Giulio Pellizzari vor Finaldrama der Tour of the Alps: „Wir starten morgen fast auf Augenhöhe, mit den gleichen Siegchancen“

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 23 April 2026 um 17:30
Giulio Pellizzari
Giulio Pellizzari geht mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur vier Sekunden in die entscheidende Schlussetappe der Tour of the Alps. Nach einem weiteren anspruchsvollen Tag im Hochgebirge verteidigte der Italiener seine Gesamtführung – doch vor dem Finale ist das Rennen völlig offen, und die Favoriten stehen vor einem direkten Schlagabtausch um den Gesamtsieg.
Seit seinem Durchbruchssieg auf der 2. Etappe trägt Pellizzari das Führungstrikot, doch der minimale Abstand zur Konkurrenz lässt keine taktischen Spielräume zu. „Es ist nur noch eine Etappe übrig, vielleicht die härteste“, erklärte Pellizzari im Gespräch mit Cycling Pro Net nach der 4. Etappe. „Ich habe nur vier Sekunden Vorsprung, man kann sagen, wir starten morgen fast auf Augenhöhe, mit den gleichen Siegchancen. Ich muss fokussiert bleiben und mein Bestes geben.“

Vier Sekunden, die alles verändern

Ein Blick auf das Gesamtklassement zeigt, wie eng das Rennen inzwischen geworden ist. Pellizzari liegt vier Sekunden vor Thymen Arensman, Egan Bernal folgt weitere zwei Sekunden dahinter, während dessen Teamkollege Aleksandr Vlasov nur zwei Sekunden später rangiert.
Giulio Pellizzari gewann die 2. Etappe der Tour of the Alps 2026
Giulio Pellizzari gewann die 2. Etappe der Tour of the Alps 2026
Auch dahinter bleibt die Konkurrenz gefährlich nah. Fahrer wie Mattia Gaffuri, Mathys Rondel und Jakob Omrzel befinden sich weiterhin in Schlagdistanz, während eine größere Verfolgergruppe weniger als eine Minute Rückstand aufweist. In der Praxis bedeutet das: Auf der Schlussetappe wird das Klassement faktisch neu geschrieben.

Ein Rennen, das am Berg entschieden wird

Während in den ersten Tagen Bonifikationssekunden und offensive Rennstrategien das Gesamtbild prägten, dürfte die Entscheidung diesmal an einem schweren Schlussanstieg fallen. „Morgen ist eine ganz andere Geschichte“, sagte Pellizzari. „Es gibt einen richtig harten Berg kurz vor dem Ziel. Das Ziel ist, dort als Erster drüberzukommen und es dann bis ins Ziel zu bringen.“
Seine aktuelle Führungsposition verlangte dem Italiener bereits einiges ab. Pellizzari hatte im Vorfeld mit schwierigen Tagen gerechnet – und genau so entwickelte sich das Rennen bislang. „Ich fühle mich gut. Ich wusste, dass ich hier ein bisschen leiden würde, das ist normal, aber ich bin glücklich, vor der vorletzten Etappe zu führen“, erklärte er. „Hoffentlich bin ich auch morgen noch hier.“

Teamhilfe und entscheidende Weichenstellungen

Wie schmal der Grat zwischen Kontrolle und Risiko ist, zeigte sich besonders auf der 4. Etappe. Eine frühe Windkante brachte Pellizzari kurzfristig in Schwierigkeiten, doch Red Bull - BORA - hansgrohe reagierte umgehend und stellte die Situation wieder unter Kontrolle. „Eine Gruppe von etwa 30 Fahrern ist in der Ebene weggezogen“, berichtete Pellizzari. „Ich muss dem ganzen Team danken für die Arbeit, sie haben das ziemlich souverän zurückgeholt.“
Gleichzeitig bot sich eine Gelegenheit für einen eigenen Angriff, doch die Mannschaft entschied sich bewusst dagegen. „Da hatte ich auch Lust, etwas zu probieren, aber am Ende haben wir entschieden, alles auf morgen zu fokussieren. Jetzt sind wir am Schlüsselpunkt angekommen.“
Auch zum Ausstieg seines Teamkollegen Lorenzo Finn äußerte sich Pellizzari. „Es geht ihm gut. Ich habe gestern mit ihm gesprochen, er ist ruhig und wird bald zurück sein.“
Rückblickend unterstrich der Italiener zudem die generelle Schwierigkeit der Rundfahrt. „Es ist hart, wie immer in diesen Regionen. Eine einfache Etappe findet man hier selten. Morgen wird es für die Fans spannend, weil es die entscheidende Etappe ist. Hoffentlich geht alles gut.“

Eine Etappe entscheidet alles

Über die reinen Zeitabstände hinaus erhält die Ausgangslage zusätzliche Bedeutung durch den historischen Kontext. Seit mehr als einem Jahrzehnt wartet Italien auf einen Gesamtsieg bei der Tour of the Alps – nun steht Pellizzari kurz davor, diese Serie zu beenden.
Gleichzeitig lassen die engen Abstände an der Spitze keinerlei Spielraum für Zurückhaltung. Thymen Arensman und Egan Bernal präsentierten sich über die gesamte Woche hinweg konstant, während Aleksandr Vlasov Red Bull - BORA - hansgrohe eine zweite taktische Option unmittelbar hinter der Spitze eröffnet.
Mit lediglich vier Sekunden Vorsprung vor der schwersten Etappe der Rundfahrt bleibt Pellizzaris Vorteil minimal – doch bei nur noch einem verbleibenden Renntag liegt der Gesamtsieg weiterhin klar in seiner Reichweite.
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