Während
Tadej Pogacar mit einer der beeindruckendsten Klassiker-Kampagnen der vergangenen Jahre Schlagzeilen schreibt, sendet
Jonas Vingegaard vor ihrem nächsten direkten Duell bei der
Tour de France ein ungewöhnlich deutliches Signal. Der Däne formuliert seine Ambitionen so klar wie selten zuvor.
„Es ist eine gute Rivalität, weil nicht jedes Jahr nur ein Fahrer gewinnt. Wir haben uns ein wenig abgewechselt. Er hat nun die letzten zwei Jahre gewonnen, also bin ich dieses Jahr dran. Ich glaube daran. Ich habe ein gutes Gefühl für das Rennen und meine Vorbereitung. Ich denke, es wird unser Jahr“, erklärte Vingegaard im Gespräch mit
TV 2 Sport.
Zwei unterschiedliche Saisonverläufe führen zum gleichen Ziel
Der Zeitpunkt dieser Aussage ist bemerkenswert. In der Saison 2026 hat Pogacar bereits Strade Bianche, Milano-Sanremo und die Ronde van Vlaanderen gewonnen und damit seine außergewöhnliche Vielseitigkeit unterstrichen. Bei Paris-Roubaix musste er sich erst im Zweiersprint Wout van Aert – und damit einem Teamkollegen Vingegaards – geschlagen geben. Diese Serie ergänzt seine zwei Tour-de-France-Gesamtsiege in Folge eindrucksvoll.
Vingegaard gewann Anfang des Jahres die Katalonien-Rundfahrt
Vingegaards Saisonaufbau folgte dagegen einer anderen, klar auf Etappenrennen ausgerichteten Linie – mit ebenso überzeugenden Resultaten. Der Kapitän von
Visma - Lease a Bike gewann sowohl Paris–Nizza als auch die Katalonien-Rundfahrt im Gesamtklassement, sicherte sich bei beiden Rundfahrten jeweils zwei Etappensiege und setzte damit früh in der Saison ein starkes Zeichen.
Giro-Ambition bringt eine weitere Ebene
Vor dem erneuten Kräftemessen mit Pogacar bei der Tour de France richtet Vingegaard seinen Blick zunächst auf den Giro d’Italia. Dort will er seine Palmares um einen weiteren Grand-Tour-Triumph erweitern. „Ich habe gut trainiert und bin in besserer Form. Ich komme dem Niveau näher, das ich für den Giro d’Italia haben möchte“, sagte er.
Auf seine Zielsetzung angesprochen, formulierte er seine Ambitionen unmissverständlich: „Ich starte mit der Erwartung, um den Sieg kämpfen zu können, und das Ziel ist es, den Giro zu gewinnen.“
Der Giro ist dabei nicht nur ein eigenständiges sportliches Ziel, sondern auch Teil einer strategischen Neuausrichtung. Statt seine gesamte Saison ausschließlich auf den Juli auszurichten, setzt Vingegaard auf Erfolge bei mehreren Grand Tours innerhalb eines Jahres – und verleiht damit auch seiner Tour-de-France-Kampagne eine zusätzliche Dimension.
Unterschiedliche Wege, gleiches Ziel
Die Rivalität zwischen Vingegaard und Pogacar wird 2026 besonders durch ihre unterschiedlichen Saisonverläufe geprägt. Während Pogacar drei Monumente mit völlig verschiedenen Anforderungen gewann und Paris-Roubaix nur knapp im Sprint verpasste, dominierte Vingegaard die einwöchigen Rundfahrten, fuhr früh entscheidende Zeitabstände heraus und kontrollierte anschließend souverän die Gesamtwertungen.
Beide Wege führen nun erneut zur Tour de France – dem zentralen Schauplatz ihres Duells. Gerade deshalb erhält Vingegaards Aussage, „ich bin dran“, besonderes Gewicht. Solch klare Worte sind von ihm selten zu hören – und sie fallen zu einem Zeitpunkt, an dem sein Rivale stärker denn je erscheint.
Ob sich dieses Selbstvertrauen tatsächlich in einen dritten Gesamtsieg bei der Tour de France übersetzen lässt, wird das nächste Kapitel einer Rivalität prägen, die den modernen Radsport weiterhin entscheidend beeinflusst.