„In den nächsten zwei Jahren will ich noch etwas gewinnen“ – Red Bull - BORA - hansgrohe verlängert mit deutschem Edelhelfer

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 17 September 2026 um 10:00
benzwiehoff
Red Bull - BORA - hansgrohe setzt auch über die Saison 2026 hinaus auf die Dienste von Ben Zwiehoff. Der deutsche WorldTour-Rennstall hat den Vertrag mit seinem erfahrenen Helfer verlängert und gibt dem ehemaligen Mountainbiker damit die Möglichkeit, seine wichtige Arbeit für die Kapitäne fortzusetzen – ohne die eigenen sportlichen Ambitionen aus den Augen zu verlieren.
Erst 2021 wechselte der heute 32-Jährige vom Mountainbike auf die Straße. Zwiehoff hatte sich im Offroad-Bereich bereits als Profi etabliert, gleichzeitig aber erkannt, dass ihm für den dauerhaften Sprung in die absolute Weltspitze wohl etwas fehlen würde. Seine Ausdauer und ausgeprägte Fahrtechnik auf schwierigem Terrain eröffneten ihm schließlich einen anderen Weg: den Wechsel in die WorldTour.

Vom Mountainbike-Profi zum wertvollen WorldTour-Helfer

„Mir wurde relativ früh klar, dass ich im Mountainbiken wohl nicht gut genug sein würde, um ganz vorne mitzuhalten. Meine Trainer sagten: ‚An einem guten Tag kannst du im Weltcup vielleicht in die Top 15 oder Top Ten fahren, aber dir fehlt etwas für die absolute Spitze.‘ Gleichzeitig war ich Profi-Mountainbiker, hatte langfristige Verträge und konnte mein Hobby zum Beruf machen“, erklärte Zwiehoff in einem Interview mit dem Team.
Red Bull - BORA - hansgrohe.
Ben Zwiehoff bleibt Red Bull - BORA - hansgrohe über 2026 hinaus erhalten. Neben seiner Rolle als Edelhelfer verfolgt der Deutsche weiter zwei große Ziele: einen Profisieg und die Tour de France.
Der Wechsel auf die Straße war deshalb keineswegs eine selbstverständliche Entscheidung. Zwiehoff wusste zwar anhand seiner Trainingswerte, dass die körperlichen Voraussetzungen vorhanden waren, musste jedoch zunächst herausfinden, ob sich diese auch unter Rennbedingungen übertragen ließen.
„So eine Sicherheit wirft man nicht einfach weg. Aus meinen Trainingsdaten wusste ich, dass meine Fitness für Straßenrennen nicht schlecht sein könnte. Aber niemand wusste, ob ich das in Straßenrennen wirklich umsetzen kann. Also war klar: Wenn ich diesen Schritt mache, dann nur unter den richtigen Bedingungen.“
Mittlerweile hat sich Zwiehoff längst im Straßenradsport etabliert. Obwohl er seine wichtigsten Aufgaben überwiegend als Helfer erfüllt, konnte der Deutsche immer wieder zeigen, welches Potenzial er besitzt, wenn er selbst Freiheiten erhält.
„2023 war ein sehr starkes Jahr. Ich wurde Zweiter in Tschechien, Zweiter in der Türkei und war eigentlich in fast jedem Rennen ganz vorne dabei. Das hat mir natürlich einen richtigen Schub gegeben. Gleichzeitig habe ich mein eigenes Niveau sehr gut kennengelernt. Wenn alles passt, kann ich auf WorldTour-Niveau in die Top Ten fahren und in kleineren Rennen um die Top fünf kämpfen. Mit viel Glück gewinne ich vielleicht sogar ab und zu.“

