Remco Evenepoel erlebte einen Saisonstart mit Licht und Schatten. Bei der UAE Tour blieb der Belgier deutlich hinter seinen eigenen Erwartungen zurück. Besonders bei seinen ersten langen Klettereinsätzen des Jahres hatte er gegen ein Weltklassefeld Schwierigkeiten.
Belgiens Nationaltrainer
Serge Pauwels sieht deshalb die Volta a Catalunya als wichtigen Gradmesser. Dort soll sich zeigen, wo Evenepoel aktuell steht - und ob sein Team Red Bull - BORA - hansgrohe die richtigen Stellschrauben findet, um das Maximum aus dem Olympiasieger herauszuholen.
Pauwels lobt Evenepoels Siegesserie
„Ich habe seinen Saisonstart mit Bewunderung verfolgt. Man muss zugeben, dass das Feld bei der Challenge Mallorca nicht erstklassig besetzt war, aber ich bleibe bei meinem Motto: Hauptsache, man gewinnt ein Rennen“, sagte Pauwels im Gespräch mit
Wielerflits. „Er hat das nicht nur einmal geschafft, sondern insgesamt siebenmal. Das ist überragend, auch wenn es ein anderes Niveau ist als beim UAE Tour oder der Catalunya. Es war zudem klar, dass er sich im neuen Team sehr wohlfühlt.“
Evenepoel tat sich bei der UAE Tour schwer
Pauwels kennt Evenepoel sehr gut. Als Nationaltrainer begleitete er den Belgier im vergangenen Jahr bei seinen Erfolgen bei Welt- und Europameisterschaften. Deshalb weiß er auch, dass Evenepoel kein klassischer Kletterer wie viele seiner größten Rivalen ist.
Der Belgier überzeugt vor allem auf kürzeren Anstiegen und in explosiven Rennsituationen. Genau darin sieht Pauwels die zentrale Herausforderung.
„Für Remco ist und bleibt es eine Herausforderung, die längeren Belastungen der Etappen mit den explosiveren, ‚punchigen‘ Finals zu kombinieren. Das ist alles andere als selbstverständlich, zumal er von Natur aus wohl näher an diesen explosiven Fahrertypen ist und seine Aerodynamik in der Ebene besser zur Geltung bringen kann. Ich denke, er muss dieses Gleichgewicht noch besser finden.“
Höhentraining soll Balance verbessern
Starke Leistungen in den Hochbergen entstehen meist durch gezielte Vorbereitung und konsequentes Gewichtsmanagement. Dieser Weg führt häufig über spezifisches Höhentraining - besonders für Fahrer, die bei Grand Tours um das Gesamtklassement kämpfen wollen.
Beim UAE Tour fehlte Evenepoel laut Pauwels noch genau diese Grundlage. „Das ist die logischste Erklärung. Beim UAE Tour kann er auf den langen Anstiegen nicht fahren, wie er will, aber das kurze, zehnminütige Zeitfahren gewinnt er dort mit großem Vorsprung. Das beweist, dass er in dieser Rundfahrt nicht plötzlich deutlich schlechter in Form war als in den Wochen zuvor. Aber die Balance zwischen Explosivität und längeren Belastungen war zu sehr zugunsten der Explosivität verschoben.“
Dabei hat Evenepoel bereits bewiesen, dass er auch in den Hochbergen bestehen kann. 2022 gewann er die Vuelta a Espana. Bei der Tour de France 2024 fuhr er zudem auf Rang drei - mit möglicherweise seinem bislang besten Niveau an langen Anstiegen.
Nach dem UAE Tour reiste der Belgier schließlich ins Höhentrainingslager auf den Teide. Dort arbeitet er gezielt daran, seine Fähigkeiten für lange Anstiege weiter zu verbessern.
„Dort müssen sie nachjustieren, ausgerichtet auf seine Hauptziele. Zunächst kommen die Ardennen-Klassiker, bei denen ich starke Auftritte von ihm erwarte. Natürlich weiß ich nicht genau, wie er trainiert, aber ich denke, das Team hat einige Anpassungen vorgenommen“, erklärte Pauwels.
Zwischen der Volta a Catalunya und den Ardennen-Klassikern unterscheiden sich die Anforderungen deutlich. Deshalb musste das Team im Training klare Schwerpunkte setzen.
„Ich habe ihm etwas Ruhe gegönnt, aber aus seinem Umfeld höre ich, dass wir in Katalonien eine bessere Version von ihm sehen werden als beim UAE Tour.“
Nach einigen ruhigeren Wochen abseits der Öffentlichkeit und mit gezieltem Training könnte Evenepoel wieder in Topform zurückkehren. Ähnlich verlief es bereits im vergangenen Jahr nach der Tour de France, als sein Wechsel zu Red Bull - BORA - hansgrohe offiziell bestätigt wurde.
„Dass er in Spanien abschalten konnte, ist für Remco nicht schlecht. Er ist jemand, der nach einer Phase ‚auf seinem Berg‘ immer stark zurückkommt“, ist Pauwels überzeugt. „So war es auch im vergangenen Jahr Richtung Weltmeisterschaft. Er ist eine Weile weg vom Trubel und kann sich voll fokussieren. Darin ist er wirklich gut.“