Der
Giro d’Italia 2026 mag in den Bergen einen überragenden Favoriten auf die Maglia Rosa haben, doch bevor Jonas Vingegaard und die Klassementfahrer das Rennen prägen, richtet sich der Blick in Bulgarien bei den Sprints wohl auf einen Mann:
Jonathan Milan.
Nach Einschätzung von Ex-Giro-Etappensieger und TNT-Sports-Experte
Jens Voigt startet der Lidl-Trek-Sprinter in die ersten Tage des Giro als klarer Maßstab für Etappensiege und die Punktewertung.
„Er wird am letzten Tag ganz sicher die Maglia Ciclamino tragen“,
prognostizierte Voigt im Gespräch mit TNT Sports.
Der Deutsche hält Milan zudem für den Topkandidaten, die 1. Etappe in Bulgarien als erster Träger der Maglia Rosa zu beenden. „Er ist mein großer Favorit darauf, die Maglia Rosa schon am ersten Tag zu übernehmen“, erklärte Voigt.
Lidl-Trek-Zug rückt in den Fokus
Milan reist nach einem weiteren Frühjahr, das seinen Status als einer der schnellsten Fahrer der Welt untermauerte, zum Giro. Der Italiener hat bereits mehrere Giro-Etappen gewonnen und zweimal die Ciclamino-Wertung geholt, doch die Auftaktetappen in Bulgarien eröffnen eine neue Chance: endlich erstmals die Maglia Rosa zu tragen.
Voigt sieht den Vorteil nicht nur in Milans reiner Endgeschwindigkeit, sondern auch in der Struktur, die Lidl-Trek um ihn herum aufgebaut hat. „Massensprints sind von Natur aus volatil“, erklärte Voigt. „Timing, Positionierung und die Anfahrt entscheiden über den Ausgang.“
Trotz aller Unwägbarkeiten im Sprint erkennt der Deutsche jedoch ein Team, das herausragt. „Milan hat ein besonders starkes Setup“, sagte er. „Milan verbindet Topspeed mit einem eingespielten Lead-out: Simone Consonni als letzter Anfahrer, unterstützt von kraftvollen Fahrern wie Max Walscheid und Tim Torn Teutenberg. Diese Struktur macht Milan zum Topkandidaten für die Punktewertung und frühe Sprintsiege.“
Jonathan Milan bei der Teampräsentation des Giro d’Italia 2026
Die Herausforderer, die Milan stoppen wollen
Trotz Milans Favoritenrolle ist das Sprintfeld in Bulgarien tief und vielseitig besetzt.
Kaden Groves mag ohne den dominanten Anfahrzug auftreten, der bei Alpecin-Premier Tech mit Fahrern wie Mathieu van der Poel oder Jasper Philipsen üblich ist, doch der Australier bleibt in chaotischen oder reduzierten Sprints einer der gefährlichsten Akteure. Seine Fähigkeit, härtere Etappen zu überstehen und sich spät zu positionieren, macht ihn weiterhin zu einer der größten Bedrohungen für Milan.
Voigt nannte zudem
Dylan Groenewegen als realistischen Herausforderer für die ersten Sprintankünfte. Der Niederländer zählt weiterhin zu den schnellsten reinen Sprintern im Feld, besonders auf flachen und geradlinigen Zielgeraden.
Gleichzeitig sorgt die junge Generation für Spannung in der Giro-Sprintkonkurrenz. Paul Magnier reist als einer der Durchstarter der Saison 2026 an und scheint besonders für die punchigen Finals der ersten Woche gemacht. Tobias Lund Andresen hat sich zudem zu einem der sich am schnellsten entwickelnden Allround-Sprinter im Peloton gemausert, mit einer Kombination aus Endgeschwindigkeit und guter Kletterresistenz auf selektiven Etappen.
Weitere Breite bringen Fahrer wie Arnaud De Lie, Ethan Vernon, Orluis Aular, Casper van Uden und Pascal Ackermann, die alle mit realistischen Hoffnungen auf einen Sprinterfolg irgendwo in den drei Wochen anreisen.
Warum die Auftaktetappen so wichtig sind
Der bulgarische Giro-Auftakt schürt das Interesse an der Sprintkonkurrenz ungewöhnlich stark, weil die realistische Möglichkeit besteht, dass die Maglia Rosa in den ersten Renntagen bei den schnellen Männern bleibt.
Damit wächst der Druck auf Milan, der als klarer Favorit nicht nur auf Ciclamino, sondern womöglich auch auf das erste Rosa des Giro gilt.
Gleichwohl warnte Voigt, wie schnell sich Sprinterwartungen zerschlagen können. „Dennoch entscheidet die Ausführung auf den letzten 150 bis 250 Metern“, erklärte er. „Ein etwas langsamerer Sprinter kann mit perfektem Lead-out gewinnen, und ein dominanter Sprinter kann verlieren, wenn Positionierung oder Timing nicht passen.“
Genau diese Unwägbarkeit macht die Auftaktsprints des Giro so reizvoll. Milan mag als Maßstab starten, doch bei der Tiefe und stilistischen Vielfalt des Sprintfeldes in Bulgarien könnte der Kampf um die erste Maglia Rosa rasch zu einer prägenden Geschichte der ersten Woche werden.