„Die großen Wahrheiten von außen zuzukaufen, ist nicht mein Stil“: Jurgen Foré reagiert auf umfangreiche Personalrochade bei Rivalenteams

Radsport
Samstag, 06 Juni 2026 um 8:00
E3SaxoClassic_SoudalQuickStep
Mitten in der Saison sind größere Rochaden auf WorldTour-Level selten, doch drei Top-Teams – Visma | Lease a Bike, Red Bull - BORA - hansgrohe und Lidl-Trek – sorgten diese Woche für ordentlich Wirbel: Alle drei Strukturen nehmen ihre Performance-Abteilungen auf halber Strecke Richtung Tour de France spürbar um.
Den Anfang machte zu Jahresbeginn der überraschende Abgang von Jonas Vingegaards erfolgreichem Visma-Coach Tim Heemskerk, der anschließend ins Performance-Team von Red Bull wechselte. Die Rotation setzt sich fort: Remco Evenepoels Red-Bull-Coach Dan Lorang wird nach dieser Tour Head of Performance bei Lidl-Trek.
Lidl-Trek agiert ohnehin offensiv auf dem Staff-Markt: verpflichtet wurden Grischa Niermann (neuer General Manager) und Ernährungsexperte Martijn Redegeld, ein Ex-Visma-Mitarbeiter mit kurzem Intermezzo bei Ajax Amsterdam – ein ähnlicher Weg wie sein früherer Chef Merijn Zeeman, der zu AZ Alkmaar ging.
Zum Abschluss (vorerst) räumt der bisherige CEO von Lidl-Trek, Luca Guercilena, seinen Posten für Andy Schleck. Visma hat Niermanns Abschied mit der Beförderung von Marc Reef zum Head of Racing antizipiert. Und wie sehen die Rivalen, konkret Soudal - Quick-Step-CEO Jurgen Foré, dieses Stühlerücken?
Klar ist: Lidl-Trek und Red Bull - BORA - hansgrohe wollen in absehbarer Zeit an die Spitze des Radsports, es fehlt ihnen aktuell jedoch der eine Aushängestar, um mit UAE oder Visma auf Augenhöhe zu sein. Da die größten Namen langfristig gebunden sind, investieren sie nun in Strukturen – für den Moment, in dem ein Superstar im eigenen Trikot durchbricht. Red Bull hofft, dass Quick-Steps frühere Galionsfigur Remco Evenepoel diese Rolle im deutschen Team einnimmt.
Im Gegensatz dazu verfolgt Soudal - Quick-Step keine derart großspurigen Ziele. Team-CEO Jurgen Foré baut lieber auf Zusammenhalt und langfristige Bindung. Teamarzt Yvan Vanmol ist seit der Gründung dabei. Sportdirektor Wilfried Peeters geht in sein 25. Jahr, und auch die Sportlichen Leiter Tom Steels, Geert Van Bondt und Davide Bramati sind seit Ewigkeiten an Bord.
„Diese Menschen muss man mit großem Respekt behandeln“, sagt Foré zu WielerFlits. „Aber ebenso rechtzeitig neue, junge und komplementäre Leute ins Team holen.“

Es gibt keine Geheimnisse, die man anderswo kaufen könnte

Ohne Evenepoel hat das Wolfpack seine frühere Freude an Klassikern und Sprints wiederentdeckt. Zur Personalpolitik betont Foré, dass er wenig von „Einkäufen“ bei der Konkurrenz hält:
„Wir schauen mitunter eher über den Radsport hinaus als auf die Konkurrenz. Ich blicke lieber auf uns selbst und darauf, was wir selbst aufbauen können, statt zu glauben, große Wahrheiten irgendwo einkaufen zu müssen. Das ist weniger mein Stil.“
Am Ende gibt es ohnehin kaum verborgene Erkenntnisse zu heben. „Ich bezweifle, dass es [Geheimnisse zu holen] gibt. Wir versuchen alle, das Maximum aus Fahrern herauszuholen. Entscheidend ist die gute Zusammenarbeit zwischen Athlet und Performance-Team. Mit viel Geld kann man sich zweifellos schneller einen starken Fahrerkern kaufen, aber das Handwerk und der Wille, ein gutes Performance-Team aufzubauen, sind mehr als nur Geld“, schließt der Teammanager.
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