Lennart Jasch nach Solo-Coup bei der Tour of the Alps: „Ich schaute auf die Wattwerte und dachte, das ist irre“

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 23 April 2026 um 16:55
Emotional Lennart Jasch after Tour of the Alps stage win
Lennart Jasch konnte selbst kaum begreifen, was ihm gelungen war. Auf der 4. Etappe der Tour of the Alps zeigte der deutsche Entwicklungsfahrer eine herausragende Sololeistung und feierte nach einer frühen Attacke in den Bergen seinen ersten Profisieg, während er die Verfolger bis ins Ziel auf Distanz hielt.
Nach der Etappe schilderte Jasch, dass der Tag für ihn zunächst völlig unspektakulär begonnen habe – ehe er eine unerwartete Wendung nahm. „Es war einfach ein unglaublicher Tag. Als ich heute Morgen aufgewacht bin, dachte ich, es würde ein ganz normaler Tag werden, aber vom Start weg war das Tempo extrem hoch. Ich habe mich richtig gut gefühlt, und am Anstieg habe ich auf die Leistungswerte geschaut und gedacht, das ist eigentlich verrückt. Aber das Gefühl war großartig“, sagte der Fahrer des Tudor Pro Cycling Team im Gespräch mit Cycling Pro Net.

Vom Instinkt zum Glauben

Die entscheidende Phase des Rennens begann an den Anstiegen, als Jasch erkannte, dass er nicht nur mithalten konnte, sondern möglicherweise der stärkste Fahrer seiner Gruppe war. „Ich habe entschieden, es zu probieren, und bis ins Ziel daran geglaubt, dass ich es durchziehen kann“, erklärte er. „Ziemlich schnell hatte ich das Gefühl, der Stärkste in der Gruppe zu sein, also habe ich alles in meine Attacken gelegt. Es hat funktioniert und jetzt bin ich einfach super happy. Ich kann es immer noch kaum glauben.“
Dabei war seine frühe Offensive keineswegs ein unüberlegter Angriff. Vielmehr nutzte Jasch die Situation bewusst, um die Konkurrenz zu testen, bevor er sich endgültig festlegte. „Ja, ein bisschen“, antwortete er auf die Frage, ob sein erster Antritt taktisch motiviert gewesen sei. „Ich habe mich gut gefühlt, aber allein mit 45 Kilometern ins Ziel zu gehen, ist wirklich hart. Ich wollte erst alle testen. Als sie zurückkamen, habe ich gesehen, dass ich der Stärkste war, und das gab mir Vertrauen.“
Mit dieser Erkenntnis änderte sich seine Herangehensweise spürbar. „Danach wusste ich, dass ich heute gewinnen kann. Ich musste nur glauben und alles reinlegen, egal was passiert.“

Schmerz, Zweifel und der letzte Antritt

Trotz wachsender Zuversicht blieb die Schlussphase der Etappe eine enorme Herausforderung. Als der Vorsprung zu schmelzen begann, kamen erstmals Zweifel auf. „Vor der letzten Kurve habe ich wirklich gezweifelt, ich hatte so viele Schmerzen. Ich habe versucht, positiv zu bleiben, und im Funk gehört, dass sie immer näher kommen.“
Die Unsicherheit begleitete ihn bis in die letzten Meter hinein. „Du fragst dich, ob sie dich noch holen oder nicht“, schilderte Jasch. „Aber dann kam die letzte Kurve und es waren nur noch 400 Meter. Ich habe zurückgeschaut, niemanden gesehen und bin dann Vollgas bis zur Linie gefahren.“

Ein Durchbruch über die Erwartungen hinaus

Der Etappensieg markiert einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung des Deutschen. Jasch stammt ursprünglich aus dem Eisschnelllauf, wechselte erst später zum Radsport und fährt weiterhin auf Development-Niveau. Auf einer Etappe mit permanenten Anstiegen und hohem Renntempo behauptete er sich nicht nur im Spitzenfeld, sondern dominierte letztlich die entscheidende Gruppe.
Noch ist das Ausmaß dieses Erfolgs für ihn selbst kaum vollständig greifbar. Doch an einem Tag, der aus seiner Sicht zunächst wie ein „ganz normaler Tag“ begonnen hatte, gelang ihm in den Alpen ein Auftritt, der ihn nachhaltig ins Blickfeld rückt.
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