„Entweder du gewinnst – oder du hilfst denen, die gewinnen können“

Gleichzeitig hat Zwiehoff in den vergangenen Jahren erkannt, wie klar die Rollen innerhalb eines ambitionierten WorldTour-Teams mittlerweile verteilt sind. Gerade bei Red Bull - BORA - hansgrohe, das mit zahlreichen hochkarätigen Kapitänen antritt, bleibt immer weniger Raum zwischen der Rolle des Siegers und jener des Helfers.
„Aber ich habe gemerkt, dass der Sport immer stärker polarisiert. Gerade in einem Team wie unserem gilt: Entweder du gewinnst Rennen – oder du hilfst denen, die sie gewinnen können. Der Raum dazwischen wird immer kleiner. Ich bin in der zweiten Gruppe.“
Für Zwiehoff bedeutet erstklassige Helferarbeit allerdings wesentlich mehr, als lediglich hohe Wattwerte zu produzieren. Entscheidend seien das Verständnis für die Bedürfnisse des Kapitäns, die richtige Positionierung, taktisches Gespür und eine klare Kommunikation innerhalb der Mannschaft.
„Als guter Helfer musst du dich in deinen Kapitän hineinversetzen können. Was braucht er jetzt? Was würde mir in dieser Situation helfen? Dafür braucht es Empathie; man muss miteinander sprechen und absolut loyal sein. Wenn es heißt: ‚Du fährst jetzt‘ – und du genau weißt, dass damit dein eigener Tag praktisch gelaufen ist – dann musst du es trotzdem zu Ende bringen.“
Hinzu kommt jene Rennintelligenz, die sich erst mit zunehmender Erfahrung entwickelt. „Positionierung, die Rennsituation lesen, wissen, welche Gruppe gefährlich ist oder wie man Druck auf andere Teams ausübt. Ein guter Helfer ist nicht nur jemand, der schnell einen Berg hochfahren kann.“

Der Traum vom ersten Profisieg lebt weiter

So klar Zwiehoff seine Rolle innerhalb der Mannschaft definiert, so wenig möchte er deshalb auf persönliche Ziele verzichten. Auch nach mehreren Jahren auf der Straße fehlt ihm noch ein Profisieg – und genau das soll sich während seiner neuen Vertragslaufzeit ändern.
„In den nächsten zwei Jahren will ich noch etwas gewinnen. Es ist nicht so, dass ich sage: ‚Ich bin jetzt nur noch Helfer.‘ Chancen ergeben sich immer. Und nach all der harten Arbeit würde ich so etwas irgendwann gern erreichen – am liebsten natürlich auf einer großen Bühne. Planen oder garantieren kann man das nicht.“
Gerade die Vorstellung, die jahrelange Arbeit irgendwann mit einem eigenen Triumph zu belohnen, treibt den Deutschen weiter an. „Aber der Gedanke, eines Tages sagen zu können: ‚Dafür habe ich sieben Jahre auf der Straße gearbeitet‘ – das motiviert mich sehr.“
Neben dem ersten Profisieg gibt es noch einen weiteren Wunsch, den Zwiehoff nicht aufgegeben hat: einen Start bei der Tour de France. Gleichzeitig weiß er genau, wie schwierig es angesichts der enormen internen Konkurrenz bei Red Bull - BORA - hansgrohe sein wird, einen der begehrten Plätze im Tour-Aufgebot zu erhalten.
„Ich würde mit dem Team liebend gern wieder eine Grand Tour gewinnen. Ich habe selbst erlebt, wie besonders das ist [Giro d'Italia 2022]. Und dann ist da natürlich die Tour de France.“
Zwiehoff hält sich nach seinen mittlerweile zahlreichen Jahren auf der Straße für bereit, diese Herausforderung anzunehmen. „Die Konkurrenz in unserem Team ist extrem hart, dessen bin ich mir vollkommen bewusst. Aber nach all den Jahren auf der Straße und mit der Erfahrung, die ich gesammelt habe, würde ich mich bereit fühlen, die Tour anzugehen.“
Seine Karriere möchte der 32-Jährige allerdings keineswegs davon abhängig machen, ob dieser Traum tatsächlich noch in Erfüllung geht. „Ich wäre jetzt nicht traurig, und ich würde meine Karriere nicht als gescheitert ansehen, wenn es nie klappt. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wollte es nicht wenigstens einmal erleben. Ich glaube, das wünscht sich fast jeder Radprofi.“
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