem Treffen beteiligt war, weil Marti und sein Vater höchstwahrscheinlich bemerkten, dass sie beobachtet wurden. Soler sei dann wohl informiert worden, weiterzufahren, und es wirkt, als sei er entwischt.“
Trotz dieses Vorbehalts ging der Analyst in seiner Deutung deutlich weiter. „Im Grunde ist es fast sicher, dass Marc Soler mit Marti zusammengearbeitet hat - die Frage ist, ob sich das auch beweisen lässt.“
Den veröffentlichten Ermittlungsdetails zufolge fanden die Beamten im Fahrzeug von Jaume Soler und Marti Latexhandschuhe, Alkohol, ein Laktatmessgerät, Geräte zur Sauerstoffsättigung und Teststreifen. Solches Equipment dient üblicherweise der Bestimmung aerober und anaerober Schwellen in der Leistungsdiagnostik.
Jaume Soler gab demnach an, die Tests seien für ihn selbst gedacht gewesen. Zonneveld wies diese Erklärung öffentlich zurück. „Natürlich nicht - der Mann saß ohne Sportkleidung im Auto und wartete.“
Er stellte zudem die Logik infrage, weshalb ein Profi für Laktattests auf die Hilfe eines gesperrten Arztes zurückgreifen sollte. „Warum um alles in der Welt sollte man für Laktattests mit einem gesperrten Arzt arbeiten? Das ist so simpel, das kann man fast selbst machen.“
Keine Sanktion für den UAE-Profi
Nach Anti-Doping-Regularien können lizenzierte Athleten für den verbotenen Umgang mit wegen Dopings gesperrten Personen sanktioniert werden. Derzeit existiert jedoch keine öffentlich bekannte Entscheidung in Bezug auf Marc Soler.
Die in dieser Woche bestätigte Sperre betrifft ausschließlich seinen Vater. Die spanischen Behörden haben bislang keine endgültige Bewertung zum Gesamtkomplex veröffentlicht, der weiterhin in die Zuständigkeit der CELAD fällt.
Soler bestreitet vorerst weiter Rennen, während der Fall ungelöst bleibt - und die Kommentare aus dem Expertenlager zunehmend deutlicher werden.